13.08.12

Pharmazie

Das sind die Lieblingsmedikamente der Deutschen

Wir brauchen sie, wir mögen sie sogar, aber nicht immer tun sie uns gut. Unter den zehn in Deutschland am häufigsten verschriebenen Wirkstoffen sind allein drei Schmerzmittel.

Foto: DPA
Medikamente
Die Deutschen nehmen Schmerzmittel lieber als andere Medikamente

Tabletten werden ja eigentlich nur ungern genommen. Doch obwohl Medikamente sich keiner sonderlich großen Beliebtheit erfreuen, schlucken die Deutschen verdammt viele davon. Allein der Wirkstoff Ibuprofen wurde im Jahr 2010 über 19 Millionen Mal von Ärzten verschrieben. Das gängige Schmerzmedikament hilft bei fast jedem Zipperlein, von Kopf- über Zahn- bis hin zu Rückenschmerzen.

Und weil der Effekt sofort spürbar ist, werden Schmerzmittel in der Regel auch lieber genommen als andere Medikamente. Oft sogar zu gern, und das kann gefährlich werden. Denn auf Dauer und im Übermaß schädigen die eigentlich hilfreichen Pillen Leber und Nieren, nicht selten bis zum Organversagen.

Mehrere verschiedene Arten von Schmerzmitteln tauchen in der Liste der zehn Medikamente auf, die in Deutschland am häufigsten verordnet werden. Daneben befinden sich unter den Top Ten aber auch viele Wirkstoffe, die bei chronischen Erkrankungen helfen, Schlimmeres zu vermeiden, allen voran Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie gehen mit Bluthochdruck und einem zu hohen Cholesterinspiegel einher. Viele Medikamente greifen hier ein und schützen so das Herz.

Jeder Vierte hat einen Jodmangel

Die letzte große Wirkstoffgruppe hilft Patienten, die mit Magenproblemen kämpfen. Die Wirkstoffe Pantoprazol und Omeprazol unterbinden die übermäßige Säureproduktion, welche die Magenschleimhaut reizt.

Eine Ausnahme in der Liste der am häufigsten verschriebenen Medikamente ist das Thyroxin, denn es ist oft Folge einer Mangelversorgung. Das Spurenelement Jod, wichtig für den Aufbau der Schilddrüsenhormone, nimmt der Mensch vor allem über die Nahrung und mit dem Trinkwasser auf. Einer Studie aus dem Jahre 2005 gemäß leiden fast ein Viertel aller Deutschen an Jodmangel. Das klingt erschreckend, ist jedoch schon eine deutliche Verbesserung: 1994 waren nur neun Prozent der Probanden einer groß angelegten Studie ausreichend mit Jod versorgt.

Inzwischen wird das Spurenelement häufig auch Fleisch, Milch und Milchprodukten, aber auch Brot, Fertiggerichten, Kantinenessen oder dem im Handel erhältlichen Kochsalz ("Jodsalz") zugesetzt. Natürlicherweise enthalten Seefische das meiste Jod.

Die Top 10 der meist verschriebenen Medikamente 2010

Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO)

Platz 1: Ibuprofen

Verordnungen: 19,3 Millionen | Umsatz: 217,7 Millionen Euro

Ibuprofen ist ein "nichtsteroidales Antiphlogistikum". Das bedeutet, dass der Wirkstoff ähnlich wie Kortison Entzündungen hemmt, aber kein Kortison enthält. Das Medikament stört die Bildung von Botenstoffen, die Schmerz- und Entzündungsreize im Körper vermitteln. So senkt Ibuprofen Fieber und stoppt Schmerzen und Entzündungen.

Platz 2: Levothyroxin-Natrium

Verordnungen: 16,7 Millionen | Umsatz: 243 Millionen Euro

Eigentlich sollte der Körper das Hormon Thyroxin von alleine produzieren. Es ist essenziell für den gesamten Energiestoffwechsel. Im Jodmangelgebiet Deutschland kommt es aber oft vor, dass die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone ausschüttet. Damit die Betroffenen dann nicht unter Beschwerden wie dauerhafter Müdigkeit, Schwäche und depressiver Verstimmung leiden, müssen sie den Wirkstoff als Tablette dauerhaft zu sich nehmen.

