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13.05.09

Gesundheitssystem

Gesundheitspolitiker lehnen Praxisgebühr-Wahn ab

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Leonhard Hansen, hat eine Gebühr von bis zu zehn Euro für jeden Arztbesuch gefordert. Doch mit seinem Vorstoß steht der Ärztesprecher alleine da. Führende Gesundheitsexperten lehnen eine weitere Belastung der Patienten und Krankenkassenmitglieder ab.

Die hitzige Debatte um höhere Praxisgebühren hält an. Der Vorstandschef der AOK Rheinland-Hamburg, Wilfried Jacobs, sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", es sei "ein Armutszeugnis, wenn sich die Kreativität von Ärztevertreter darin erschöpft, die ohnehin durch Zuzahlungen und Beiträge stark belasteten Patienten noch weiter abkassieren zu wollen".


Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Leonhard Hansen, hatte zuvor eine Gebühr von bis zu zehn Euro für jeden Arztbesuch gefordert, für Facharztbesuche ohne Überweisung sogar bis zu 25 Euro. Begründet hatte er dies mit einer zu niedrigen "Hemmschwelle" der Patienten vor dem Arztbesuch.


Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnete Hansens Vorstoß im "Stadt-Anzeiger" als "vollkommen absurd".


Schließlich bestellten die Ärzte selbst die Patienten immer wieder in ihre Praxis und seien somit für die hohe Zahl der Arztbesuche mitverantwortlich. "Den Patienten dafür in die Tasche greifen zu wollen, ist schlicht frech", sagte Lauterbach.


Auch der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl, distanzierte sich vorsichtig von Hansens Initiative.


"Eine Debatte über mehr Selbstverantwortung der Versicherten ist grundsätzlich notwendig, aber nicht unbedingt in Form höherer Selbstbeteiligungen", sagte er dem "Stadt-Anzeiger". "Wir reden einer Ausweitung der Praxisgebühren jedenfalls nicht das Wort."


Kurz zuvor hatte Stahl noch gesagt, auch wenn das Thema "unpopulär" sei, so sei es doch richtig, über eine Verschärfung der Praxisgebühr zu diskutieren.


Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, bezeichnete das Thema als "ausgereizt". "Es wird keine höheren Zuzahlungen geben, es wird keine höhere Praxisgebühr geben", sagte Vater.


Dieser Beschluss stehe "felsenfest". Arztbesuche sollten nicht "bestraft" werden. Eine Erhöhung der Praxisgebühr sei zudem keine Lösung für die Schwierigkeiten der Finanzierung des Gesundheitsystems.


Ablehnend äußerte sich auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Bei den Vorschlägen Hansens entstehe der Eindruck, "dass es darum geht, die Patienten aus den Arztpraxen fernzuhalten und nicht darum, sie zu versorgen", sagte GKV-Sprecher Florian Lanz.

Quelle: AFP/fsl
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