12.08.12

Tablet-Test

Angriff aufs iPad – Samsungs Idee mit dem Stift

Das neue Galaxy Note 10.1 hat etwas, das Apples iPad nicht hat: einen Stift. Damit wird aus dem Flachrechner ein elektronisches Hightech-Notizbuch für Kreative. Die Berliner Morgenpost hat das Tablet getestet

Foto: dpa

Bereits vor vielen Monaten angekündigt, jetzt endlich ist es da: das Samsung Galaxy Note 10.1.

7 Bilder

Nein, das ist kein Galaxy Tab. Wir hatten in der Redaktion alle Mühe, neugierige Kollege von dieser Neuheit zu überzeugen. Tatsächlich kann man das Galaxy Note 10.1 schnell mit dem Galaxy Tab 10.1N verwechseln, das Samsung schon seit einiger Zeit in Deutschland verkauft: Der Rahmen ist Silber, hinten weißes Plastik und die kleinen Lautsprecher sind nach vorn ausgerichtet. Alles wie gehabt. Zumindest äußerlich.

Die Südkoreaner haben sich wirklich viel Zeit gelassen mit dem neuen Gerät. Angekündigt hatten sie das Galaxy Note schon im Februar auf der Mobilfunkmesse in Barcelona. Erst in diesen Tagen kommt es in den Handel.

Das Konzept des neuen Tablets versetzt einen erst einmal weit zurück in die Vergangenheit. Lange bevor Apple sein iPad präsentierte, gab es diese Flachrechner bereits mit Windows-Betriebssystem – und einem Stift zur Bedienung. Nur ganz Neugierige hatten sich ein solches Tablet damals zugelegt, und es meist wieder schnell zur Seite gelegt. Software und Hardware harmonierten nicht immer sonderlich und es hakte zwischendurch.

Großzügige Ausstattung

Am Galaxy Note gibt es nicht viel zu haken. Samsung war bei der technischen Ausstattung des Gerätes äußerst großzügig. Im Gehäuse arbeitet ein Prozessor mit vier Kernen, der mit 1,4 Gigahertz getaktet ist. Der Arbeitsspeicher umfasst zwei Gigabyte. Damit gehört das Tablet zu den Leistungsstärksten im Markt. Es gibt einen Steckplatz für Micro-SD-Karten und – bei unserem Modell – einen für die Mobilfunk-Sim-Karte.

Die Kamera an der Rückseite hat eine Auflösung von fünf Megapixel und macht akzeptable Aufnahmen, auch wenn die wenigsten Tablet-Besitzer ihr Gerät zum Knipsen nutzen. Nach vorn heraus gibt es eine weitere Kamera für Videotelefonate mit 1,9 Megapixel. Samsung hat seinem Galaxy Note sogar eine Infrarot-Schnittstelle verpasst, die wir bei anderen Tablets meist missen müssen.

Mit der entsprechenden Anwendung wird das Galaxy Note so zur Fernbedienung auch für Fernseher, die vielleicht noch nicht über eine drahtlose Internetverbindung verfügen.

Unser Galaxy Note hatte einen eingebauten Speicher von 16 Gigabyte, von denen allerdings nur gut elf Gigabyte verfügbar waren. Der Rest war bereits mit vorinstallierter Software belegt, darunter auch Googles Betriebssystem Android 4.0.4, das als Ice Cream Sandwich bezeichnet wird. Google hat auf seinem eigenen Tablet Nexus 7 bereits die Version 4.1 (JellyBean) laufen. Wann es ein Update für Samsungs Galaxy Note geben wird, ist noch nicht bekannt.

Stift aus Plastik

Der Clou des Galaxy Note aber ist ein kleiner Stift, der unten rechts im Gehäuse verschwindet. Ein solches Konzept hat Samsung auch bei seinem Galaxy-Note-Smartphone verbaut. Leider wirkt der Plastik-Stift – Samsung nennt ihn S-Pen – nicht allzu hochwertig. Doch mit ihm lässt sich bestens auf dem Display schreiben. Zwar reagiert das Tablet auch ganz normal auf Fingerberührung, doch eben auch auf den Stift, der – je nach Druckstärke – dünne oder dicke Linien zeichnet.

Ist das Galaxy Note entsprechend eingerichtet, startet es bereits, wenn der Stift aus dem Rahmen entnommen wird. Der Nutzer kann sogar eine Anwendung bestimmen, die dann automatisch aufgerufen wird. Das alles funktioniert aber nur, wenn die Sicherheitseinstellungen wie Pin-Eingabe oder Gesichtserkennung deaktiviert sind. Sonst startet nämlich gar nichts.

Schönschreiben bitte

Mit dem Stift lassen sich alle Menüs bedienen, was jedoch wenig sinnvoll ist, weil sie ebenso gut mit dem Finger zu erreichen sind. Öffnet sich ich einer beliebigen Anwendung die virtuelle Tastatur auf dem Display, lässt sie sich auch umstellen, so dass Text per Handschrift mit dem S-Pen eingegeben werden kann.

Tatsächlich werden handschriftliche Notizen erkannt, wenn auch nicht immer richtig. Bei unserem Test mussten wir feststellen, dass die Eingabe über die virtuelle Tastatur nicht nur viel zuverlässiger, sondern auch zügiger ging. Beim Schreiben mit dem Stift zeigt sich schnell, wie klein doch ein zehn Zoll großes Display ist – und wie häufig das Tablet versagt, wenn die Handschrift nicht ordentlich ist. Kurzum: Es eignet sich für die kurze Notiz, nicht aber für das Mitschreiben und Protokollieren auf einer Pressekonferenz.

Bildschirm lässt sich teilen

Auch wenn die meisten Anwendungen überhaupt nicht für eine Stifteingabe vorgesehen sind, so lässt sich doch eine Notiz jederzeit anlegen, egal welche Anwendung man gerade nutzt. Dazu muss der Nutzer nur die kleine Taste am Stift gedrückt halten und zweimal kurz auf das Display tippen. Schon öffnet sich eine leere Notiz, auf der man schreiben und zeichnen kann. S-Notes begradigt übrigens geometrische Zeichnungen, was sehr hilfreich ist.

Für einige Programme hat sich Samsung etwas Besonderes einfallen lassen. Über die Funktion "Mehrfachbildschirm" lassen sich auf dem Display zwei Programme nebeneinander darstellen, was allerdings nur mit den Anwendungen Polaris Office, S-Note Galerie, E-Mail, Internet-Browser und dem Video-Player funktioniert.

Fazit

Das Galaxy Note 10.1 ist vor allem eines: Ein solides Android-Tablet mit guter technischer Ausstattung. Die Auflösung des Displays ist mit 1280 mal 800 Megapixel ausreichend, wird aber wohl schon bald von den kommenden Tablets weit übertroffen werden. Schon das iPad 3 hat ein Display, dass 2048 mal 1536 Pixel darstellt – und dabei ist das Apple-Tablet mit vergleichbarer Speicher- und Funkausstattung noch deutlich billiger, je nach Ausstattung bis zu 120 Euro.

Das Galaxy Note 10.1 kostet mit 16 Gigabyte Speicher und Wlan 599 Euro. Soll es auch im Mobilfunknetz Daten übertragen können, kostet es sogar 689 Euro. Ein Stift zum Tablet – soviel zeigt sich bei Samsungs neustem Flachrechner – ist derzeit noch reiner Luxus, und das bei sehr begrenztem Nutzen.

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