13.08.12

Niedersachsen

David McAllister interviewt sich quasi selbst

Ein Interview mit Niedersachsens Regierungschef schlägt Wellen. Kritische Fragen? Fehlanzeige. Kein Wunder: Nicht nur die Antworten, auch die Fragen des "Selbstgesprächs" kamen von seinem Sprecher.

Foto: DPA
Wirbel um McAllister-Interview
Das Interview mit Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister zog die Niedersachsen-CDU zurück

Ein Interview mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister sorgt in Hannover für Wirbel. Das Pikante: Fragen und Antworten an den CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Januar 2013 kamen aus der eigenen Parteizentrale und wurden in der vergangenen Woche an Anzeigenblätter verschickt. Am Montag zog die Niedersachsen-CDU das Interview zurück.

Der Parteisprecher Torben Stephan entschuldigte sich beim Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) Michael Konken für das Vorgehen und nahm die Schuld auf seine Kappe. "Es war keine böse Absicht", sagte Stephan auf Anfrage. Eine Freigabe des Interviews durch McAllister sei nie erfolgt.

"Das sogenannte Angebot eines Interviews mit dem Ministerpräsidenten ist der plumpe Versuch, die Anzeigenblätter in den CDU-Wahlkampf einzuspannen", sagte der Sprecher des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Hendrik Zörner, dem "Hamburger Abendblatt". In dem angebotenen Text ging es im Frage- und Antwort-Format vor allem darum, den Ministerpräsidenten als bodenständigen Niedersachsen zu zeigen.

Text aus Interviews zusammengebaut

Fragen zu umstrittenen Feldern der Landespolitik wie der Schulstrukturreform oder dem Bau neuer Stromtrassen finden sich in dem Interview nicht. In Niedersachsen wird am 20. Januar 2013 ein neuer Landtag gewählt.

Den Text hat Stephan nach eigenen Angaben aus Antworten in anderen Interviews zusammengebaut. Es sei der Versuch gewesen, den Anzeigenblättern zu helfen. Die SPD griff den Regierungschef gleich an. "Wenn es schlecht läuft, greift Herr McAllister immer auf das gleiche Schema zurück: 1. Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. 2. Schuld ist immer der Pressesprecher", heißt es in einer Mitteilung vom Montag.

Quelle: dpa/AFP/sara
Foto: dpa

Blutsbrüder: Enak Ferlemann ist McAllisters Mann in Berlin, Chef der niedersächsischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. Und der alte Kumpel aus der Heimat. Oberster Blutsbruder aller Blutsbrüder, keiner lässt auf den anderen auch nur einen Milligramm Schlechtes kommen. Wie es eben so geht, wenn Gegensätze sich erst einmal angezogen haben. Während McAllister die „Rampensau“ ist, der joviale Lebemann, gleich per Du mit jedem, der nicht rechtzeitig in Deckung geht, wirkt Ferlemann so kühl und distanziert, dass man sich nicht vorstellen kann, dass die beiden etwas gemeinsam haben. Man findet dann aber doch jede Menge. Von der Jungen Union, in der die beiden sich kennengelernt haben, bis zum Strandkorb in Cuxhaven-Döse.

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Zur Person
  • David McAllister

    Damen dominieren das Leben des David James McAllister, geboren im Januar 1971 in der Briten-Siedlung von Berlin-Charlottenburg. Er ist das dritte Kind eines schottischen Militärangestellten und einer deutschen Lehrerin. Die beiden Schwestern Elisabeth und Sylvia sind schon Teenager, als der kleine David zur Welt kommt. Um die Erziehung des Nachzüglers kümmern sich vor allem Mutter und Großmutter, die bestimmenden Persönlichkeiten eines Haushalts, in dem nach Flucht und Vertreibung, so erzählt es Davids Schwester Sylvia, „die Russen das klare Feindbild waren“. Nach der Pensionierung des Vaters müssen die McAllisters ihr Haus in der Militärsiedlung verlassen. Sie ziehen 1982 nach Bad Bederkesa in Nordwestniedersachsen, wo Vater James früher mal stationiert war und die Häuser bezahlbar sind. Nach Abitur und Wehrdienst studiert McAllister mit einem Stipendium der Adenauer-Stiftung Jura und lernt dabei seine Frau Dunja kennen. Sie ist ebenfalls Juristin – und klare Chefin im Hause McAllister. Fast schon zwangsläufig, dass auch der Nachwuchs weiblich ist: Jamie, 8, und Mia, 6. Sie dominieren Papa quasi nach Belieben.

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