02.07.12

Altkanzler

Schmidt lobt Merkels "taktisches Geschick"

Ein Lob vom Altkanzler für die Kanzlerin: Während einer Preisverleihung fand Helmut Schmidt freundliche Worte für Angela Merkel. Die Kritiker des Fiskalpakts wies er dagegen in die Schranken.

Foto: DAPD
Helmut Schmidt und Angela Merkel
Anerkennung für die Kanzlerin: Altkanzler Helmut Schmidt lobte Angela Merkel

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) ist mit dem Eric-M.-Warburg-Preis der Atlantik-Brücke ausgezeichnet worden. Der 93-Jährige bekam die Auszeichnung am Montagabend bei einer Feier zum 60-jährigen Bestehen des transatlantischen Vereins in Berlin überreicht und lobte dabei ausdrücklich Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Merkel (CDU) sagte, Schmidt habe die deutsch-amerikanische Partnerschaft "immer wieder belebt und auch ganz persönlich gelebt".

Der Altkanzler gehörte zu den ersten Mitgliedern der Atlantik-Brücke, die im Sommer 1952 in Hamburg gegründet wurde. Inzwischen gehören dem Verein zur Förderung der deutsch-amerikanischen Partnerschaft etwa 500 Mitglieder an. Darunter sind zahlreiche Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Medien.

Schmidt für europäische Integration

Schmidt plädierte in seiner Dankesrede für eine weitere europäische Integration. Bislang habe Europa oft zu zaghaft reagiert. "Man muss sein Herz über die Hürde werfen", sagte der Altkanzler.

"Entweder setzen wir unsere Finanzkrise fort und kämpfen als einzelne Staaten um unser nationales Schicksal, um unsere nationalen Vorteile und Nachteile – aber mit schwindender Aussicht auf Erfolg. Oder wir finden zurück zum Konzept des fortschreitenden europäischen Verbundes."

Schmidt dankte mit den Worten, er habe den Preis gerne entgegen genommen. Die Auszeichnung rufe in ihm viele Erinnerungen wach. Ohne die Tatkraft der USA hätte es die heutige Europäische Union nicht gegeben, erklärte der Alt-Kanzler, der ausdrücklich Amtsinhaberin Merkel lobte.

Diese beweise in den aktuellen Verhandlungen rund um die Euro-Krise ein "bemerkenswertes taktisches Geschick". Mit Blick auf die Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Fiskalpakt und den Rettungsschirm ESM wies Schmidt diejenigen Kritiker in die Schranken, die mehr Mitspracherecht fordern. Von einem "Vorrang des deutschen Interesses" sei im Grundgesetz keine Rede, erklärte er.

Forderung nach Pro-EU-Urteilen

Zudem forderte Schmidt das Bundesverfassungsgericht auf, sich zu einem klaren Europa-Kurs zu bekennen. Angesichts der Schuldenkrise seien "Entschlusskraft und Opferbereitschaft dringend geboten", sagte Schmidt.

Zugleich mahnte Schmidt vor einer Marginalisierung Europas in der Globalisierung. Im 21. Jahrhundert stünden nicht nur die europäische Wirtschaft, sondern auch der demokratische Sozialstaat und die Werte der Aufklärung auf dem Prüfstand.

"Wir brauchen einander"

Merkel betonte die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Partnerschaft auch in Zeiten der Globalisierung. "Wir brauchen einander", sagte die Kanzlerin, die selbst Mitglied der Atlantik-Brücke ist. "Wenn wir unsere Werte und Interessen behaupten wollen, müssen wir gemeinsam daran arbeiten." Der amerikanische Wunsch nach einer besseren Lastenverteilung mit Europa sei "durchaus nachvollziehbar".

Der undotierte Preis erinnert an den Bankier Eric M. Warburg, der zu den Gründungsmitgliedern der Atlantik-Brücke gehörte. Frühere Preisträger waren unter anderem der ehemalige US-Präsident George Bush, Altkanzler Helmut Kohl und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU).

Quelle: dapd/dpa/rtr/fp
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