24.07.12

Schwerwiegende Folgen

Prostata-OP lässt Mehrheit der Männer später leiden

Mediziner greifen bei Prostatakrebs nach Meinung von Experten vielfach vorschnell zum Messer. Die Folgen sind oft Erektionsprobleme, sexuelles Desinteresse oder Harninkontinenz.

Foto: Picture Alliance
Portugal: Evora   Männer in Mourao
Prostatakrebs ist eine Erkrankung, die vor allem ältere Männer trifft

Eigentlich sollte eine Prostata-Operation das Leiden des Patienten lindern: In vielen Fällen bringt die Entnahme der Prostata jedoch schwerwiegende gesundheitlich Folgen für die betroffenen Männer mit sich, wie eine Studie der Barmer GEK ergab.

So klagten etwa 70 Prozent der befragten Männer ein Jahr nach dem Krankenhausaufenthalt über Erektionsprobleme und Inkontinenz. Experten raten bei der Diagnose Prostatakrebs eher zur genauen Beobachtung statt zu einem schnellen Eingriff.

Erektionsstörungen sind nur ein Problem, mit dem sich die Betroffenen abfinden müssen. 53 Prozent der befragten Männer klagten über sexuelles Desinteresse und rund 16 Prozent über Harninkontinenz. Zudem bestätigten 20 Prozent der Befragten im Zusammenhang mit der Operation Blutungen oder Darmverletzungen. Für die Erhebung wurden 1.165 Patienten befragt, die im Durchschnitt 67,6 Jahre alt waren.

Operation nicht automatisch nötig

Angesichts dieser Zahlen warnte Eva Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover und Mitautorin der Studie vor übereiligen Behandlungen. Gerade beim Prostatakrebs müsse die Behandlung nicht automatisch Operation, Bestrahlung oder Medikamente nach sich ziehen, sagte Bitzer. "Aktive Überwachung" oder das "langfristige Beobachten" seien daher echte, nebenwirkungsärmere Alternativen.

Bitzer rät dazu, Prostatakarzinome solange nicht zu entfernen, solange sie "klein und medizinisch unauffällig sind". Eine Prostatektomie sei auch nur dann angezeigt, wenn die Lebenserwartung des Patienten noch mindestens zehn Jahre betrage. "Man stirbt mit, aber nicht an einem Prostata-Karzinom", sagte sie.

Tatsächlich sind laut Studie nach solchen Eingriffen keine Todesfälle in Kliniken bekannt. Insgesamt starben 2011 laut Studie dennoch 13.000 Männer an Prostatakrebs.

Zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern

Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, gab zu bedenken: Nicht immer sei die Entfernung der Prostata die richtige Entscheidung. "Ein kontrolliertes Zuwarten ist vielleicht die richtige Alternative", sagte Schlenker.

Prostatakrebs ist nach Hautkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern. Rund ein Viertel aller Krebserkrankungen bei Männern betrifft die Prostata. Pro Jahr sterben Schlenker zufolge 13.000 Männer an Prostatakrebs. Damit läge die Zahl der Fälle in Deutschland im internationalen Vergleich auf "hohem Niveau", betonte Schlenker. 2011 gab es in Deutschland rund 83 000 stationär behandelte Fälle.

Der Krebs werde zu oft chirurgisch behandelt, sagte Barmer-GEK-Vize Rolf-Ulrich Schlenker. Er verwies auf die USA, wo es trotz der viel höheren Bevölkerungszahl auch nur etwa 83 000 Prostata-Operationen gebe.

Alterung für Anstieg verantwortlich

Die Gesamtkosten für die stationäre Behandlung von Prostatakrebs-Patienten beliefen sich 2011 für die gesetzlichen Krankenkassen auf rund 364 Millionen Euro. Die durchschnittliche Verweildauer von Patienten bei Krankenhausbehandlungen insgesamt nahm der Erhebung zufolge 2011 erneut ab, und zwar von 8,5 auf 8,4 Tage. Bis 1992 lag der Wert bei mehr als 13 Tagen. Allerdings stieg die Behandlungshäufigkeit von 186 auf 190 Fälle je 1000 Versicherten, so dass sich die sogenannte Gesamtverweilzeit in Krankenhäusern unterm Strich sogar leicht erhöhte. Dazu trug primär die weitere Zunahme psychischer Störungen bei, während Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems erneut seltener stationär behandelt werden mussten.

Unter Berücksichtigung des demografischen Wandels blieb die Zahl der Behandlungen in Krankenhäusern im Zeitraum zwischen 1994 und 2011 mit 14,7 Fällen je 10.000 Männern konstant. Ungeachtet des demografischen Wandels stieg die Zahl der Fälle von 14,7 im Jahr 1994 auf 20,9 (2011) pro 10.000 Männer und damit um 40 Prozent. "Allein die Alterung der Bevölkerung ist für diesen Anstieg verantwortlich", sagte Schlenker.

Quelle: dapd/dpa/cl
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Kristall Sauna Therme   Ludwigsfelde in Brandenburg bei Berlin   das grov¸e Angebot fv r Baden Wellness und Sauna vor. FKK und Sportbad.
23.05.13Ludwigsfelde
Freizeitbad vor den Toren Berlins warnt vor Sextätern

Die Kristall Saunatherme in Ludwigsfelde geht nach sexuellen Übergriffen in dem FKK-Bad in die Offensive: In Zusammenarbeit mit der Polizei installierten die Verantwortlichen Videokameras. mehr...


Rammstein-Frontman Till Lindemann auf der Bühne in Moskau
23.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Freitag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Freitag, den 24. Mai. mehr...


In Häusern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieben die Mietpreise relativ stabil. Im Durchschnitt stiegen die Mieten in Berlin um mehr als sechs Prozent
23.05.13Kommentar
Warum Berlin die hohen Mieten nicht hinnehmen darf

Die Berliner Durchschnittsmiete ist im Mietspiegel um mehr als sechs Prozent gestiegen. Vor allem Normalverdiener leiden darunter. Noch können und sollten wir aber gegensteuern, findet Jachim Fahrun. mehr...


Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015
23.05.13Fußball
Finale 2015 der Champions League im Olympiastadion

Dieses Jahr bekommt Berlin die Fanmeile zum Champions-League-Finale – in zwei Jahren wird das Spiel hier im Olympiastadion stattfinden. Berlins Fußball-Präsident verspricht: "Wir können Fußball". mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia
Gesundheitsbericht

Typische Männer- und Frauenleiden

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
Deutsche Welle In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote