04.08.12

Bessere Dialyse

Blutfilter mit 8-Nanometer-Poren in Testphase

Wenn die Nieren nicht richtig funktionieren, müssen Patienten zur Blutwäsche. Doch die Maschinen sind nicht perfekt. Forscher in Halle und Berlin testen einen neuen Filter, der das Leben verlängern soll.

Foto: dpa-Zentralbild
Dialyse
Die Dialysetechnik von heute kann im Gegensatz zur gesunden Niere nur einen Teil der Giftstoffe entfernen. Diese Quote wollen die Forscher erhöhen

Hoffnung für Nierenkranke: Forscher des Universitätsklinikums Halle und der Berliner Charité wollen mit einem neuen Blutfilter die Überlebensrate von Blutwäsche-Patienten (Dialyse) erhöhen. Dafür testen sie zurzeit eine neue Generation von Filtern an 37 Nierenkranken. Denn bisher ist die Lebenserwartung mit Dialyse nicht hoch. Statistisch betrage sie bei einem 45 Jahre alten Patienten rund sieben Jahre, sagt Matthias Girndt, Leiter für die Forschungsstudie in Halle.

Eine Alternative zur Dialyse ist bisher nur eine Organ-Transplantation. Eine geglückte Nierenverpflanzung verbessert die Überlebenschancen gegenüber der Dialyse um satte 70 Prozent.

Jährlich werden in Deutschland deshalb auch rund 2800 Spendernieren transplantiert. Doch der Mangel an Spenderorganen ist in Deutschland groß, die Wartelisten sind lang. Der jüngste Skandal, bei dem Ärzte Patientendaten manipuliert haben sollen, um ihren Patienten schneller eine neue Leber zu verschaffen, könnte die Bereitschaft zur Spende weiter mindern.

80.000 Menschen regelmäßig in Dialyse

Fehlende Ersatz-Organe sind auch ein Grund dafür, dass Forscher verstärkt an einer Verbesserung der Dialyse arbeiten.

In Deutschland müssen nach Angaben der Forscher rund 80.000 Menschen regelmäßig zur Blutwäsche. Die Zahl der Betroffenen steige jährlich um zwei bis drei Prozent. Patienten müssen dreimal in der Woche für mehrere Stunden an eine Maschine angeschlossen werden. Der Dialyseapparat übernimmt dann die Arbeit der erkrankten Nieren und filtert Giftstoffe aus dem Blut.

Aber die Dialysetechnik kann im Gegensatz zur gesunden Niere nur einen Teil der Giftstoffe entfernen. Diese Quote wollen die Forscher erhöhen.

Der neue Blutfilter im Dialyseapparat ist ein etwa 30 Zentimeter langes Rohr, in dem rund 10.000 mikroskopisch feine Hohlfasern aus speziellem Kunststoff parallel angeordnet sind. "Dieser komplexe Blutfilter trennt, bildlich gesprochen, die guten von den bösen Eiweißstoffen im Blut", erläutert Girndt. Die neuen Dialysemembranen wüschen auch größere Eiweißmoleküle aus dem Blut und verminderten damit die häufigsten Folgeerkrankungen der Dialyse - Herz-Kreislauf-Schwäche und Durchblutungsstörungen.

Allgemeiner Einsatz spätestens 2014

Der neuartige Filter sei bislang weltweit einmalig, betont Ralf Schindler, Forschungsleiter an der Berliner Charité. Er senke mit seiner erhöhten Trennschärfe das Ausmaß der Entzündungsreaktion im Körper. "Die Patienten fühlen sich besser", sagt er.

Das Forschungsprojekt mit den Geräte-Prototypen läuft seit Mai. Die erste Phase werde im September beendet. Im nächsten Jahr gebe es dann eine zweite mehrwöchige Testphase mit nochmals verbesserten Blutfiltern.

Doch noch ist eine Zwischenbilanz nicht möglich. Die Forscher wollen die komplette Auswertung des Verfahrens abwarten. Sollten die Prototypen alle Erwartungen erfüllen, könnte ein allgemeiner Einsatz an Dialysepatienten im nächsten Jahr, spätestens aber 2014 beginnen.

Poren mit acht Nanometern

Die Filter werden in Zusammenarbeit mit dem Medizintechnikunternehmen Gambro Dialysatoren aus Baden-Württemberg entwickelt. Der Prototyp erreicht seinen neuartigen Trenneffekt durch Poren im mikroskopischen Bereich von sieben bis acht Nanometern. Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters.

"Zugleich liegen die Poren, vergleichbar mit den Löchern eines Siebes, deutlich enger beieinander als bei derzeitigen Dialysefiltern", sagt Forschungskoordinator Bernd Krause. Der Wissenschaftler arbeitet seit rund drei Jahren an der neuen Technologie. Die Filter sollen nach jeder Blutwäsche ausgetauscht werden. Jeder Dialysepatient benötigte pro Jahr rund 150 Filter, sagt Krause.

Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 2,1 Millionen Euro gefördert. "Die Entwicklung neuer Membran-Technologien lasse nicht nur verbesserte Therapieergebnisse erwarten, sagt ein Ministeriumssprecher. Die Erkenntnisse sollen auch zur Etablierung neuer diagnostischer Testsysteme genutzt werden. Das Geld sei also gut angelegt.

Quelle: dpa
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