Facelift
BMW 7er — Angriff auf die S-Klasse
Mit seinem überarbeiteten Luxusmodell will BMW dem Branchenprimus Mercedes Druck machen. Dafür sollen vor allem elektronische Innovationen sorgen, von LED-Scheinwerfern bis zur Diktierfunktion.
Peking, Dubai, Los Angeles oder St. Petersburg – wo immer es in der Welt um Luxusautos geht, sind die Deutschen vorne. Audi, BMW und Mercedes verkaufen längst mehr von ihren Topmodellen in Amerika oder China als auf dem Heimatmarkt.
"Und auch Russland ist groß im Kommen", sagt Stefan Teuer. Er ist BMW-Verkaufschef in Putins Reich und registriert gewaltige Wachstumsraten. "Prozentual hängen wir da sogar China oder Amerika ab", sagt der Manager und erklärt damit, weshalb BMW ausgerechnet in St. Petersburg zur ersten Testfahrt mit dem überarbeiteten 7er bittet.
Die S-Klasse ist Standard, doch die Rivalen sind nahe
Das Flaggschiff aus Bayern hat eine doppelte Mission zu erfüllen: Zum einen soll es mit seinem Schaulaufen zwischen Eremitage und Katharinen-Palast dafür werben, dass bald mehr als nur 1500 Russen pro Jahr zum Topmodell aus München greifen. Und zum anderen soll der geliftete 7er – nicht nur hier – die Vorherrschaft der Mercedes S-Klasse brechen.
Jahrzehntelang galt der Luxusliner aus Stuttgart als Deutschlands bester Botschafter: Kein Millionär, kein Regierungschef, der nicht eine oder mehrere S-Klassen im Fuhrpark hätte. Doch mittlerweile sieht man auch den Audi A8 und noch häufiger den BMW 7er.
Viele Änderungen zur Mitte der Laufzeit
"Bei den weltweiten Verkaufszahlen sind wir im letzten Jahr bis auf 200 Exemplare an die S-Klasse herangekommen", sagt Entwicklungsvorstand Herbert Diess. 68.774 Exemplare seiner größten Limousine hat BMW 2011 abgesetzt, trotzdem wirkt Diess nicht ganz zufrieden. Es ist wie bei Bayern München: Weil man so sehr an erste Plätze gewöhnt ist (vom 1er bis zum 5er und bei den X-Modellen), schmerzt Rang zwei besonders.
Nach der aktuellen Modellpflege besteht aber die Chance zum Überholen – denn für kurze Zeit, bis 2013, wenn die ganz neue S-Klasse kommt, wird der 7er das modernere Auto sein. "Außen sieht man die Überarbeitung zwar erst auf den zweiten Blick", räumt der Vorstand ein. "Aber unter dem Blech haben wir zur Mitte der Laufzeit noch nie so viel geändert wie dieses Mal."
Das Fernlicht des 7ers blendet nicht mehr
Vor allem die Programmierer und Elektroniker haben aufgerüstet: Der 7er strahlt jetzt aus LED-Scheinwerfern, die Passanten am Straßenrand zur Warnung automatisch anblinken können und den Gegenverkehr selbst mit Fernlicht nicht mehr blenden.
Hinter dem Lenkrad gibt es statt der konventionellen Rundinstrumente nun einen Bildschirm mit elegant animierten Zeigern und Skalen in drei zum jeweiligen Fahrmodus passenden Designs. Und die Grafik auf dem Monitor in der Mittelkonsole ist so brillant, schnell und faszinierend, dass man sein iPad in die Ecke werfen möchte.
Sprachsteuerung mit Tücken
Jedoch wird der 7er auf diese Weise immer mehr zu einem Rechner auf Rädern – und benimmt sich leider auch genau so. Dass die Sprachsteuerung auch beim dritten Versuch einer Adresseingabe nur den Wetterbericht oder den Sendersuchlauf anbietet, dem hat auch Entwicklerin Eva Heidl nur ein Schulterzucken entgegenzusetzen – und die gute alte PC-Strategie: zurück zum Ausgangsmenü und einen neuen Anlauf nehmen.
Was man bei der Jungfernfahrt gar nicht ausprobieren kann, ist die neue Spracheingabe für E-Mails und Kurznachrichten. Weil Entwicklungsvorstand Diess gelernt hat, dass die Kunden gerade in einer Luxuslimousine immer online sein wollen und die Lebenserfahrung zeigt, dass selbst Bußgelder und Punkte die Fahrer nicht von ihrem schriftlichen Mitteilungsbedürfnis abhalten, macht der 7er dem Tippen von E-Mails und SMS ein Ende: Solche Nachrichten kann der Fahrer jetzt auch einsprechen – zumindest in der Theorie.
