Bildung
Jeder zweite Gymnasiast braucht Nachhilfe
Viele Gymnasiasten in Deutschlands bewältigen den Schulstoff nicht allein: Fast die Hälfte von ihnen braucht Nachhilfe. An der Spitze der Nachhilfefächer steht ein Klassiker, der schon Generationen von Schülern Probleme machte. Dennoch könnte der Grund für den aktuellen Hilfebedarf die Internetnutzung der jungen Leute sein.
Fast jeder zweite Gymnasiast in der 5. bis zur 10. Klasse nimmt laut einer Studie Nachhilfe in Anspruch, um seine Noten zu verbessern. In den Klassen 11 bis 13 sind es immer noch mehr als 20 Prozent der Schüler, die nach dem Unterricht weiterpauken. Das geht aus dem neuesten Bildungsbarometer des Zentrums für empirische pädagogische Forschung (Zepf) an der Universität Koblenz-Landau hervor.
An der Spitze der Nachhilfefächer steht Mathe. Das liege nicht nur an der komplexen Materie, sondern auch an den Lehrern, sagte Zepf- Leiter Reinhold S. Jäger. Bei einer Umfrage zu den didaktischen Fähigkeiten ihrer Pädagogen hagelte es laut Jäger von den Schülern schlechte Noten: Ein Drittel bekam eine Vier oder eine schlechtere Note.
Der Grund für die Probleme der Gymnasiasten liegt möglicherweise in ihrem Internetkonsum. Einer anderen Studie zufolge nutzen junge Menschen Netzwerk- und Multimediaplattformen häufiger als bislang gedacht. Mehr als 85 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 24 Jahren verbringen durchschnittlich zwei Stunden täglich im Internet, wie die Landesanstalt für Medien (LfM) Nordrhein-Westfalen am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Für die repräsentative Studie hatten Wissenschaftler der Universität Salzburg und des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg 650 Jugendliche befragt.
Zu den Lieblings-Webseiten der Jugendlichen gehören die Netzwerkplattform Schüler VZ, das Videoportal YouTube und der Infodienst Wikipedia. Einen Höhepunkt der Internetnutzung stellten die Wissenschaftler bei Jugendlichen im Alter von 16 Jahren fest.
"85 Prozent der befragten Schüler haben in diesem Alter ein eigenes Profil bei mindestens einer Online-Community eingestellt", sagte Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut der Uni Hamburg. Dies gelte für Jungen wie für Mädchen. In der Gruppe der 15- bis 17-Jährigen seien 41 Prozent der männlichen und 37 Prozent der weiblichen Jugendlichen bei Schüler VZ registriert.
Die Wissenschaftler unterscheiden sechs verschiedene Handlungstypen. Sie reichen vom Jugendlichen, der das "Social Web" kreativ-engagiert, selbstbewusst und neugierig-kompetent nutzt, bis zum jungen Erwachsenen, der vor allem zur Bewältigung sozialer Probleme ins Netz geht. "Die weitaus meisten Jugendlichen nutzen das Social-Web freundschaftsbezogen", sagte Ingrid Paus-Hasebrink von der Universität Salzburg. Nur wenige, meist höher gebildete junge Menschen gingen kreativ damit um, indem sie selbst gedrehte Videos drehten oder Blogs erstellten. Mädchen zeigten insgesamt eine stärkere Tendenz zu soziale Netzwerken und neigten weniger zur Selbstdarstellung als Jungen.
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