17.09.12

Verhaltensforschung

Krähen ziehen vorsichtige und kluge Schlüsse

Wenn es darum geht abzuschätzen, ob sie hinterrücks einen Schlag auf den Kopf riskieren, sind Krähen ganz schön klug: Vermuten sie einen Menschen in der Nähe, so verhalten sie sich vorsichtig.

Neukaledonische Krähen zeigen, dass Raben und Krähen nicht unbedingt nur in Märchen und Mythen weise sind. Die Vögel können aus vorangegangenen Beobachtungen schlussfolgern, dass ein Stock von einem Menschen bewegt wird, auch wenn die Person in dem Moment nicht zu sehen ist.

Das berichten Biologen und Psychologen in der US-Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" . Die Fähigkeit, solche Schlüsse über versteckte Mechanismen zu ziehen, sei bislang nur von Menschen bekannt gewesen.

Versuche an freilebenden Krähen

Für das Experiment wurden acht freilebende Neukaledonien-Krähen auf der Pazifik-Insel Maré eingefangen. Der Psychologe Alex H. Taylor von der University of Auckland in Neuseeland und zwei Kollegen trainierten die Vögel anschließend darauf, mit einem dünnen Stab durch ein Loch Futter aus einer Box zu pulen.

Dann wurde die Box 20 Zentimeter vor einer blauen Plane auf einen Tisch gestellt. Nun kam ein Mensch in den Versuchskäfig und versteckte sich hinter der Abschirmung. Durch ein Loch in dieser Plane schnellte daraufhin mehrmals ein Stab in Richtung Futterbox hervor. Er hätte eine Krähe beim Stochern nach Futter auf den Hinterkopf treffen können, da sie nur abgewandt von der blauen Plane Speisen aus der Box holen konnte.

Danach verließ der Mensch den Raum. In dieser Situation holten sich alle Tiere anschließend das Futter recht schnell, da sie gesehen hatten, wie der Mensch aus dem Käfig ging.

Vorsicht geht vor

Im zweiten Versuch kam kein Mensch mehr hinter die Plane und trotzdem schlug der Stock aus dem Versteck hervor. Bei beiden Versuchsanordnungen bewegte sich der Stab gleich, weil er von einem Experimentator außerhalb des Testraumes bewegt wurde. In der Situation ohne Menschen waren die Tiere schreckhafter. Sie inspizierten das Loch auch häufiger.

Ein Video zeigt, wie eine Krähe während des Futterholens zwölfmal zum Loch schaut und immer wieder zögert, nach dem Futter zu langen. In dieser Situation folgerten die Krähen nach Meinung der Forscher, der Stock könne wieder zuschlagen und sie treffen.

Anders in der Situation mit der sich versteckenden Person. "Die Krähen ordneten die Bewegung des Stocks dem Menschen in dem Versteck zu und schlossen deswegen darauf, dass der Stock nicht wieder benutzt würde, wenn der Mensch das Versteck verlassen hatte", schreiben die Forscher. Dieser Unterschied zeige, dass Krähen Rückschlüsse auf einen versteckt Agierenden ziehen können. Die Erkenntnis sei wichtig, um die Evolution von Intelligenz zu verstehen. "Die Fähigkeit zu schlussfolgern, warum ein unbewegliches Objekt sich bewegt, könnte in vielen Umweltsituationen verwendet werden."

Die intelligenten Vögel wurden nach dem Experiment wieder in ihrer Heimat ausgesetzt.

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