Platz 3: Metoprolol

Verordnungen: 15,9 Millionen | Umsatz: 261,8 Millionen Euro

Metoprolol wird als sogenannter Betablocker vor allem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschrieben. Der Wirkstoff setzt die Wirkung von Stresshormonen auf das Herz herab und senkt damit den Puls, den Blutdruck und letztlich auch den Sauerstoffverbrauch am Herzmuskel. Metoprolol ist deshalb besonders wichtig für die Prävention von chronischen Herzerkrankungen.

Platz 4: Diclofenac

Verordnungen: 14,3 Millionen | Umsatz: 176,5 Millionen Euro

Diclofenac hilft gut gegen Schmerzen und Entzündungen, also etwa Zerrungen, Prellungen oder Arthritis. Es ist wie Ibuprofen ein nichtsteriodales Antiphlogistikum. Deshalb sind auch die Nebenwirkungen beider Medikamente vergleichbar. Sowohl Ibuprofen als auch Diclofenac können zu einer chronischen Magenschleimhautentzündung führen.

Platz 5: Ramipril und Simvastatin

Ramipril-Verordnungen: 13,9 Millionen Umsatz: 190,7 Millionen Euro

Simvastatin-Verordnungen: 13,9 Millionen Umsatz: 340,3 Millionen Euro

Ramipril ist ein ACE-Hemmer, also ein Arzneimittel, das insbesondere zur Therapie bei Bluthochdruck eingesetzt wird. Auch im Rahmen der Herzinfarkt-Vorbeugung kommt es zum Einsatz. Mögliche Nebenwirkungen sind Reizhusten, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Auch Verdauungsstörungen oder ein verändertes Blutbild können auftreten.

Simvastatin soll hauptsäclich den Cholesterinspiegel senken. Das Medikament wird daher oft auch bei Angina pectoris oder nach einem Herzinfarkt verschrieben, um weitere Komplikationen beim Patienten zu verhindern. Nebenwirkungen können Kopfschmerzen sein, erhöhte Leberwerte oder auch Verdauungsbeschwerden. Seltener beeinflusst es die Muskeln negativ.

Platz 6: Metamizol-Natrium

Verordnungen: 13,3 Millionen | Umsatz : 180 Millionen Euro

Die Wirkungsweise des Schmerzmittels Metamizol ist noch nicht vollständig geklärt. Mediziner vermuten eine zentrale Wirkung am Thalamus, der Schmerzzentrale des Gehirns. Vielleicht wirkt es auch deshalb so stark. Es wird auch bei der Behandlung von OP-Schmerzen eingesetzt.

Platz 7: Omeprazol

Verordnungen: 12,6 Millionen | Umsatz: 458,9 Millionen Euro

Nicht nur der häufige Gebrauch von Schmerzmitteln, sondern auch Stress, Alkohol und die Infektion mit dem Magenbakterium "Helicobacter pylori" führen dazu, dass Magengeschwüre inzwischen zur Volkskrankheit geworden sind. Entsprechend häufig kommen Magenschutzmittel wie das Omeprazol zum Einsatz. Das Medikament hemmt die Bildung von Säure und erhöht so den pH-Wert im Magen.

Platz 8: Bisoprolol

Verordnungen: 12,2 Millionen | Umsatz: 169,3 Millionen Euro

Bisoprolol wirkt wie Metoprolol vor allem auf die Betarezeptoren am Herzen und senkt den Blutdruck, ist aber noch stärker als sein Verwandter. Vorsicht ist nur geboten, wenn Lungenerkrankungen vorliegen. Denn Betarezeptoren gibt es überall im Körper. Werden durch das Medikament jene in der Lunge gehemmt, ziehen sich die Bronchien zusammen. Das kann gefährlich werden.

