Migrantenstudie
Türken in Deutschland beklagen Diskriminierung
Freitag, 24. Juli 2009 15:47 - Von Stefanie BolzenViele Ausländer in Deutschland fühlen sich wegen ihrer Herkunft ungerecht behandelt. Über Diskriminierung klagen laut einer EU-Studie mehr als die Hälfte der Türken und fast ebenso viele Ex-Jugoslawen. Im Vergleich zu anderen Ländern in Europa sind diese Quoten allerdings noch gering.

Mehr als die Hälfte aller in Deutschland lebenden Türken meint, dass die Diskriminierung von Ausländern weitverbreitet ist. Auch 46 Prozent der Ex-Jugoslawen teilen diese Ansicht. Zu diesem Ergebnis kommt die erste EU-weite Befragung von Immigranten zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
Im Vergleich zu anderen EU-Staaten schneidet Deutschland indes vergleichsweise positiv ab. In Italien meinen 94 Prozent der Nordafrikaner, dass Einwanderer aufgrund ihrer Herkunft diffamiert werden; auch in Frankreich empfinden fast 90 Prozent der Immigranten aus Afrika Diskriminierung. In Mittel- und Osteuropa fühlen sich vor allem Roma betroffen.Derzeit rücken beim Thema Einwanderung vor allem Italien und Malta in den Fokus, deren Behörden mit einem anhaltenden Ansturm illegaler Flüchtlinge aus Afrika konfrontiert sind. In Italien sorgen zudem seit rund zwei Jahren Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und Einwanderern aus Rumänien und Roma für Schlagzeilen. Seit dem EU-Beitritt Rumäniens Anfang 2007 hat der Strom von Immigranten aus Rumänien nach Italien Regierungsangaben zufolge um 82,7 Prozent zugenommen.
Die zunehmende Einwanderung in einige EU-Staaten – zu denen Deutschland nicht gehört –, aber auch die Wirtschaftskrise haben Folgen. „Rassistisch motivierte Straftaten und Diskriminierung in der EU sind verbreiteter, als es einzelne Mitgliedsstaaten zugeben“, sagte Morten Kjaerum, Direktor der EU-Agentur für Grundrechte (Fra). Die Fra ließ für ihre Studie mehr als 23.000 Immigranten in allen 27 EU-Staaten befragen.
Die Dunkelziffer rassistisch motivierter Straftaten liegt nach Meinung der EU-Agentur noch höher. Denn die allermeisten Opfer erstatten keine Anzeige: 80 Prozent der Migranten gaben an, nach einem Angriff nicht zur Polizei oder anderen Einrichtungen zu gehen. Der Grund: Eine Meldung „ändere nichts“, Übergriffe seien „normal, passieren ständig“. Fast ein Drittel der Betroffenen fürchtet zudem, dass eine Anzeige negative Folgen für sie selbst habe. „Dies zeugt von großer Resignation“, so Kjaerum.
80 Prozent der Befragten wissen zudem nicht, wer für eine Anzeige überhaupt zuständig wäre. So kommen die Täter meist ungestraft davon. Im Rahmen der Studie wurden zudem „innereuropäische“ Migranten – Mittel- und Osteuropäer in Irland oder Großbritannien – befragt. 95 Prozent von ihnen gaben an, im vergangenen Jahr von privaten Dienstleistern diskriminiert worden zu sein. .Erschienen am 22.04.2009






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