Denn weil diese Diktate als Audiodateien zu einem Kooperationspartner nach Amerika übertragen, dort in Text umgesetzt und zurück ins Auto geschickt werden, braucht man dafür eine besondere Datenverbindung, erläutert Entwicklerin Heidl. Das dauere gewöhnlich nur Sekundenbruchteile. Leider bietet BMW in Russland keine entsprechende Schnittstelle an, sodass der 7er nicht nach, sondern schon vor dem Diktat verreist ist.
Luftfederung ist Standard geworden
Dafür bieten die Straßen rund um die Fünf-Millionen-Metropole reichlich Gelegenheit, ein paar andere Vorzüge zu erfahren, etwa den verbesserten Fahrkomfort. Nicht nur die Langversion hat jetzt eine serienmäßige Luftfederung, sondern auch der 5,08 Meter lange Standard-7er schwebt fast über die schartigen Straßen entlang der Ostseeküste.
Es ist flüsterleise an Bord, und man wähnt sich auch dank der neuen Sitze fast auf einem fliegenden Teppich. Dass der 7er auch anders kann, spürt man beim Wechsel in den Dynamic-Betrieb. Dann wird das Auto deutlich straffer, die Motoren drehen höher, und es geht flotter voran. Würden nicht stolze 2035 Kilo auf der elektromechanischen Servolenkung lasten, könnte der 7er fast als 5er durchgehen.
Bis zu 25 Prozent weniger Verbrauch
Besonders stolz ist Diess auf die überarbeiteten Motoren: "Leistung rauf, Verbrauch runter." Obwohl bis auf den Diesel im 750d mit seinen 381 PS kein Aggregat wirklich neu ist, haben die Ingenieure an der Tankstelle noch einmal bis zu 25 Prozent gut gemacht und beim Kohlendioxid ein paar Klassenbestwerte erreicht.
Der 258 PS starke 730d bleibt als einziger Wagen seiner Klasse unter 150 Gramm CO 2 pro Kilometer, sagt Diess, und beim 750i knacken die Ingenieure erstmals die 200-Gramm-Marke. "Das ist ein Viertel weniger Verbrauch als vorher", sagt der Vorstand, "obwohl die Leistung um zehn Prozent steigt."
Neue Technik für die Hybridvariante
Die größte Modifikation gibt es am Active Hybrid 7. Der bekommt jetzt den Parallelhybrid-Antrieb aus 5er und 3er. Mit dieser Kombination aus einem 320 PS starken Sechszylinder und einem E-Motor von 55 PS geht nicht nur der Verbrauch um etwa drei auf 6,8 Liter zurück, sondern man kann jetzt bis zu vier Kilometer rein elektrisch fahren.
Nichts geändert hat BMW dagegen am 544 PS starken Zwölfzylinder, dem als einzigem Motor der Marke sogar die Start-Stopp-Automatik versagt bleibt. Die wäre technisch möglich gewesen, doch haben die Marktforscher herausgefunden, dass sie der Zwölfzylinder-Klientel nicht gefällt. Und bei Preisen jenseits von 138.100 Euro für den 760i sollten ein paar Liter Sprit mehr oder weniger auch keine Rolle spielen.
Viele Neuerungen kosten in Deutschland extra
Der Grundpreis hat sich mit 74.900 Euro für den 730d und 80.700 Euro für den 740i kaum verändert. Doch die wichtigsten Neuerungen, etwa LED-Licht und der Bildschirm-Tacho, kosten Aufpreis. Es sei denn, der 7er gibt den Botschafter im Ausland. Wo es noch mehr um den guten Ruf geht und der Wind des Wettbewerbs schärfer bläst, sind viele Extras serienmäßig.
Ob das reicht? Zwar sieht man auf den Straßen von St. Petersburg tatsächlich viele BMW. Doch bei allen potenziellen Kunden ist die Begeisterung für die Luxusliner aus München noch nicht angekommen. Als Alexander Prokhorenko von der Bezirksregierung den deutschen Gästen seine Aufwartung macht, fährt er natürlich in seinem Dienstwagen vor – einem Audi A8.
Die Reise zur Präsentation des überarbeiteten 7er wurde unterstützt von BMW.
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