Platz 9: Pantoprazol

Verordnungen: 12,1 Millionen | Umsatz: 352,6 Millionen Euro

Pantoprazol wirkt an derselben Stelle wie Omeprazol: Beide hemmen die Protonenpumpe. Das Enzym sitzt in der Wand von Magenschleimhautzellen und produziert Säure für den Mageninnenraum. Produzieren sie zu viel davon, können Entzündungen und Geschwüre entstehen. Pantoprazol kann dazu beitragen, das Gleichgewicht zwischen Schleimhaut und Säure wieder herzustellen.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Morgenpost-Autorin Franziska Birnbach machte sich mithilfe von Google Maps auf den Weg ins Berliner Verkehrschaos
24.05.13Neue Fahrradnavigation
Mit Google Maps wird Radtour in Berlin zum Stresstest

Google Maps bietet ab sofort auch in Deutschland Routen für Radfahrer. Die Morgenpost hat die Anwendung auf Berlins Straßen getestet und stieß dabei auf Straßen, die gar nicht existieren. mehr...


Schon 2012 lockte der „Summer Rave“ viele junge Berliner in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof
24.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonna, den 25. Mai. mehr...


Am Maxim Gorki Theater feiert am Samstag das Stück „Leben des Galilei“ Premiere. Pressesprecherin Claudia Nola rechnet damit, dass diese nicht ausverkauft sein wird
24.05.13Bühne
Champions-League-Finale bringt Berlins Theater in Bredouille

Berlins Theater sehen sich am Samstagabend einem kaum besiegbaren Konkurrenten ausgesetzt. Denn nicht nur potenzielle Zuschauer wollen das Champions League Finale sehen, sondern auch viele Darsteller. mehr...


„The Rock“: Wowereit zeigte nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass ihn die Fragen vielleicht ermüdeten
24.05.13Hauptstadtflughafen
Wowereit lässt sich im BER-Ausschuss nicht fassen

Berlins Regierender Bürgermeister musste sich dem BER-Untersuchungsausschusses stellen. Dabei zeigte er sich gelassen - und hatte auf alles ein Antwort. Eine persönliche Verantwortung wies er zurück. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Meist verschrieben im Jahr 2010
  • Ibuprofen

    Verordnungen: 19,3 Millionen

    Umsatz: 217,7 Millionen Euro

    Ibuprofen ist ein „nichtsteroidales Antiphlogistikum“. Das bedeutet, dass der Wirkstoff ähnlich wie Kortison Entzündungen hemmt, aber kein Kortison enthält. Das Medikament stört die Bildung von Botenstoffen, die Schmerz- und Entzündungsreize im Körper vermitteln. So senkt Ibuprofen Fieber und stoppt Schmerzen und Entzündungen.

  • Levothyroxin-Natrium

    Verordnungen: 16,7 Millionen

    Umsatz: 243 Millionen Euro

    Eigentlich sollte der Körper das Hormon Thyroxin von alleine produzieren. Es ist essenziell für den gesamten Energiestoffwechsel. Im Jodmangelgebiet Deutschland kommt es aber oft vor, dass die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone ausschüttet. Damit die Betroffenen dann nicht unter Beschwerden wie dauerhafter Müdigkeit, Schwäche und depressiver Verstimmung leiden, müssen sie den Wirkstoff als Tablette dauerhaft zu sich nehmen.

  • Metoprolol

    Verordnungen: 15,9 Millionen

    Umsatz: 261,8 Millionen Euro

    Metoprolol wird als sogenannter Betablocker vor allem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschrieben. Der Wirkstoff setzt die Wirkung von Stresshormonen auf das Herz herab und senkt damit den Puls, den Blutdruck und letztlich auch den Sauerstoffverbrauch am Herzmuskel. Metoprolol ist deshalb besonders wichtig für die Prävention von chronischen Herzerkrankungen.

  • Diclofenac

    Verordnungen: 14,3 Millionen

    Umsatz: 176,5 Millionen Euro

    Diclofenac hilft gut gegen Schmerzen und Entzündungen, also etwa Zerrungen, Prellungen oder Arthritis. Es ist wie Ibuprofen ein nichtsteriodales Antiphlogistikum. Deshalb sind auch die Nebenwirkungen beider Medikamente vergleichbar. Sowohl Ibuprofen als auch Diclofenac können zu einer chronischen Magenschleimhautentzündung führen.

