15.08.12

Bachelor & Master

Studienreform mit Makel – Rüge für Bologna

Zehn Jahre nach Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen zieht die Hochschulrektorenkonferenz eine ernüchternde Bilanz der Bologna-Reform. Wichtige Ziele seien verfehlt worden.

Foto: DAPD
Scharfe Kritik an Bachelor- und Masterabschlüssen
Zehn Jahre nach dem Beginn der Studienreform haben die deutschen Hochschulrektoren eine kritische Bilanz des sogenannten Bologna-Prozesses gezogen

Rüge für die Studienreform: Die Hochschulrektorenkonferenz fordert deutliche Verbesserungen der Bachelor- und Master-Studiengänge, die vor zehn Jahren mit dem Ziel eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes geschaffen wurden. Wichtige Ziele seien bisher verfehlt worden. Unter anderem müsse der "Verschulung" Einhalt geboten werden, forderte HRK-Präsident Horst Hippler. Die Bundesregierung verteidigte die Studienreform. Die Grünen forderten vom Bund mehr Geld für die Hochschulen.


Hippler, der seit Mai an der Spitze der Hochschulrektorenkonferenz steht, bezeichnete den Bachelor in der "Süddeutschen Zeitung" als "einen ersten Abschluss mit einer Berufsbefähigung", der aber keine Berufsqualifikation sei. Eine Universität müsse aber mehr leisten als Ausbildung, nämlich Bildung. "Das tut sie mit dem Bachelor nicht", sagte Hippler. Er rügte zudem den Ansatz, Studenten immer schneller zum Abschluss zu führen: "Die Unternehmen brauchen Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen."


Auch das Versprechen, mit der Reform sei das Studium im Ausland einfacher geworden, sieht Hippler nicht erfüllt. Ein Problem sieht er zudem in den Zugangshürden zum Master. Der Ausbau der Master-Plätze müsse mit den vielen Studienanfängern Schritt halten. Wenn nur die Besten nach dem Bachelor weitermachen dürfen, steige der Frust. Für Master-Plätze werde mehr Geld gebraucht.

Bisheriges Konzept optimieren

Hippler sieht allerdings auch Positives: Mit dem Bachelor erhalte man ein erstes akademisches Zeugnis, das sei ein "enormer Vorteil". Absolventen von Fachhochschulen könnten sich damit erfolgreich bewerben. An der Universität sei es eine Orientierungshilfe. Zudem seien die Lehrinhalte entschlackt und modernisiert worden, was ohne den Bologna-Prozess wohl nicht passiert wäre.

Hippler warb dafür, das bisherige Konzept zu optimieren. Es müsse wieder ein Studieren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und abseits der starren Vorschriften der Regelstudienzeit möglich sein.

Zustimmung – mit kritischem Unterton – erhielt Hippler von der Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance, Gesine Schwan. Sie teile die Kritik ganz weitgehend, sei aber verblüfft, dass die HRK diese bisher nicht ausgesprochen habe. Den Studierenden müsse vor allem wieder mehr Zeit gelassen werden, sagte sie im Deutschlandfunk.

Bachelor sind auf Arbeitsmarkt willkommen

Das Bundesbildungsministerium wies unter anderem daraufhin, dass Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt gut zurecht kämen. Nur zwei Prozent der Universitätsabsolventen und drei Prozent der Fachhochschulabsolventen seien "arbeitslos oder unterhalb ihres Qualifikationsniveaus beschäftigt". Zum anderen fänden Studenten, die ins Master-Studium wechseln wollten, zu 90 Prozent das Wunschstudium und den Wunschstandort.

Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Kai Gehring, forderte einen "gesamtstaatlichen Kraftakt", um noch mehr Bachelor- und Master-Studienplätze zu schaffen. Der Bund müsse den Ländern und Studierenden unverzüglich eine Zusage geben, dass der Hochschulpakt aufgestockt werde. In dem Pakt haben Bund und Länder die Schaffung neuer Studienplätze vereinbart.

Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Nicole Gohlke sagte: "Zehn Jahre Bachelor sind keine Erfolgsgeschichte, sondern vor allem eine Geschichte von zehn Jahren wütender Bildungsproteste". Die Studienbedingungen hätten sich seit 2002 nicht verbessert, sondern verschlechtert.

Appell an öffentlichen Dienst

Einen eigenen Blickwinkel nahmen die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ein. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, "der Bachelor hat sich allen Unkenrufen zum Trotz geräuschlos und gut auf dem Arbeitsmarkt etabliert.

Die Unternehmen bieten den Absolventen attraktive berufliche Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten." Jetzt müsse auch der öffentliche Dienst nachziehen und endlich die überkommene Regelung "Bachelor für den gehobenen und Master für den höheren Dienst" streichen. Der Zugang zum höheren Dienst müsse auch für Bachelorabsolventen mit Berufserfahrung möglich sein.

Kritisch äußerte sich der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Die Umsetzung der Bologna-Reform "krankt etwas". VDI-Sprecher Marco Dadomo sagte, die Studiengänge und besonders der Bachelor seien zu theorielastig.

Quelle: dapd/sara
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