15.08.12

Tropenmedizin

Mutierte Gene schützen vor Kinderkiller Malaria

Fieber, Durchfall, Krämpfe: Malaria kann gefährlich sein – besonders für Kinder. Im schlimmsten Fall endet die Erkrankung tödlich. Mutierte Gene könnten künftig die Rettung sein.

Foto: picture alliance
Malariaerreger
Gegen die Malaria gibt es bisher noch keine Impfung. Weltweit sterben jährlich mehr als 600.000 Menschen an der Infektion

Zwei weitere Genvarianten können vor schweren Verläufen der Malaria schützen. Diese hat ein deutsch-afrikanisches Wissenschaftlerteam entdeckt, als es das Erbgut gesunder Menschen mit dem von Malariapatienten verglich.

Diese Mutationen helfen möglicherweise dabei, neue Medikamente gegen die mitunter sehr gefährliche zu Tropenkrankheit entwickeln. Die Wissenschaftler um Rolf Horstmann vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin haben ihre Studie im Fachblatt "Nature" veröffentlicht.

Bislang sind bereits einige Genmutationen bekannt, die einen mehr oder weniger starken Schutz vor Malaria bieten. Dazu gehören Blutkrankheiten wie die Sichelzellenanämie oder die Zugehörigkeit zur Blutgruppe Null.

Ein Malaria-Überträger ist die Anophelesmücke: Mit ihrem Stich kann sie den Parasiten Plasmodium falciparum in die Blutbahn einschleusen, der für eine bestimmte Form der Malaria verantwortlich ist.

Patienten leiden an dramatischer Blutarmut

Der Einzeller durchläuft mehrere Stadien und vermehrt sich in roten Blutkörperchen. Patienten mit schweren Verläufen leiden an dramatischer Blutarmut. Störungen der Gehirnfunktionen lösen Krämpfe aus. Betroffene fallen ins Koma und können sogar daran sterben.

Im Jahr 2010 starben nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation 655.000 Menschen an der Infektion, überwiegend Kinder in Afrika. In der Studie sprechen Forscher von einer Million Todesopfer pro Jahr.

Für die aktuelle Studie nahmen die Forscher das gesamte Erbgut von mehr als 1300 Kindern aus Ghana, die an schwerer Malaria litten, unter die Lupe. Die Werte verglichen sie mit denen von mehr als 800 gesunden Kindern. "Dabei stießen wir auf zwei Genvarianten, die statistisch auffällig waren", sagte Studienleiter Horstmann.

Kalzium wichtig für das Überleben der Parasiten

Das eine Gen stehe für ein Molekül, das sogenannte Kalziumkanäle in den roten Blutkörperchen steuere. "Wir wissen aus vorherigen Untersuchungen, dass die Konzentration von Kalzium wichtig für das Überleben der Parasiten ist", sagte Horstmann.

Das zweite Protein wirke auf den Zusammenhalt von Zellen an den Gefäßwänden. "Dazu ist bekannt: Die Gefäße werden bei lebensbedrohlicher Malaria geschädigt, die genauen Prozesse dahinter sind aber noch unklar."

Für ihre Untersuchungen wendeten die Wissenschaftler das Verfahren der genomweiten Assoziation (GWA) an. Das heißt, dass sie bei komplexen Krankheiten nach genetischen Risiko- oder Schutzfaktoren fahnden. Im Labor überprüfen sie anschließend, wie genau die genetischen Faktoren den Krankheitsverlauf beeinflussen.

Forscher hoffen, neue Zusammenhänge zu entdecken

Diese Methode war nach Angaben von Horstmann im Kampf gegen Infektionskrankheiten bislang wenig erfolgreich. "Wir haben nun an einer wichtigen Krankheit gezeigt, dass es funktioniert. Vor allem kann man dabei auch auf Zusammenhänge stoßen, die man durch Forschung im Labor nicht finden kann."

Die Studie ermögliche klare Bezüge zu bereits bekannten Vorgängen bei Malaria. Daher sei die Hoffnung groß, dass sie bei der Entwicklung neuer Medikamente hilfreich ist. Als nächstes werde untersucht, wie genau die Genmutationen die Arbeitsweise der Proteine beeinflussen.

Quelle: dpa/oc
Foto: dpa

Pediculus humanus capitis, die gemeine Kopflaus: Der Parasit sitzt auf dem Menschen und wird durch Körperkontakt übertragen.

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