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Religion

Kein Platz in Deutschland für Atheisten-Busse?

In London rollen sie schon, in Spanien ebenfalls, auch in den USA: Busse mit atheistischer Botschaft. „Wahrscheinlich gibt es keinen Gott", heißt es darauf. Auch in Deutschland sollten die Busse bald fahren. Doch die Verkehrsbetriebe vieler großer Städte verweigern den Initiatoren die Kooperation.

Atheisten-Bus
Foto: dpa

„Gott ist tot“, hat Nietzsche gesagt. Die Mitglieder der „Säkularen Werbekampagne in Deutschland“ drücken sich vorsichtiger aus: „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.“ Mit diesem Slogan wollen sie auf deutschen Linienbussen den Atheisten und Agnostikern des Landes eine Stimme geben. All denen, die nicht an Gott glauben oder zumindest seine Existenz bezweifeln. Laut Ipsos-Umfrage sind das immerhin 23 Prozent der Deutschen.

Gottlos glücklich lautet die Devise, die sich an der im vergangenen Jahr in London erstmals gestarteten weltweiten „Atheisten-Bus“-Kampagne orientiert und aufklären will: Moral braucht keine höhere Instanz, keine Angstmache. „Es gibt vermutlich keinen Gott. Mach dir keine Sorgen und genieße dein Leben“, war auf 800 Linienbussen zu lesen. Und ähnliche Slogans kurvten auch durch die Straßen von Madrid, Barcelona und Washington.

In Deutschland jedoch stoßen die Initiatoren auf Widerstand. Berlin, München, Stuttgart, Dresden, Potsdam, Hamburg, Leipzig, Dortmund, Regensburg, Bremen, Köln und Frankfurt/Main – die Liste der Städte, in denen die Verkehrsbetriebe keine atheistischen Bekenntnisse umherfahren wollen, ist lang. Imageschäden, die grundsätzliche Weigerung, weltanschauliche Werbung zu machen, wurden als Begründung angeführt.

Nach langem Suchen sagte Ende April Essen zu. Am Mittwoch jedoch nahmen die Verkehrsbetriebe der Ruhrgebietsstadt die Zusage zurück. Massive Kundenbeschwerden, drohende Boykotte, die Angst vor Umsatzeinbußen hätten sie dazu gezwungen.

Auch in England, Spanien und den USA hagelte es Proteste, weigerten sich christliche Fahrer, die Busse zu kutschieren. Doch man fürchtete sich nicht vor dem Slogan, sondern ließ zu, dass öffentlich über Religion und darüber, was sie uns heute bedeutet, diskutiert wurde. So stark müsste der Glaube in Deutschland eigentlich auch sein.



Erschienen am 06.05.2009

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