24.07.12

Griechenland-Kritik

SPD fordert Merkel zu Entlassung Röslers auf

Die SPD fordert nach seinen Äußerungen zu Griechenland den Rauswurf des Vizekanzlers, die Grünen sehen Deutschlands Ansehen geschädigt und selbst ein Parteifreund wirft Rösler "Unprofessionalität" vor.

Foto: DAPD
Philipp Rösler
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat sich mit seinen Äußerungen zu einer möglichen Pleite Griechenlands bei der Opposition unbeliebt gemacht

Aus der SPD wird nach den umstrittenen Äußerungen von FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler zu Griechenland dessen Entlassung aus dem Bundeskabinett verlangt. "Wenn der vereidigte Wirtschaftsminister Deutschlands Steuergelder so unverantwortlich gefährdet, müsste die Kanzlerin ihn entlassen", forderte der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider auf "Handelsblatt Online". Auch von Seiten der Grünen hieß es, Rösler "beschädigt das Bild Deutschlands als verlässlichen Partner in Europa".

Hintergrund sind die Äußerungen Röslers vom Wochenende, wonach er mit Blick auf die Lage in Griechenland "mehr als skeptisch" sei und ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone "längst seinen Schrecken verloren" habe. Ähnlich hatte sich auch FDP-Generalsekretär Patrick Döring geäußert.

"Die Herren Rösler und Döring bekommen heute die Quittung für ihr unverantwortliches Gequatsche", sagte Schneider mit Blick auf die Senkung der Bonitätsaussichten Deutschlands durch die US-Ratingagentur Moody's. Der SPD-Politiker wies erneut darauf hin, dass ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone Deutschland sehr viel kosten würde.

Der Grünen-Haushaltsexperte Manuel Sarrazin kritisierte die Äußerung Röslers als "politisch naiv". "Rösler spielt mit dem Feuer", sagte er "Handelsblatt Online". Es sei "absurd", als Mitglied der Bundesregierung einen Euro-Austritt geradezu herbeizureden, während der Bundestag Milliardenhilfen beschließe, um die Kapitalflucht aus einigen Euro-Staaten zu stoppen. Der Wirtschaftsminister sorge "für zusätzliche Verunsicherung und Destabilisierung".

Chatzimarkakis kritisiert "Unprofessionalität"

Auch ein Parteifreund nahm sich Rösler vor: Der griechischstämmigen FDP-Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis, der zurzeit in dem Krisenland unterwegs ist, sagte am Montag der "Saarbrücker Zeitung", das "Ausmaß Unprofessionalität" der Rösler-Äußerungen erstaune ihn und überrasche in ganz Europa.

Gerade erst sei die Troika in Griechenland eingetroffen, um sich über die Lage zu informieren. Ihren Bericht gebe sie im September ab. Zudem gehe die neue griechische Regierung die Reformen und Privatisierungen mit großer Kraft an.

Das habe offenbar nicht jeder in Deutschland registriert. "Wenn Philipp Rösler in einer solchen Situation den Daumen schon nach unten senkt, frage ich mich: Auf welchem Planeten lebt er?" Rösler habe sich offenbar auf Pressemeldungen über den angeblichen Stopp der IWF-Hilfen verlassen, statt den Troikabericht abzuwarten.

Am Dienstagmorgen legte Chatzimarkakis im Deutschlandfunk nach: "Wir haben gestern erlebt, dass zum Beispiel die Athener Börse um sieben Prozentpunkte abgesackt ist", sagte er und verwies auf die "Börsen-Crashs" im Mittelmeerraum sowie den niedrigsten Stand des Euro seit 2010. "Das sind auch Resultate der Aussagen des Vizekanzlers."

Auf die Nachfrage des Radiomoderators ob Rösler für diese Entwicklung mit verantwortlich sei, sagte Chatzimarkakis: "Wenn der Vizekanzler des den Euro tragenden wichtigsten Wirtschaftspartners Deutschland das sagt, dann hat das Gewicht ."

Innerhalb der FDP hat Chatzimarkakis nicht viel politisches Gewicht. Vor wenigen Jahren sprach er sich im "Stern" dafür aus, die Liberalen sollten mit den Grünen fusionieren. Das hätte er wohl besser gelassen. Denn seitdem versucht man, ihn in der FDP als Verlierer aufs Abstellgleis zu schieben. Für den FDP-Chef aber ist dessen jüngste Attacke gefährlich: Zwar hat Rösler gerade angekündigt, im Frühjahr erneut für das Amt des Vorsitzenden kandidieren zu wollen. Doch ist nicht sicher, ob das seine Partei überhaupt zulassen wird.

Quelle: dpa/dapd/ks
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Joachim Sauer zeigt Malia (l.) und Sasha sowie Michelle (r.) und Auma Obama die Mauergedenkstätte. Er habe viele Geschichten erzählt, heißt es später
07:24"Sonderprogramm"
Joachim Sauer erklärt der First Family die Hauptstadt

Michelle Obama und ihre beiden Töchter Malia und Sasha haben mit Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer Holocaust-Mahnmal, "Mauerpanorama" und Bernauer Straße in Berlin-Mitte besucht. mehr...

Die Schüler des JFK-Gymnasiums
12:08Obama in Berlin
600 Berliner Schüler und ein amerikanischer Präsident

Die Schüler und Lehrer der Kennedy-Schule in Zehlendorf durften den US-Präsidenten am Mittwoch in Berlin hautnah erleben. Schon im Vorfeld war die Aufregung groß. mehr...


Zwei Linkshänder mit Humor: US-Präsident Barack Obama und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Brandenburger Tor in Berlin
07:31Obama in Berlin
Was Klaus Wowereit und Barack Obama gemein haben

Berlins Regierender Bürgermeister findet auf dem Podium am Brandenburger Tor einen lockeren Umgangston mit US-Präsident Barack Obama. Die beiden verbindet eine Gemeinsamkeit aus ihrer Jugend. mehr...


Die Täter flüchteten mit ihrer Beute und zündeten dann in Neukölln das Fluchtfahrzeug an
11:49Explosion
Erst Geldautomat gesprengt, dann Fluchtauto angezündet

Ein Trio hat am Morgen in der Bergmannstraße Alarm in einer Bankfiliale ausgelöst. Wenig später fand man das Fluchtauto am Maybachufer. Es stand in Flammen, von den Tätern fehlt jede Spur. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Obamas Rede in voller Länge
Berlin Präsident Obama verabschiedet sich nach dem Dinner
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
 
Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Damenprogramm

First Lady Michelle Obama unterwegs in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Bei 35 Grad

Dirk Nowitzkis 35. Geburtstag in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote