10.09.12

Geschlechtskrankheiten

Unheilbarer Tripper bedroht auch Deutschland

Für Menschen, die sich mit Tripper infizieren, könnte es bald keine Heilung mehr geben: Laut Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis resistente Erreger auch nach Deutschland eingeschleppt werden.

Foto: pa

Eine Krankheit, die beim Geschlechtsverkehr übertragen wird: Einige der als Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) bekannten Erreger der Geschlechtskrankheit Tripper sind mittlerweile gegen gängige Antibiotika resistent
Eine Krankheit, die beim Geschlechtsverkehr übertragen wird: Einige der als Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) bekannten Erreger der Geschlechtskrankheit Tripper sind mittlerweile gegen gängige Antibiotika resistent

Mikrobiologen warnen vor einer Ausbreitung der Geschlechtskrankheit Tripper in Deutschland. Vor einem in Würzburg beginnenden internationalen Fachkongress sagte Tagungspräsident Matthias Frosch, dass die Gefahr von Erregern steige, gegen die gängige Antibiotika nicht mehr wirkten.

"Ganz besonders resistente Stämme sind in Asien schon recht weitverbreitet. Und im Kontext des Sextourismus ist es eine Frage der Zeit, bis hier aus einzelnen importierten Fällen größere Herde entstehen", betonte der Leiter des Lehrstuhls für Hygiene und Mikrobiologie an der Universität Würzburg.

Um dies zu verhindern, forderte er mehr Mittel für eine umfassende Resistenzbestimmung von in Deutschland vorkommenden Erregern. Zudem müsse der internationale Austausch über aktuelle Ausbreitungstendenzen resistenter Erreger gefördert werden.

Frosch rief zudem die Allgemeinärzte zu höherer Aufmerksamkeit bei Symptomen von Tripper auf. Diese müssten dann entsprechende Analysen veranlassen.

Angesichts der globalen Resistenzentwicklung und der Gefahr nicht mehr antibiotisch therapierbarer Infektionen müssten auch Strategien zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Geschlechtskrankheit verfolgt werden, forderte der Mediziner.

Keine Meldepflicht in Deutschland

Nach Angaben Froschs gibt es keine genauen Zahlen über Erkrankungen in Deutschland, weil es seit mehr als zehn Jahren keine Meldepflicht mehr gebe. Nur Sachsen erfasse die Zahl der Tripper-Fälle. "Dort gab es in den letzten Jahren fast eine Verdoppelung bei den Infektionen", konkretisierte er. Als Grund dafür sieht er eine "gewisse Unbekümmertheit".

Auch die WHO erklärte jüngst in Genf, dass in vielen Ländern Resistenzen gegen ein Breitband-Antibiotikum beobachtet worden seien, das bislang allgemein als letzte Behandlungsmöglichkeit für die sogenannte Gonorrhoe galt. Dadurch steige die Gefahr, dass sich ein mutmaßlich "harmloser" Tripper zu einer schweren und schließlich tödlichen Erkrankung auswachse.

Jährlich rund 100 Millionen infiziert

Jedes Jahr würden sich weltweit 106 Millionen Menschen - fast ausschließlich beim Geschlechtsverkehr - mit der Krankheit infizieren.

Nach Auskunft der WHO gibt es alarmierende Berichte unter anderem aus Australien, Frankreich, Japan, Norwegen und Schweden über Resistenzen der als Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) bekannten Erreger gegen Cephalosporine, eine Gruppe von Breitband-Antibiotika.

Die Tripper-Bakterien heften sich an Schleimhautzellen der Harnröhre oder des Gebärmutterhalses fest und schädigen das Gewebe durch Entzündung mit eitrigem Ausfluss.

Ohne Behandlung können die Infektionen leicht auf andere Organe übergreifen. Durch die Wunden im Genitalbereich wird zudem das Risiko der Übertragung des Aids-Erregers HIV erheblich erhöht.

Quelle: dapd/oc
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