22.07.12

Facelift

BMW 7er — Angriff auf die S-Klasse

Mit seinem überarbeiteten Luxusmodell will BMW dem Branchenprimus Mercedes Druck machen. Dafür sollen vor allem elektronische Innovationen sorgen, von LED-Scheinwerfern bis zur Diktierfunktion.

Foto: BMW

Der BMW 7er der aktuellen Generation hat ein Facelift bekommen. Ob von vorn oder...

11 Bilder

Peking, Dubai, Los Angeles oder St. Petersburg – wo immer es in der Welt um Luxusautos geht, sind die Deutschen vorne. Audi, BMW und Mercedes verkaufen längst mehr von ihren Topmodellen in Amerika oder China als auf dem Heimatmarkt.

"Und auch Russland ist groß im Kommen", sagt Stefan Teuer. Er ist BMW-Verkaufschef in Putins Reich und registriert gewaltige Wachstumsraten. "Prozentual hängen wir da sogar China oder Amerika ab", sagt der Manager und erklärt damit, weshalb BMW ausgerechnet in St. Petersburg zur ersten Testfahrt mit dem überarbeiteten 7er bittet.

Die S-Klasse ist Standard, doch die Rivalen sind nahe

Das Flaggschiff aus Bayern hat eine doppelte Mission zu erfüllen: Zum einen soll es mit seinem Schaulaufen zwischen Eremitage und Katharinen-Palast dafür werben, dass bald mehr als nur 1500 Russen pro Jahr zum Topmodell aus München greifen. Und zum anderen soll der geliftete 7er – nicht nur hier – die Vorherrschaft der Mercedes S-Klasse brechen.

Jahrzehntelang galt der Luxusliner aus Stuttgart als Deutschlands bester Botschafter: Kein Millionär, kein Regierungschef, der nicht eine oder mehrere S-Klassen im Fuhrpark hätte. Doch mittlerweile sieht man auch den Audi A8 und noch häufiger den BMW 7er.

Viele Änderungen zur Mitte der Laufzeit

"Bei den weltweiten Verkaufszahlen sind wir im letzten Jahr bis auf 200 Exemplare an die S-Klasse herangekommen", sagt Entwicklungsvorstand Herbert Diess. 68.774 Exemplare seiner größten Limousine hat BMW 2011 abgesetzt, trotzdem wirkt Diess nicht ganz zufrieden. Es ist wie bei Bayern München: Weil man so sehr an erste Plätze gewöhnt ist (vom 1er bis zum 5er und bei den X-Modellen), schmerzt Rang zwei besonders.

Nach der aktuellen Modellpflege besteht aber die Chance zum Überholen – denn für kurze Zeit, bis 2013, wenn die ganz neue S-Klasse kommt, wird der 7er das modernere Auto sein. "Außen sieht man die Überarbeitung zwar erst auf den zweiten Blick", räumt der Vorstand ein. "Aber unter dem Blech haben wir zur Mitte der Laufzeit noch nie so viel geändert wie dieses Mal."

Das Fernlicht des 7ers blendet nicht mehr

Vor allem die Programmierer und Elektroniker haben aufgerüstet: Der 7er strahlt jetzt aus LED-Scheinwerfern, die Passanten am Straßenrand zur Warnung automatisch anblinken können und den Gegenverkehr selbst mit Fernlicht nicht mehr blenden.

Hinter dem Lenkrad gibt es statt der konventionellen Rundinstrumente nun einen Bildschirm mit elegant animierten Zeigern und Skalen in drei zum jeweiligen Fahrmodus passenden Designs. Und die Grafik auf dem Monitor in der Mittelkonsole ist so brillant, schnell und faszinierend, dass man sein iPad in die Ecke werfen möchte.

Sprachsteuerung mit Tücken

Jedoch wird der 7er auf diese Weise immer mehr zu einem Rechner auf Rädern – und benimmt sich leider auch genau so. Dass die Sprachsteuerung auch beim dritten Versuch einer Adresseingabe nur den Wetterbericht oder den Sendersuchlauf anbietet, dem hat auch Entwicklerin Eva Heidl nur ein Schulterzucken entgegenzusetzen – und die gute alte PC-Strategie: zurück zum Ausgangsmenü und einen neuen Anlauf nehmen.

Was man bei der Jungfernfahrt gar nicht ausprobieren kann, ist die neue Spracheingabe für E-Mails und Kurznachrichten. Weil Entwicklungsvorstand Diess gelernt hat, dass die Kunden gerade in einer Luxuslimousine immer online sein wollen und die Lebenserfahrung zeigt, dass selbst Bußgelder und Punkte die Fahrer nicht von ihrem schriftlichen Mitteilungsbedürfnis abhalten, macht der 7er dem Tippen von E-Mails und SMS ein Ende: Solche Nachrichten kann der Fahrer jetzt auch einsprechen – zumindest in der Theorie.

Denn weil diese Diktate als Audiodateien zu einem Kooperationspartner nach Amerika übertragen, dort in Text umgesetzt und zurück ins Auto geschickt werden, braucht man dafür eine besondere Datenverbindung, erläutert Entwicklerin Heidl. Das dauere gewöhnlich nur Sekundenbruchteile. Leider bietet BMW in Russland keine entsprechende Schnittstelle an, sodass der 7er nicht nach, sondern schon vor dem Diktat verreist ist.

Luftfederung ist Standard geworden

Dafür bieten die Straßen rund um die Fünf-Millionen-Metropole reichlich Gelegenheit, ein paar andere Vorzüge zu erfahren, etwa den verbesserten Fahrkomfort. Nicht nur die Langversion hat jetzt eine serienmäßige Luftfederung, sondern auch der 5,08 Meter lange Standard-7er schwebt fast über die schartigen Straßen entlang der Ostseeküste.

