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07.05.09

Neue Umfrage

83 Prozent sind stolz darauf, Deutsche zu sein

60 Jahre Grundgesetz – eine Erfolgsgeschichte. Jetzt belegt eine Umfrage, dass die große Mehrheit der Bundesbürger das politische System der Bundesrepublik bejaht. Die Deutschen sind besonders stolz auf sozialen Frieden, demokratische Ordnung und Wirtschaftskraft. Doch es gibt Ost-West-Unterschiede.

© dpa
Eine Deutschland-Fahne weht auf einem Schiff auf dem Rhein
Eine Deutschland-Fahne weht auf einem Schiff auf dem Rhein

Die demokratische Ordnung und die Wirtschaftskraft ihres Landes sind den Deutschen wichtig – aber über alles und in deutlich wachsendem Maße schätzen sie den sozialen Frieden. Das ist das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Meinungsumfrage des Bundesverbandes deutscher Banken, die Morgenpost Online exklusiv vorliegt.

Zugleich ist der Nationalstolz in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Geschichte und kulturelle Leistungen Deutschlands genießen 60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Verabschiedung des Grundgesetzes wachsende Anerkennung. Das Verhältnis zur Verfassung selbst bleibt hingegen im Jubiläumsjahr eher nüchtern.


Das Ipos-Institut Mannheim hat die Erhebung Anfang April unter 1003 wahlberechtigten Deutschen durchgeführt. Bei einigen der Fragen existierten Vergleichszahlen aus früheren Jahren.

So sind aktuell 83 Prozent der Befragten "stolz darauf, Deutscher zu sein". 1994 bejahten dies nur 69 Prozent. Die Zustimmung stieg seitdem kontinuierlich von 71 Prozent (2001) über 81 Prozent (2006) auf den jetzigen Wert an.

Besonders auffällig ist dabei der Sprung um zehn Prozentpunkte von 2001 zu 2006. Ihn führen die Demoskopen auf den Effekt der Fußball-WM im eigenen Land und das schwarz-rot-goldene "Sommermärchen" zurück. Die Umfrage wurde nach Auskunft der Mannheimer Ipos-Demoskopen im September 2006 durchgeführt. Kurz zuvor war auch BenediktXVI. zu Besuch in Deutschland und hatte eine "Wir sind Papst"-Begeisterung weit über den Kreis katholischer Kirchgänger hinaus ausgelöst.

Interessant ist jedoch, dass der Nationalstolz knapp drei Jahre nach Fußball-Wettbewerb und Papst-Visite nicht nachgelassen hat, sondern nochmals geringfügig um zwei Prozentpunkte stieg.

Befragt, "auf welche Eigenschaften unseres Landes" die Deutschen "besonders stolz" seien, entschieden sich in einem Auswahlverfahren unter vorgegebenen Antworten dieses Jahr 28 Prozent für "kulturelle Leistungen". Das ist ein Anstieg gegenüber 1999 (19 Prozent) um rund 50 Prozent. Noch etwas stärker – allerdings auf niedrigerem Niveau – war der Zuwachs derjenigen, die angaben, auf unsere "Geschichte" besonders stolz zu sein. Hier stieg der Wert von zehn Prozent (1999) auf heute 16 Prozent.

Klarer Spitzenreiter bei den Eigenschaften, die Stolz vermitteln, ist aber der "soziale Frieden" mit 56 Prozent Zustimmung. Vor zehn Jahren lag diese Eigenschaft ebenfalls vorne, kam aber lediglich auf 45 Prozent. Es folgen bei weitgehend stabilen Ergebnissen die Eigenschaften "demokratische Ordnung" mit einer Zustimmung von 34 Prozent (1999: 29 Prozent) und "Wirtschaftskraft" mit 32 Prozent (1999: 33 Prozent).

Manfred Weber, Geschäftsführender Vorstand des Bankenverbandes, bezeichnete es im Gespräch mit der Morgenpost Online als "erfreulich, dass die Bevölkerung weiterhin mit Stolz auf die Wirtschaftskraft unseres Landes blickt". Er unterstrich, dass sich die Zahlen gegenüber der Umfrage von 1999 "kaum verändert" hätten. Weber weiter: "Trotz aller schlechter Nachrichten erkennen die Bundesbürger die Leistungen der Unternehmen an, die in den letzten Jahren unter erheblichen Anstrengungen an internationaler Wettbewerbsfähigkeit gewonnen haben."

Allerdings muss bei Umfragen stets eine Fehlerquote einkalkuliert werden. Demoskopen veranschlagen bei Zustimmungen von 50 Prozent eine mögliche Abweichung von 3,5 Prozentpunkten nach oben und nach unten. Steigt die Zustimmung, sinkt die Fehlerquote; und sie wächst bei Zustimmungswerten unter 50 Prozent.

59 Prozent der Befragten geben aktuell an, mit der Demokratie in Deutschland "eher zufrieden" zu sein. 39 Prozent sind eher "nicht zufrieden". Im November 2000 lagen die Zufriedenen (68 Prozent) wesentlich deutlicher vor den Unzufriedenen (28 Prozent). Danach sank die Zufriedenheitsquote, während die Unzufriedenheit wuchs. Nur im April 2007 übertraf die Unzufriedenheit (52 Prozent) die Zufriedenheit (43 Prozent). Im Oktober 2008 machten die Unzufriedenen dann wieder lediglich 45 Prozent aus, die Zufriedenen dominierten erneut (53 Prozent) – ein Trend zurück zu einer positiven Wahrnehmung des politischen Systems, der sich jetzt fortgesetzt hat.

Auch im Ost-West-Vergleich wächst die Zustimmung zum Grundgesetz, wobei aber die Skepsis in den neuen Bundesländern deutlich größer ist als in alten Bundesrepublik.

So sagen im Westen 88 Prozent (1999: 85 Prozent), das Grundgesetz habe sich "in den letzten 60 Jahren bewährt". Im Osten bejahen dies lediglich 75 Prozent. Aber 1999 lag dort der Wert nur bei 65 Prozent und damit unter der Zweidrittelmarke. In Gesamtdeutschland stimmen der Frage aktuell 86 Prozent (1999: 81 Prozent) zu. Für Bankenverbandschef Weber scheint es, "als rückten die Deutschen in der Krise wieder näher zusammen". So habe sich "die Stimmungslage gegenüber Staat und Politik in den letzten Monaten merklich verbessert". Eine Ursache dafür liegt nach Ansicht Webers "in dem entschlossenen Handeln zur Bewältigung der Wirtschaftskrise".

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