Bachelor & Master
Studienreform mit Makel – Rüge für Bologna
Zehn Jahre nach Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen zieht die Hochschulrektorenkonferenz eine ernüchternde Bilanz der Bologna-Reform. Wichtige Ziele seien verfehlt worden.
Rüge für die Studienreform: Die Hochschulrektorenkonferenz
fordert deutliche Verbesserungen der Bachelor- und Master-Studiengänge, die vor
zehn Jahren mit dem Ziel eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes
geschaffen wurden. Wichtige Ziele seien bisher verfehlt worden. Unter anderem
müsse der "Verschulung" Einhalt geboten werden, forderte HRK-Präsident Horst
Hippler. Die Bundesregierung verteidigte die Studienreform. Die Grünen
forderten vom Bund mehr Geld für die Hochschulen.
Hippler, der seit Mai an der Spitze der Hochschulrektorenkonferenz steht,
bezeichnete den Bachelor in der "Süddeutschen Zeitung" als "einen ersten
Abschluss mit einer Berufsbefähigung", der aber keine Berufsqualifikation sei.
Eine Universität müsse aber mehr leisten als Ausbildung, nämlich Bildung. "Das
tut sie mit dem Bachelor nicht", sagte Hippler. Er rügte zudem den Ansatz,
Studenten immer schneller zum Abschluss zu führen: "Die Unternehmen brauchen
Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen."
Auch das Versprechen, mit der Reform sei das Studium im Ausland einfacher
geworden, sieht Hippler nicht erfüllt. Ein Problem sieht er zudem in den
Zugangshürden zum Master. Der Ausbau der Master-Plätze müsse mit den vielen
Studienanfängern Schritt halten. Wenn nur die Besten nach dem Bachelor
weitermachen dürfen, steige der Frust. Für Master-Plätze werde mehr Geld
gebraucht.
Bisheriges Konzept optimieren
Hippler sieht allerdings auch Positives: Mit dem Bachelor erhalte man ein erstes akademisches Zeugnis, das sei ein "enormer Vorteil". Absolventen von Fachhochschulen könnten sich damit erfolgreich bewerben. An der Universität sei es eine Orientierungshilfe. Zudem seien die Lehrinhalte entschlackt und modernisiert worden, was ohne den Bologna-Prozess wohl nicht passiert wäre.
Hippler warb dafür, das bisherige Konzept zu optimieren. Es müsse wieder ein Studieren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und abseits der starren Vorschriften der Regelstudienzeit möglich sein.
Zustimmung – mit kritischem Unterton – erhielt Hippler von der Präsidentin der
Humboldt-Viadrina School of Governance, Gesine Schwan. Sie teile die Kritik
ganz weitgehend, sei aber verblüfft, dass die HRK diese bisher nicht
ausgesprochen habe. Den Studierenden müsse vor allem wieder mehr Zeit gelassen
werden, sagte sie im Deutschlandfunk.
Bachelor sind auf Arbeitsmarkt willkommen
Das Bundesbildungsministerium wies unter anderem daraufhin, dass Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt gut zurecht kämen. Nur zwei Prozent der Universitätsabsolventen und drei Prozent der Fachhochschulabsolventen seien "arbeitslos oder unterhalb ihres Qualifikationsniveaus beschäftigt". Zum anderen fänden Studenten, die ins Master-Studium wechseln wollten, zu 90 Prozent das Wunschstudium und den Wunschstandort.
Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Kai Gehring, forderte einen "gesamtstaatlichen Kraftakt", um noch mehr Bachelor- und Master-Studienplätze zu schaffen. Der Bund müsse den Ländern und Studierenden unverzüglich eine Zusage geben, dass der Hochschulpakt aufgestockt werde. In dem Pakt haben Bund und Länder die Schaffung neuer Studienplätze vereinbart.
Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Nicole Gohlke sagte: "Zehn Jahre Bachelor sind keine Erfolgsgeschichte, sondern vor allem eine Geschichte von zehn Jahren wütender Bildungsproteste". Die Studienbedingungen hätten sich seit 2002 nicht verbessert, sondern verschlechtert.
Appell an öffentlichen Dienst
Einen eigenen Blickwinkel nahmen die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ein. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, "der Bachelor hat sich allen Unkenrufen zum Trotz geräuschlos und gut auf dem Arbeitsmarkt etabliert.
Die Unternehmen bieten den Absolventen attraktive berufliche Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten." Jetzt müsse auch der öffentliche Dienst nachziehen und endlich die überkommene Regelung "Bachelor für den gehobenen und Master für den höheren Dienst" streichen. Der Zugang zum höheren Dienst müsse auch für Bachelorabsolventen mit Berufserfahrung möglich sein.
Kritisch äußerte sich der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Die Umsetzung der Bologna-Reform "krankt etwas". VDI-Sprecher Marco Dadomo sagte, die Studiengänge und besonders der Bachelor seien zu theorielastig.
