Es ist flüsterleise an Bord, und man wähnt sich auch dank der neuen Sitze fast auf einem fliegenden Teppich. Dass der 7er auch anders kann, spürt man beim Wechsel in den Dynamic-Betrieb. Dann wird das Auto deutlich straffer, die Motoren drehen höher, und es geht flotter voran. Würden nicht stolze 2035 Kilo auf der elektromechanischen Servolenkung lasten, könnte der 7er fast als 5er durchgehen.

Bis zu 25 Prozent weniger Verbrauch

Besonders stolz ist Diess auf die überarbeiteten Motoren: "Leistung rauf, Verbrauch runter." Obwohl bis auf den Diesel im 750d mit seinen 381 PS kein Aggregat wirklich neu ist, haben die Ingenieure an der Tankstelle noch einmal bis zu 25 Prozent gut gemacht und beim Kohlendioxid ein paar Klassenbestwerte erreicht.

Der 258 PS starke 730d bleibt als einziger Wagen seiner Klasse unter 150 Gramm CO 2 pro Kilometer, sagt Diess, und beim 750i knacken die Ingenieure erstmals die 200-Gramm-Marke. "Das ist ein Viertel weniger Verbrauch als vorher", sagt der Vorstand, "obwohl die Leistung um zehn Prozent steigt."

Neue Technik für die Hybridvariante

Die größte Modifikation gibt es am Active Hybrid 7. Der bekommt jetzt den Parallelhybrid-Antrieb aus 5er und 3er. Mit dieser Kombination aus einem 320 PS starken Sechszylinder und einem E-Motor von 55 PS geht nicht nur der Verbrauch um etwa drei auf 6,8 Liter zurück, sondern man kann jetzt bis zu vier Kilometer rein elektrisch fahren.

Nichts geändert hat BMW dagegen am 544 PS starken Zwölfzylinder, dem als einzigem Motor der Marke sogar die Start-Stopp-Automatik versagt bleibt. Die wäre technisch möglich gewesen, doch haben die Marktforscher herausgefunden, dass sie der Zwölfzylinder-Klientel nicht gefällt. Und bei Preisen jenseits von 138.100 Euro für den 760i sollten ein paar Liter Sprit mehr oder weniger auch keine Rolle spielen.

Viele Neuerungen kosten in Deutschland extra

Der Grundpreis hat sich mit 74.900 Euro für den 730d und 80.700 Euro für den 740i kaum verändert. Doch die wichtigsten Neuerungen, etwa LED-Licht und der Bildschirm-Tacho, kosten Aufpreis. Es sei denn, der 7er gibt den Botschafter im Ausland. Wo es noch mehr um den guten Ruf geht und der Wind des Wettbewerbs schärfer bläst, sind viele Extras serienmäßig.

Ob das reicht? Zwar sieht man auf den Straßen von St. Petersburg tatsächlich viele BMW. Doch bei allen potenziellen Kunden ist die Begeisterung für die Luxusliner aus München noch nicht angekommen. Als Alexander Prokhorenko von der Bezirksregierung den deutschen Gästen seine Aufwartung macht, fährt er natürlich in seinem Dienstwagen vor – einem Audi A8.

Die Reise zur Präsentation des überarbeiteten 7er wurde unterstützt von BMW.

Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie im Internet unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015
Aktualisiert vor 26 MinutenFußball
Finale der Champions League 2015 im Berliner Olympiastadion

Dieses Jahr bekommt Berlin die Fanmeile zum Champions-League-Finale – in zwei Jahren wird das Spiel hier im Olympiastadion stattfinden. Nach München 2012 hat Berlin den Zuschlag für 2015 bekommen. mehr...

Ein saniertes und ein unsaniertes Wohnhaus in der Neuen Bahnhofstraße am 09.04.2013 in Berlin in Friedrichshain. Foto: Jens Kalaene/dpa
13:01Mietspiegel
Berliner Durchschnittsmiete steigt um mehr als sechs Prozent

Der Berliner Mietspiegel ist erneut gestiegen, wenn auch weniger stark als zuvor. Wer möglichst stabile Mieten möchte, sollte aktuell in Wohnungen ziehen, die zwischen 1950 und 1990 errichtet wurden. mehr...


Der vermeintliche Täter Roy B., soll einen Suizidversuch unternommen haben. Ein Rettungsarzt hatte den Mann gerettet. Zuvor hatte das Mädchen Sharlyn die Kripo-Beamten zu der Wohnung geführt
12:14Kidnapper
Mutmaßlicher Entführer von Sharlyn in Psychiatrie eingewiesen

Der vermeintliche Entführer der 8-jährigen Sharlyn ist nun in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert worden. Er hatte am Pfingstmontag das Mädchen von einem Spielplatz zu sich nach Hause gelockt. mehr...


Mit dem Männergefängnis am Heidering leistet sich das klamme Berlin ein neues Gefängnis
12:21Technische Mängel
Verlegung von Gefangenen in JVA Heidering erneut geplatzt

Berlin hat eine Baustelle mehr. Neben den andauernden Problemen am BER, hat nun das neue Männergefängnis am Heidering mit der Technik zu kämpfen. Die geplanten Verlegungen müssen verschoben werden. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
DW In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. AuslandTerror in LondonEine Mutter von zwei Kindern wird zur Heldin
  2. 2. WeltgeschehenTornado in OklahomaKeiner blicke mit Schadenfreude nach Amerika!
  3. 3. GeldNikkei-AbsturzBörsenturbulenzen vernichten 1,2 Billionen Dollar
  4. 4. GeldAktienrallyeGetrieben von der Geldflut der Notenbanken
  5. 5. WirtschaftDeutsche BankFehlerfrei und langsam – Jain spricht Deutsch
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote