01.07.12

Erbkrankheit

Forscher reparieren Gendefekt bei Chorea Huntington

Chorea Huntington lässt sich bislang weder heilen noch ihr Verlauf verzögern. Forschern ist es gelungen, den Gendefekt der tödlichen Erbkrankheit mit Stammzellen zu reparieren.

Foto: AP
DNA-Test
Im Labortest haben Forscher ein fehlerhaftes Genstück in Stammzellen ausgetauscht und damit die Ursache für Morbus Huntington "repariert". DNA-Tests wie der auf dem Foto werden damit auch immer wertvoller

Forscher vom Buck Institute for Research on Aging im kalifornischen Novato haben erstmals die genetische Ursache der Erbkrankheit Chorea Huntington repariert. Sie tauschten ein fehlerhaftes Genstück in Stammzellen aus, die sie aus Bindegewebszellen eines Huntington-Patienten erzeugt hatten.

Eingepflanzt in das Gehirn von Mäusen, entwickelten sich die korrigierten Stammzellen zu gesunden Vorstadien von Gehirnzellen, berichten die Forscher im Fachjournal "Cell Stem Cell". "Die Fähigkeit, genetisch korrigierte Stammzellen aus den Zellen eines Huntington-Patienten zu erzeugen, ist ein entscheidender Schritt hin zu einer Stammzelltherapie für diese Krankheit", sagt Studienleiterin Lisa Ellerby.

Die Erbkrankheit Chorea Huntington lässt sich bisher weder heilen noch aufhalten. Sie wird durch überzählige Kopien in einem Teil des Huntington-Gens ausgelöst. Dadurch entsteht ein fehlerhaftes Eiweiß, das fortschreitend Zellen im sogenannten Striatum zerstört, einem für Muskelsteuerung und grundlegende mentale Funktionen wichtigen Hirnbereich.

Physische und psychische Ausfälle

Als Folge verlieren Betroffene ab etwa dem 35. bis 40. Lebensjahr zunehmend die Kontrolle über ihre Muskeln und leiden unter psychischen Ausfallerscheinungen. Nach längstens 20 Jahren führt die Krankheit zum Tod.

Die Forscher verwendeten induzierte pluripotente Stammzellen eines Huntington-Patienten. Das sind Stammzellen, die noch nahezu alle Zelltypen des Körpers bilden können. Sie waren zuvor aus Bindegewebszellen dieses Patienten hergestellt worden. Das Huntington-Gen in den Stammzellen der Person enthielt 72 Kopien, berichten die Wissenschaftler. Als krankheitsauslösend gelten bereits mehr als 36 Wiederholungen.

Aus einem Bakteriengenom erzeugte Ellerby eine Variante des Huntington-Gens mit 21 Kopien. Dieses schleuste sie in die in Zellkultur gehaltenen Stammzellen des Patienten ein. In zwei von 203 Versuchen bauten die Stammzellen das neue Gen ein.

Viele weitere Tierversuche nötig

"Die genetische Korrektur hat die Krankheitssymptome in den neuronalen Stammzellen beseitigt", berichtet Ellerby. Auch die Funktion der Mitochondrien – der Kraftwerke der Zellen – sei normal gewesen. "Dies ist wichtig, wenn sie in Stammzelltherapien eingesetzt werden sollen", so die Forscherin.

Im entscheidenden Test injizierten die Forscher die reparierten Zellen in das Gehirn von sechs Wochen alten Mäusen, die an Huntington litten. Zwei Wochen danach habe man große Mengen von Abkömmlingen dieser menschlichen Stammzellen im Striatum der Tiere gefunden.

Ob eine solche Stammzelltherapie die Huntington-Krankheit tatsächlich aufhalten oder sogar bereits bestehende Symptome rückgängig machen kann, muss nun in weiteren Tierversuchen erforscht werden. Sollte sich dies bestätigen, eröffnet das die Perspektive, eines Tages diese Erbkrankheit beim Menschen heilen zu können.

Quelle: dapd/N.L.
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