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29.04.09

Studie

Die Deutschen lieben ihr Land – irgendwie

"Ich bin stolz, Deutscher zu sein": Dieser Aussage stimmen laut einer neuen Studie fast 60 Prozent der Deutschen zu. 70 Prozent finden zudem, dass Deutsche mehr Selbstbewusstsein zeigen sollten. Doch die Liebe zum Land ist nicht ungetrübt. Wer nachbohrt, findet in der deutschen Seele viele Widersprüche.

© AP
Deutschland
Viele Deutsche sind stolz, Deutsche zu sein. Dennoch hadern sie mit ihrer Identität

Nach Jürgen Klinsmanns Abgang beim FC Bayern mag mancher versucht sein, auch die WM 2006 neu zu überdenken. Doch die Gefahren solcher Neuinterpretation des Sommermärchens zeigen sich in einer Studie, mit der die Düsseldorfer "Identity Foundation" dem damals beobachteten Wandel unseres Nationalgefühls nachspürt. Wer nämlich mehr will, als die 2006 gewachsenen positiven Haltungen festzustellen, gerät auf Holzwege.

Bei den Haltungen als solchen bietet die Studie Einiges. 59,3 Prozent der Deutschen sagen mittlerweile: "Ich bin stolz, Deutscher zu sein." Von 2000 repräsentativ ausgewählten Bundesbürgern, die 2008 und 2009 von der GfK Marktforschung befragt wurden, würden 78,2 Prozent wieder die deutsche Staatsangehörigkeit wählen.

72,9 Prozent stimmten der Aussage zu, "die Deutschen sollten mehr Selbstbewusstsein zeigen." 54,3 Prozent widersprachen der These, Nationalgefühle seien wegen Globalisierung und EU nicht zeitgemäß.

"Das Nationalgefühl ist zurück, die deutsche Seele weitgehend geheilt", resümierte der die Studie betreuende Soziologe Eugen Buß von der Universität Hohenheim. Die Haltung der Deutschen zu ihrem Land sei "pluralistisch, pragmatisch, weltoffen und demokratisch".

Ungeklärt indes bleibt, ob dies ein Zustand oder ein Wunsch ist, ergaben doch Tiefeninterviews in der Studie, dass "das Nationale den Deutschen eher fremd ist". Dieser Widerspruch blieb unaufgelöst.

Wie die Liebe zum Land mit jener "latenten Solidarität" zusammenhängt, die laut Studie im Volk bezüglich ehrenamtlichem Engagement herrscht, wussten die Autoren so wenig zu erhellen wie ihre These, dass aus größeren Nationalgefühlen bei Älteren auf eine weitere Zunahme des Patriotismus in der Zukunft zu schließen sei.

Schwer erkennbar ist weiterhin, warum sich 18,4 Prozent "in kulturelle Überfremdungsgefühle flüchten", wenn sie feststellen, dass es nichts typisch Deutsches mehr gebe. Weshalb "der Sozialstaat an Bindungskraft verliert", wenn 51,8 Prozent unser Land schätzen, weil "alles gut und funktioniert", ließen die Zahlen auch nicht recht erkennen.

Angesichts dieser Unklarheiten liegt es nahe, wie bei Klinsmann das 2006 erfreulich Begonnene einfach zu konstatieren, es nicht üppig zu interpretieren – und sich darauf einzustellen, dass noch vieles im Argen liegt. Denn 57,8 der Ostdeutschen finden, dass "die Ideen des DDR-Sozialismus wieder mehr Berücksichtigung finden sollten".

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