10.09.12

Notfallmedizin

Rotes Kreuz fordert Pflichtkurse in Erster Hilfe

Bei Unfällen mit Verletzten ist die Mehrzahl der Autofahrer überfordert. Kein Wunder, denn der letzte Erste-Hilfe-Kurs liegt bei vielen oft Jahre zurück. Das Rote Kreuz fordert nun Pflichtkurse.

Foto: chromorange

Zu wenige Autofahrer sind fit in Erster Hilfe. Doch den größten Fehler, den man machen kann, ist nicht zu helfen
Zu wenige Autofahrer sind fit in Erster Hilfe. Doch den größten Fehler, den man machen kann, ist nicht zu helfen

Viele deutsche Autofahrer sind nach Einschätzungen des Deutschen Roten Kreuzes, der Malteser und der Johanniter bei Unfällen mit Verletzten überfordert.

Rettungsexperten fordern daher anlässlich des weltweiten Tags der Ersten Hilfe am Samstag (8. September), alle zwei oder drei Jahre Nachschulungen in lebensrettenden Maßnahmen zur Pflicht zu machen.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, fordert hingegen Pflichtkurse im Abstand von zwei Jahren. Sprecherin Stephanie Krone sagte: "Sehr viele Autofahrer beherrschen lebensrettende Maßnahmen, wie etwa die stabile Seitenlage oder die Herz-Lungen-Wiederbelebung, nicht."

Erinnerung an einfache Handgriffe verblasst

Auf Basis einer Umfrage aus dem Jahr 2000 geht das DRK davon aus, dass heute bei 80 Prozent der Kraftfahrer der letzte Erste-Hilfe-Kurs mehr als 15 Jahre zurückliegt. Mit dem ADAC arbeitet das Rote Kreuz derzeit an einer europaweiten Studie, um den Wissensstand von Autofahrern zu testen.

Bundesweit frischten nicht einmal fünf Prozent der Führerscheininhaber freiwillig ihre Kenntnisse auf, schätzt der Referatsleiter für Erste Hilfe bei den Maltesern, Stefan Markus. "Es gibt eine extrem hohe Hemmschwelle, sich dafür freiwillig hinzusetzen", sagte er.

Erste-Hilfe-Kurse "einfach nicht trendy"

Notfallsituationen bedeuteten Überforderung und Stress für den Hilfeleistenden. Sich damit in der Freizeit zu befassen sei "einfach nicht trendy", sagte Markus. Darum regen die Malteser an, im Abstand von drei Jahren verpflichtende Kurse für Kraftfahrer einzuführen.

Dagegen sagte der Leiter der Johanniter-Akademie Mitteldeutschland, Lars Menzel: "Wir setzen auf Freiwilligkeit, denn da lernt man einfach mehr." Wie bislang sollten nur Lehrgänge für Führerscheinanwärter obligatorisch sein.

Menzel fügte an: "Auto- und Fahrradfahrer können meist mehr, als sie sich zutrauen. Man kann nur einen Fehler machen - und der ist, nicht zu helfen."

Verkehrsminister setzt auf Einsicht

Ramsauer sprach sich gegen die Pflicht zur Nachschulung aus. Er setze auf "Freiwilligkeit und Einsicht der Führerscheininhaber statt auf eine Reglementierung". Er verwies auf die hohen Kosten, die eine regelmäßige Nachschulung von Millionen Fahrern nach sich ziehen würde. Ramsauer begrüßte aber eine freiwillige Teilnahme.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), schlägt hingegen vor, mit einer Kampagne Erste-Hilfe-Kurse zu werben. Beim Wissen darüber sieht er bei den meisten Autofahrern starke Defizite.

Es werde viel zu wenig für Verkehrssicherheit ausgegeben, sagte Hofreiter. "Wir geben fünf Milliarden für die Bundesfernstraßen aus, da sind zehn Millionen angesichts von 5000 Verkehrstoten drin."

Der Etat für Verkehrssicherheitsarbeit sei viele Jahre nicht verändert worden, sagte Hofreiter. Dies komme angesichts der allgemeinen Preissteigerung einer Kürzung gleich.

Quelle: dapd/oc
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