29.08.12

Internes Schreiben

Samsung verspricht Mitarbeitern Sieg über Apple

Bei Samsung versucht man sich von der schallenden Ohrfeige vor Gericht zu erholen. Intern soll ein Rundschreiben Mut machen. Außerdem planen die Südkoreaner Revision gegen den Jury-Beschluss.

Foto: AFP
iPhone von Apple und Samsung Galaxy S3 (r.)
Nach dem Sieg im Patentstreit mit Samsung erhöht Apple den Druck auf den Konkurrenten aus Südkorea: Apple beantragte ein Verkaufsverbot für acht Smartphones von Samsung in den USA

Nach der Niederlage im Patentstreit gegen Apple hat sich die Führungsetage von Samsung mit einem internen Rundschreiben an ihre Mitarbeiter gewandt. Darin geben sich die Koreaner weiter überzeugt davon, langfristig als Sieger aus dem Streit mit Apple hervorzugehen.

"Wir vertrauen darauf, dass sich der Markt und die Verbraucher auf die Seite derjenigen stellen werden, die Innovationen den Vorzug vor Klagen geben", schreibt Samsung in dem Memo. "Wir werden das zweifelsfrei beweisen."

Die Samsung-Manager beklagen, dass sie von Anfang an auf Verhandlungen mit Apple gesetzt hätten, da der Konzern aus Cupertino ein wichtiger Kunde sei. Da Apple aber auf einer Klage beharrte, habe man sich zur Gegenklage entschieden.

"Die Geschichte zeigt, dass es bisher kein Unternehmen gegeben hat, dass die Herzen von Verbrauchern erobert und anhaltendes Wachstum erzielt, wenn es sich dem Wettbewerb in erster Linie durch den offenen Missbrauch von Patentgesetzen stellt und nicht durch Innovationen", so Samsung weiter.

Zweckoptimismus nach Milliardenstrafe

Nach dem Erdrutschsieg für Apple will Samsung jetzt weitere Rechtsmittel einlegen und schöpft Hoffnung aus Patentverfahren in anderen Ländern. In Großbritannien, Deutschland, Korea und den Niederlanden hatten Gerichte festgestellt, dass Samsung Apples Design nicht kopiert hätte.

Die amerikanischen Geschworenen dagegen sprachen Apple 1,05 Milliarden Dollar (840 Millionen Euro) Schadensersatz zu. Experten zufolge könnte das Gericht die Schadensersatzsumme sogar noch verdreifachen, weil die Geschworenen feststellten, dass Samsung vorsätzlich gehandelt habe.

Allerdings stehen die Chancen für eine erfolgreiche Revision gar nicht so schlecht. Denn ausgerechnet der Vorsitzende der Jury lieferte Samsung eine Steilvorlage. "Wir wollten sicherstellen, dass die Strafe hoch genug ist, um schmerzhaft, aber nicht unangemessen zu sein", sagte Velvin Hogan nach der Urteilsverkündung.

Durch diese Begründung aber haben die Jury-Mitglieder explizit gegen die Anweisungen von Richterin Koh zur Urteilsfindung verstoßen: Demnach hätten sie für ihre Entscheidung nur Umsatzausfälle und angemessene Lizenzzahlungen für Apple berücksichtigen dürfen, selbst festgesetzte Maßstäbe wie die von Hogan beschriebenen wären also nicht zulässig.

Apple setzt nach

Apple versucht derweil einen Verkaufsstopp für mehrere Samsung-Smartphones zu erreichen, da sie laut Jury-Beschluss gegen diverse Patente verstoßen. Insgesamt hatte die Jury über 28 Samsung-Mobilgeräte als Patent-Brecher identifiziert. Samsung will versuchen, die Entscheidung der neun Geschworenen zu torpedieren, noch bevor sie von Richterin Koh offiziell bestätigt wird.

Apple aber setzt nach und geht auch gegen Samsungs Versuch vor, den vorläufigen Verkaufsstopp für das Tablet Galaxy Tab 10.1 schnell wieder aufheben zu lassen.

Es war das einzige Gerät, bei dem die Südkoreaner gut weggekommen waren: Die Geschworenen fanden keine Verletzung des Tablet-Designmusters von Apple durch Samsungs Galaxy Tab und die Funktionen, die durch Software-Patent abgedeckt werden, können entfernt werden.

Richterin Lucy Koh hatte im Juni Apples Antrag auf eine Einstweilige Verfügung gegen das Gerät stattgegeben. Samsung hat in seinen neueren Tablet-Modellen das Design bereits so verändert, dass es sich deutlicher von Apples Muster unterscheidet.

Quelle: mit dpa
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