18.09.12

Studie

Krebs ist Todesursache Nummer eins in der EU

Forscher haben Totenscheine aus allen EU-Mitgliedsstaaten ausgewertet: Herausgekommen ist eine Rangliste der häufigsten Todesursachen. Zwischen den Ländern gibt es allerdings deutliche Unterschiede.

Foto: Science Photo Library RM

Aufnahme einer Tumorzelle mit ihren Auswüchsen: Krebs ist die Todesursache Nummer 1 in der EU
Aufnahme einer Tumorzelle mit ihren Auswüchsen: Krebs ist die Todesursache Nummer 1 in der EU

Jeder zweite Todesfall in der Europäischen Union (EU) geht auf Krebs oder eine chronische Krankheit zurück. In den 27 Mitgliedsstaaten sterben jährlich mehr als zwei Millionen Menschen an diesen Erkrankungen, wie ein internationalen Forscherteam festgestellt hat.

Die Wissenschaftler hatten die Totenscheine von 4,08 Millionen Menschen ausgewertet, die im Jahr 2007 in der EU gestorben waren. 2,02 Millionen Todesfälle gingen demnach auf nicht-akute Todesursachen wie Krebs und chronische Krankheiten zurück.

Mit gut einem Viertel der Fälle führten Tumorerkrankungen dabei die Liste der Todesursachen an, gefolgt von chronischen Herzerkrankungen, an denen rund jeder 20. EU-Bürger starb, wie die Forscher im Fachmagazin "BMJ Supportive and Palliative Care" berichten.

Weitere häufige Todesursachen seien Lungenkrankheiten, Diabetes, Leberversagen sowie neurologischen Erkrankungen.

Chronische Ursachen in den wohlhabenden Staaten häufiger

Deutliche Unterschiede stellte die Studie zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten fest: In Bulgarien, Ungarn und Dänemark war der Anteil der Todesfälle durch Krebs und chronische Krankheiten am höchsten, in Irland, der Slowakei und auf Zypern am geringsten. Deutschland lag mit 442 Todesfällen durch solche nicht-akuten Ursachen pro 100.000 Einwohnern deutlich über dem EU-Durchschnitt von 409.

In der Liste tauchen viele wohlhabende Länder weit oben auf. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass in solchen Ländern die Menschen im Durchschnitt relativ alt werden – unter anderem, weil die medizinische Versorgung gut ist.

Warum Krebs und chronische Krankheiten in einigen ehemaligen Ostblockstaaten für so viele Todesfälle sorgen, sei dagegen noch unklar.

"Da die Bevölkerung in vielen Staaten der westlichen Welt immer älter wird, werden auch immer mehr Todesfälle auf Krebs und chronische Krankheiten zurückgehen", erklären Jeroen Hasselaar von der Radboud Universität in den Niederlanden und seine Kollegen.

Denn je älter ein Mensch werde, desto mehr nehme die Wahrscheinlichkeit zu, an einem solchen Leiden zu erkranken. Um die Gesundheitssysteme darauf vorzubereiten, sei es wichtig zu wissen, welchen Anteil solche nicht-akuten Todesfälle bereits heute in der Gesellschaft hätten. Deshalb habe man dies nun untersucht.

Totenscheine von gut vier Millionen Menschen

Im Jahr 2007 zählte die EU 495 Millionen Einwohner – 4,08 Millionen dieser Personen starben in diesem Jahr. Aus deren Totenscheinen ermittelten die Wissenschaftler den Anteil verschiedener Todesursachen, die sogenannte grobe Todesrate, in die weder Alter noch Geschlecht eingeht.

Zusätzlich untersuchten sie noch einmal gesondert die Todesursachen für alle, die mit 65 Jahren oder älter gestorben waren. Betrachte man nur die Altersgruppe über 64 Jahren, seien durchschnittlich 1.783 pro 100.000 Personen an nicht-akuten Todesursachen gestorben, berichten die Forscher. Das sei mehr als dreimal so viel wie entsprechende Durchschnittswert bei der Gesamtbevölkerung.

Nach Ansicht der Forscher weist das Ergebnis der Studie darauf hin, wie wichtig heute und in Zukunft die Versorgung von Menschen im Endstadium schwerer Krankheiten ist. Denn diese Patienten litten meist unter schwerwiegenden Symptomen, darunter starken Schmerzen und Erschöpfung.

Bereits heute seien Tausende von Menschen in Europa betroffen, in Zukunft werde sich diese Zahl noch erhöhen. Diese Patienten adäquat medizinisch zu versorgen und ihr Leiden zu lindern sei eine große Herausforderung und erfordere kurz- und langfristige Versorgungsstrategien.

Quelle: dapd/oc
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