  • Ramipril

    Verordnungen: 13,9 Millionen

    Umsatz: 190,7 Millionen Euro

    Ramipril ist ein ACE-Hemmer, also ein Arzneimittel, das insbesondere zur Therapie bei Bluthochdruck eingesetzt wird. Auch im Rahmen der Herzinfarkt-Vorbeugung kommt es zum Einsatz. Mögliche Nebenwirkungen sind Reizhusten, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Auch Verdauungsstörungen oder ein verändertes Blutbild können auftreten.

  • Simvastatin

    Verordnungen: 13,9 Millionen

    Umsatz: 340,3 Millionen Euro

    Hauptsächlich soll Simvastatin den Cholesterinspiegel senken. Das Medikament wird daher oft auch bei Angina pectoris oder nach einem Herzinfarkt verschrieben, um weitere Komplikationen beim Patienten zu verhindern. Nebenwirkungen können Kopfschmerzen sein, erhöhte Leberwerte oder auch Verdauungsbeschwerden. Seltener beeinflusst es die Muskeln negativ.

  • Metamizol-Natrium

    Verordnungen: 13,3 Millionen

    Umsatz : 180 Millionen Euro

    Die Wirkungsweise des Schmerzmittels Metamizol ist noch nicht vollständig geklärt. Mediziner vermuten eine zentrale Wirkung am Thalamus, der Schmerzzentrale des Gehirns. Vielleicht wirkt es auch deshalb so stark. Es wird auch bei der Behandlung von OP-Schmerzen eingesetzt.

  • Omeprazol

    Verordnungen: 12,6 Millionen

    Umsatz: 458,9 Millionen Euro

    Nicht nur der häufige Gebrauch von Schmerzmitteln, sondern auch Stress, Alkohol und die Infektion mit dem Magenbakterium „Helicobacter pylori“ führen dazu, dass Magengeschwüre inzwischen zur Volkskrankheit geworden sind. Entsprechend häufig kommen Magenschutzmittel wie das Omeprazol zum Einsatz. Das Medikament hemmt die Bildung von Säure und erhöht so den pH-Wert im Magen.

  • Bisoprolol

    Verordnungen: 12,2 Millionen

    Umsatz: 169,3 Millionen Euro

    Bisoprolol wirkt wie Metoprolol vor allem auf die Betarezeptoren am Herzen und senkt den Blutdruck, ist aber noch stärker als sein Verwandter. Vorsicht ist nur geboten, wenn Lungenerkrankungen vorliegen. Denn Betarezeptoren gibt es überall im Körper. Werden durch das Medikament jene in der Lunge gehemmt, ziehen sich die Bronchien zusammen. Das kann gefährlich werden.

  • Pantoprazol

    Verordnungen: 12,1 Millionen

    Umsatz: 352,6 Millionen Euro

    Pantoprazol wirkt an derselben Stelle wie Omeprazol: Beide hemmen die Protonenpumpe. Das Enzym sitzt in der Wand von Magenschleimhautzellen und produziert Säure für den Mageninnenraum. Produzieren sie zu viel davon, können Entzündungen und Geschwüre entstehen. Pantoprazol kann dazu beitragen, das Gleichgewicht zwischen Schleimhaut und Säure wieder herzustellen.

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. KommentareChampions LeagueHer mit der German Fußlümmelei!
  2. 2. DebatteProduktkennzeichnungDer grüne Antizionismus hat eine lange Tradition
  3. 3. AuslandTerror in London"Unser Herz ist auseinandergerissen worden"
  4. 4. AuslandTapie-AffäreIWF-Chefin Lagarde entgeht Ermittlungsverfahren
  5. 5. WirtschaftJeroen DijsselbloemEuro-Gruppen-Chef ärgert wieder einmal Berlin
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote