07.08.12

Haustiere

Katze und Mensch sollten mehr miteinander sprechen

Die Katze ist das beliebteste Haustier der Bundesbürger. Doch der Mensch muss seine Rolle als Dosenöffner nicht klaglos hinnehmen. Er kann sich die Tiere selbst zunutze machen.

Foto: Michael Arning
So ein Katzenleben ist nicht einfach. Der Mensch ist als Dosenöffner einfach nicht ständig verfügbar

Seit einigen Jahren wird am 8. August der Weltkatzentag begangen. Tierschutzorganisationen wie WWF oder Vier Pfoten nehmen ihn zum Anlass, auf die Lebensbedingungen von Haus- und Wildkatzen aufmerksam zu machen. Über die Katze als beliebtestes Haustier der Bundesbürger sprach Susanne Gabriel mit dem amerikanisch-schweizerischen Biologen und Katzenforscher Dennis C. Turner.

Wie lässt sich die Faszination für Katzen erklären?

Dennis C. Turner: Katzen sind ideale Hausgenossen für Menschen in unserer modernen Gesellschaft. Es gibt immer mehr Singles und mehr ältere Menschen. Berufstätige haben weniger Zeit für die von Hunden verlangten mehrfachen täglichen Spaziergänge. Katzen passen sich relativ gut an die Aktivitätsmuster ihrer Halter an und sind da, wenn diese nach Hause kommen. Ich empfehle berufstätigen Singles die Haltung zweier Katzen, damit die Tiere sich nicht langweilen.

Die Katzen gelten als einfühlsam und in der Lage, die Stimmungen von Menschen zu erkennen. Stimmt das?

Turner: Die Forschungsstudien meines früheren Studenten Gerulf Rieger und mir bestätigen, dass Katzen die verschiedenen Stimmungen von Menschen 'erkennen' und unterschiedlich darauf reagieren.

Wie kann man diese Fähigkeit am besten nutzen?

Turner: Katzen sind in der Lage, negative Stimmungen ihrer Halter wie Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit oder Introvertiertheit zu verbessern, haben aber wenig Einfluss auf bereits gute Stimmungen. Sie sind deshalb wichtige Begleiter in der Psychotherapie, zum Beispiel, um die soziale Beziehungsfähigkeit von Patienten zu fördern. Man kann sie nicht dressieren, doch sind sie anwesend, wenn es darauf ankommt. Hunde haben wahrscheinlich auch diese Fähigkeit, allerdings werden sie auch häufig in der Ergotherapie und professionellen Begleitung von Menschen (Agogik) eingesetzt, da sie kontrollierbarer sind als Katzen.

Gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Katzenrassen?

Turner: Bislang gab es wenige Studien, die das Verhalten der verschiedenen Katzenrassen und Hauskatzen verglichen haben. Meine eigene war die erste und verglich das Verhalten und die Beziehung zum Halter bei Siam-, Perser- und Hauskatzen. Es gab einige Unterschiede zwischen den Siam- und den Perserkatzen, die als extrem gegensätzliche Typen in der Persönlichkeit gelten. Allerdings waren die Unterschiede gering. Grob gesagt waren die Siamesen aktiver, dominanter gegenüber ihren Haltern und lauter als die ruhigen Perserkatzen. Generell waren die reinrassigen Katzen anhänglicher und dem Menschen mehr zugetan als die Hauskatzen, was mit der Züchtung oder den Aufzuchtsbedingungen zu tun haben könnte. Sie waren auch wählerischer beim Fressen, was ganz sicher mit dem Halter zu tun hat. Die Hauskatzen waren weniger 'vorhersehbar' in ihrem Verhalten und 'unabhängiger' als die reinrassigen Katzen.

Beim Verhältnis Katze-Mensch wird vom Menschen gerne als "Dosenöffner" gesprochen – der Katze wird also unterstellt, vom Menschen nichts als Futter zu wollen. Ist das richtig oder verbindet die Katze auch ein emotionales Verhältnis zu 'ihrem' Menschen?

Turner: Ganz sicher verbindet die Katze ein emotionales Verhältnis zu 'ihrem' Menschen, wenn auch er oder sie eine wichtige Nahrungsquelle ist. Wir, vor allem Karin Stammbach in ihrer Diplomarbeit, konnten zeigen, dass die Fütterung eine Rolle beim Aufbau einer neuen Beziehung zum Mensch spielt, gleichzeitig aber, dass es mehr benötigt, Streicheleinheiten, Aufmerksamkeit oder Gespräche, um die Beziehung aufrecht zu erhalten.

Katzen werden nicht überall geschätzt – warum hat das Tier in manchen Kulturen einen schlechten Ruf?

Turner: Es gibt hauptsächlich zwei Gründen dafür, wobei beide etwas mit dem natürlichen Verhalten und Erscheinungsbild der Katze zu tun haben: Bis ins Mittelalter waren Katzen sehr weitverbreitet und wohnten oft bei alleinlebenden Frauen, die dann von der katholische Kirche als Hexen verfolgt, gefoltert und getötet wurden. Die Katzen waren ihre 'teuflischen Begleiter'. Dann gibt es Eigenschaften, die auf Missverständnisse beim Menschen stoßen: die leuchtenden Augen, die nächtliche Aktivität, die Fähigkeit, im Finsternis zu sehen und sich auf dünnen Asten zu bewegen. Die angebliche Falschheit der Katze wird von Nicht-Katzenkennern in verschiedenen Kulturen angeklagt. Was man nicht kennt, wird verpönt oder vermieden!

Wären Sie eine Katze, wo würden Sie am liebsten leben?

Turner: Wahrscheinlich entweder in der Schweiz, Deutschland oder Österreich, solange kastrierten Katzen hier immer noch freier Auslauf gewährt wird.

Quelle: dapd/cl
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