13.08.12

RTL-Casting

"Supertalent" auch mit Gottschalk eine Freakshow

Stundenlanges Warten, unterschiedliche Ticketpreise, niveaulose Kalauer und die offensichtliche Künstlichkeit der Fernsehwelt enttäuschten viele Zuschauer einer Aufzeichnung von "Das Supertalent".

Foto: DAPD
Die Jury der Castinghow "Das Supertalent"
Das ist die neue Jury: Thomas Gottschalk (l.), Michelle Hunziker und Dieter Bohlen

Privatfernsehen gibt seriöse Maximen aus – verdächtig. Grund für den angeblichen Schwung natürlich Jury-Neuzugang Thomas Gottschalk, der sich, nach seiner gescheiterten Vorabendsendung im Ersten, nach Beschäftigung sehnt. "Ich versuche lieber, das Niveau dort anzuheben, wo man mich sehen will, als dass ich bei 'Arte' in Schönheit, aber einsam sterbe", hatte er gesagt. Kleiner geht es nicht.

Die Künstlichkeit der Fernsehwelt

Die vom Glück gestreiften Ticketbesitzer warten seit einer Stunde auf Einlass. Einige haben 19 Euro gezahlt, andere, hier gibt es keine Zufälligkeiten, 30 Euro bekommen, damit der Saal gut gefüllt ist späterhin.

"Gleich kommt auch schon die Jury", sagt der extrem gut gelaunte Mann, der als Erstes die Bühne stürmt, sich als "Warm-upper" vorstellt, und den Zuschauern erst mal ein bisschen das Fernsehmachen erklärt. Beim Warm-up müssen Bilder und Soundschnipsel aufgezeichnet werden. Die Künstlichkeit der Fernsehwelt scheint auf. Das Publikum beginnt zu begreifen, wer wem dienen wird an diesem Abend.

Dann kommt Moderator Daniel Hartwich. Er sagt über Thomas Gottschalk: "Klatscht bei dem nicht so doll, der ist das nicht mehr gewohnt." Junge Mädchen und glatte Jungs werden von den Ordnern kurz vor Showbeginn weiter vorn, an den Zentralstellen der Kamerawege, platziert.

Nach zwei Stunden Wartezeit kommt die Jury, die Auftritte beginnen.

Als eine Dame, die sich als "Booty-Shakerin" vorstellt, in kürzesten Hotpants ihren Po bewegt zur Musik, setzt sich Gottschalk, niveau- und pointensicher, mit dem Hintern auf den Buzzer, für den letztinstanzlichen Alarmton des "Nein!".

Die immernette Michelle Hunziker ist auch neu in der Jury. Ihre Nummer ist das Hindrehen ihres Körpers zum Publikum, die Geste: Ihr seid live dabei, euch nehmen wir so richtig mit.

Gottschalk als Bohlen-Imitator

Und dann also Bohlen und Gottschalk, die, auf Spontaneität setzend, hoffen, dass da etwas kommen möge, schieben die unwildesten Kalauer hin und her, immer etwas konfrontativ, letztlich aber arg ideenlos. Gottschalk selbst gibt den soften Bohlen-Imitator, scheint keine eigene Rolle gefunden zu haben.

Nach drei Stunden sind viele derart enttäuscht, dass Ordner und "Warm-upper" nicht wirklich beruhigen können. Kommen die Professionellen auf die Bühne, tut die Jury so, als wisse sie nicht, wer dort steht. Die Fiktion ist konsequent und inszenierte Authentizität die höchste Form der Unterhaltung.

Es war die Freak-Show, die dem defekten Format in seinen besten Zeiten eine Einschaltquote von über acht Millionen einbrachte. Und es wird bei der Freak-Show bleiben, egal, was Thomas Gottschalk darüber sagt. Er wird es nicht lange machen.

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