22.07.12

Kreislauf

Wenn der Blutdruck ständig im Keller ist

Ein niedriger Blutdruck macht matt und kann bis zur Ohnmacht führen. Doch er ist keine Krankheit – erhöht er doch sogar die Chance auf ein langes Leben. Wie sich die Symptome lindern lassen.

Von Iris Hansch
Foto: DPA
Blutdruckmessung
Die Blutdruckregulation unterliegt physikalischen Gesetzen

"Mit niedrigem Blutdruck lebt es sich schlecht, mit hohem Blutdruck stirbt es sich gut" – so oder ähnlich sagt der Volksmund. Und tatsächlich ist zu hoher Blutdruck (Hypertonie) ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall, ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) hingegen könnte sich eher günstig auf die Lebenserwartung auswirken.

"Das Kreislaufsystem von Hypotonikern arbeitet sehr schonend. Es altert also viel langsamer als etwa das von Menschen mit hohem Blutdruck", erläutert Manfred Kubens, Leitender Arzt der Abteilung Innere Medizin/Orthopädie an der Wicker-Klinik in Bad Wildungen. "Die Betroffenen sind gesund, dennoch fühlen sie sich oft schlapp und ermüden rasch. Besonders die erste Tageshälfte fällt schwer", sagt der Internist.

Von Hypotonie ist die Rede, wenn der systolische (obere) Blutdruck-Messwert unter 100 mm Hg liegt. Betroffen sind insbesondere sehr schlanke, zierliche Frauen. Bei ihnen ist diese Kreislaufregulationsstörung oft genetisch bedingt. Aber auch bei älteren Menschen kann es zu einem Elastizitätsverlust der Arterien kommen. Schließlich ist auch bei so manchem Jugendlichen im Wachstum der Spannungszustand der Blutgefäße chronisch niedrig.

Kalte Füße und Ohrensausen

Die Ursache liegt laut Kubens darin, dass die Blutdruckregulation physikalischen Gesetzen unterliegt: "Wenn wir unsere Körperhaltung ändern, folgt das Blut der Schwerkraft. Ohne Gegenmechanismus würde das Blut regelrecht in den Beinen und den Eingeweiden versacken, wenn wir plötzlich aufstehen. In der Folge ist das Gehirn – der höchste Punkt des Körpers – schlagartig unterversorgt." Verhindert wird dies normalerweise durch die Aktivierung eines Nervengeflechts, das dafür sorgt, dass es zu einer "blitzartigen Engstellung der Beinarterien und zur Drosselung der Eingeweidedurchblutung" kommt.

Bei den meisten Menschen funktioniert dieses System. Wenn nicht, kann es zu Kreislaufproblemen kommen, die zumeist bei langem Stehen oder plötzlichem Lagewechsel auftreten: Die Symptome reichen von Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen über kalte Hände und Füße, Müdigkeit und Antriebsschwäche, Herzklopfen, Übelkeit, Ohrensausen und Schweißausbrüchen bis hin zur Ohnmacht.

Andere Diagnosen möglich

Diese vielschichtigen Symptome müssen aber nicht zwangsläufig auf einen chronisch niedrigen Blutdruck zurückzuführen sein. Solche Beschwerden können auch auf Erkrankungen des Herzens, des Nerven- oder Hormonsystems, auf eine Infektionskrankheit oder auf innere Blutungen hinweisen.

Manchmal treten sie auch als unangenehme Nebenwirkungen von Medikamenten auf. "Deshalb ist in jedem Fall eine gründliche Diagnose wichtig, wenn die Beschwerden die Lebensqualität stark beeinträchtigen", rät der Facharzt für Inneres.

Sind die Kreislaufstörungen Folge einer Grunderkrankung (sekundäre Hypotonie), dann wird der Arzt versuchen, diese Grundkrankheit zu behandeln: also etwa eine Blutarmut zu beheben oder die Herzrhythmusstörungen zu mildern. Eine ursächliche Behandlung der primären Hypotonie sei nicht möglich, sagt Kubens.

Kräftige Waden erwünscht

Dennoch gibt es wirksame Methoden, den Blutdruck zu heben beziehungsweise das Versacken von Blut zu verhindern. Handelsübliche Medikamente zur Kreislaufanregung sind aus Sicht des Internisten nur das Mittel der zweiten Wahl. "Sportarten, die mit einer Kräftigung der Wadenmuskulatur einhergehen, können ebenso helfen wie häufiges Wechselduschen der Beine, um hier den Kreislauf anzuregen", empfiehlt der Mediziner. Der Grund: Kräftige Waden befördern Blut leichter aus den Beinen in den übrigen Körperkreislauf. Einen ähnlichen Effekt haben Antithrombosestrümpfe.

Kreislaufanregende Mittel wie Kaffee oder schwarzer Tee können dazu beitragen, die Anlaufschwierigkeiten am Morgen zu überwinden. Wem besonders beim Aufstehen schwindlig wird, der sollte den Tag langsam beginnen und zunächst einige Minuten auf der Bettkante sitzen bleiben.

Bei drohender Ohnmacht gilt: hinlegen und Beine hoch. Diese so genannte Autotransfusion transportiert das Blut aus den Beinen in die oberen Bereiche des Körpers und damit auch zum Gehirn, das nun wieder mit genügend Sauerstoff versorgt wird.

Lieber gehen statt stehen

Grundsätzlich sollten Menschen mit Hypotonie lieber gehen statt stehen. Im Stehen aktiviert Wippen auf den Ballen die Venenpumpe.

Einige Ärzte empfehlen Hypotonikern auch eine vermehrte Kochsalzzufuhr. Dies sollte aber wirklich auf die betroffene "Patientengruppe" beschränkt bleiben, betont Kubens, denn heutzutage werde eher zu viel als zu wenig Salz konsumiert.

Auf die richtige Menge kommt es an, denn Natriumchlorid ist lebensnotwendig. Salz bindet Wasser und hält es im Körper zurück, was wiederum auch das Blutvolumen in den Adern erhöht. Dies führt schließlich zu einem spürbaren Anstieg des Blutdrucks.

Bei normaler, gesunder Ernährung steht dem Körper stets genug Salz zur Verfügung. Allerdings wird beim Schwitzen – etwa bei Fieber oder Hitze – Salz über die Haut ausgeschieden. Dann kann vorübergehend ein Mangel entstehen, so dass der Blutdruck fällt. "In solchen Fällen kann eine leicht gesalzene Brühe schon hilfreich sein", sagt Kubens.

Quelle: dapd
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