16.08.2012, 15:46

Gefährliche Reisesouvenirs Sarkozystose verursacht spontane Darmentleerung

Von Jürgen Oeder

Ob Chikungunya, Pappataci oder Sarkozystose: Urlauber schleppen immer häufiger exotische Krankheiten nach Deutschland ein. Ursache sind oft Parasiten und tropische Stechmücken.

In einem Quiz für Fernreisende würden vermutlich selbst erfahrene Globetrotter an den exotisch klingenden Begriffen scheitern: Chikungunya, Pappataci und andere Namen für tropische Krankheiten gehen Ärzten dagegen immer flüssiger von den Lippen.

Und selbst medizinische Schmankerl wie Sarkozystose, bei der es sich nicht um eine Politiker-Allergie handelt, sondern um durch Fäkal-Keime verursachte spontane Darmentleerungen, bringen Urlauber inzwischen aus den entferntesten Erdenwinkeln nach Hause. Mit steigender Tendenz.

Vor allem durch Insektenstiche übertragene Krankheiten nehmen zu, sagt Christian Meyer vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI). Zwar hat sich die auf dem ersten Platz der Importe stehende Malaria auf etwa 500 Fälle im Jahr eingependelt. Und sie verursacht hierzulande auch nur noch Tote, wenn Ärzte die Ursache der Fieberschübe nicht erkennen.

Dafür sind laut Meyer, der Ärzte zu Tropenmedizinern weiterbildet, von Stechmücken übertragene Viruserkrankungen wie etwa das Chikungunya- oder das Dengue-Fieber auf den Vormarsch.

Asiatische Tigermücke am Oberrhein

Deren Wirtstier, die Asiatische Tigermücke, hat mit der Klimaerwärmung längst den Sprung über das Mittelmeer geschafft und wird nun auch am Oberrhein nachgewiesen. Sie ist der wichtigste Überträger der beiden Erkrankungen.

Im Sommer 2007 brach Chikungunya erstmals in Norditalien mit rund 200 Fällen aus und wird jedes Jahr von rund 20 bis 50 deutschen Urlaubern etwa aus Indonesien, Thailand oder den Malediven mitgebracht. Chikungunya verursacht neben hohem Fieber heftige Gelenkschmerzen und kann auch tödlich verlaufen.

Das ebenfalls von der Tigermücke übertragene Dengue-Fieber ähnelt zunächst einer Grippe und führt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge zu mehr als 20.000 Todesfällen im Jahr weltweit.

Laut dem Centrum für Reisemedizin importieren heute zehnmal mehr Touristen das Virus bei ihrer Rückkehr nach Deutschland als noch 2001. Um sich zu infizieren, müssen Reisende Europa übrigens nicht mehr verlassen: Dengue ist seit 2010 in Südfrankreich und Kroatien heimisch.

Sandmücken übetragen gefährliche Viren

Für das auch in der Toskana vorkommende Pappataci-Fieber sind wiederum Sandmücken verantwortlich. Sie übertragen mit ihrem Biss ein Virus, das nicht nur hohes Fieber, sondern in bis zu zwölf Prozent der Fälle auch eine Hirnhautentzündung mit komatösen Zuständen hervorrufen kann.

All diese Krankheiten sind gut behandelbar – wenn der Arzt an die richtige Diagnose denkt, sagt Tropenmediziner Meyer. Vor allem aber können Urlauber sich aktiv schützen: Mückenabweisende Sprays mit einem hohen Anteil des Wirkstoffs DEET vertreiben die Saugrüssler.

Das Mittel sollte nicht nur abends zum Schutz vor Malaria-Moskitos auf Haut und Kleidung, sondern auch tagsüber aufgetragen werden, da Tigermücken und die die Schlafkrankheit übertragenden afrikanischen Tsetse-Fliegen tagaktiv sind.

Wo ein widerlichster Parasit lauert

Häufiges Händewaschen, Getränke aus verschlossenen Flaschen und abgekochte Speisen sind dagegen das Gebot, um Durchfallerkrankungen wie Bakterienruhr zu vermeiden. Die auch Shigelliose genannte Krankheit nimmt nach der letzten Erhebung des Robert-Koch-Instituts zu und wird vor allem aus Ägypten und Indien mitgebracht.

In Asien lauert dagegen der weltweit häufigste und widerlichste Parasit: "Etwa ein Fünftel der Menschheit ist mit dem Spulwurm infiziert", sagt Meyer. Die Eier des bis zu 30 Zentimeter langen rosafarbenen Wurms werden über kotgedüngtes und nicht ausreichend abgekochtes Gemüse vom Menschen aufgenommen.

Die Larven schlüpfen im Darm. Nach einer Wanderung durch den Körper wachsen sie wieder im Darm zu großen Ansammlungen von runden, prallen Würmern heran. Diese können jeweils bis zu 200.000 Eier pro Tag legen und einen Darm bis hin zu einem lebensbedrohenden Verschluss blockieren. "Das sind schon schreckliche Bilder", sagt der Hamburger Mediziner.

(AFP/oc)
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