21.06.12

Perfider Auftragsmord

Wie Tropen-Ameisen junge Rivalen beseitigen lassen

Dominante Männchen einer tropischen Ameisenart schaffen sich Rivalen mit einer heimtückischen Strategie von Hals: Mit einem Duftstoff geben sie Konkurrenten zum Töten frei.

Foto: DAPD
Maennchen tropischer Ameisen beseitigen Rivalen durch Auftragsmord
Ein älteres (dunkel) Ameisenmännchen der Art Cardiocondyla obscurior hält ein jüngeres (hell) Männchen im Kampf fest, um es mit einem Duftsoff zu markieren - damit ist der Tod des jüngeren Männchen bereits besiegelt

Die Männchen einer tropischen Ameisenart lassen jüngere Konkurrenten mithilfe einer perfiden Strategie beseitigen: Sie kämpfen nicht selbst, sondern beschmieren ihre Gegner mit einem Sekret. Dieser Duft bringt die Ameisen-Arbeiterinnen dazu, die markierten Jungmännchen innerhalb kurzer Zeit zu töten.

Das haben Forscher der Universität Regensburg und des Institute of Science and Technology (IST) im österreichischen Klosterneuburg herausgefunden. Am Ende bleibe pro Ameisennest meist nur noch eines dieser flügellosen Männchen übrig.

Jüngere Männchen dienen Ameisenlarven als Nahrung

Für das Ameisenvolk sei es aber dennoch biologisch sinnvoll, so viele Männchen zu produzieren, die ohnehin getötet werden, wie die Forscher im Fachmagazin "BMC Ecology" berichten. Denn sie dienten den Ameisenlarven als Nahrung und sorgten dafür, dass immer Ersatz für das dominierende Männchen vorhanden sei.

Bei den meisten Ameisenarten werben die Männchen friedlich um die Königinnen. Sie versuchen während des Hochzeitsflugs, als Erster das geflügelte Weibchen zu erreichen und sich mit diesem zu paaren.

Aggressive und friedfertige Männchen

Ein ganz anderes Bild zeigt sich dagegen bei der tropischen Ameisenart Cardiocondyla obscurior, wie Sylvia Cremer von der Universität Regensburg und ihre Kollegen berichten. Bei dieser Art gibt es zwei Typen von Männchen: friedfertige Exemplare mit Flügeln und aggressive, flügellose Männchen.

Die friedfertigen Männchen verlassen das Nest relativ schnell und greifen ihre Konkurrenten nicht an. Vor ihren flügellosen Geschlechtsgenossen schützen sie sich, indem sie einen Geruch absondern, der dem junger Königinnen ähnelt, wie die Forscher erklären.

Markierte Männchen werden binnen kurzer Zeit getötet

Unter den flügellosen Männchen herrscht dagegen gnadenlose Konkurrenz: "Sie patrouillieren durch das Nest und greifen junge Rivalen mit ihren verlängerten, sichelförmigen Kiefern an", schreiben die Wissenschaftler.

Die Mundwerkzeuge dieser Männchen seien allerdings nicht gut zum Beißen geeignet. Daher hielten sie ihre Gegner lediglich fest und beschmierten sie mit einer chemischen Substanz, die sie als feindlich markiert.

"Die eingeschmierten Männchen werden innerhalb von Minuten bis Stunden von den Arbeiterinnen getötet", berichten die Wissenschaftler. Am Ende sei immer nur ein flügelloses Männchen pro Nest übrig, das sich mit den schlüpfenden Jungköniginnen paare.

Dem Tod geweiht zum Wohle des Ameisenvolks

Nach Ansicht der Forscher sind die flügellosen Jungmännchen vermutlich den Königinnen zu unähnlich, um wie ihre geflügelten Geschlechtsgenossen den Trick mit der chemischen Tarnung nutzen zu können.

Das vermeintlich brutale Treiben erfülle in der Ameisenkolonie außerdem durchaus einen wichtigen Zweck: Indem die ungeschützten Männchen trotzdem gezeugt werden, sei sichergestellt, dass beim Tod des dominanten Männchens jederzeit ein Nachfolger vorhanden ist.

Zwar stirbt ein Großteil der flügellosen Männchen im Laufe der Konkurrenzkämpfe, davon aber profitiert wiederum der Stock als Ganzes, wie Cremer und ihre Kollegen erklären.

Denn die getöteten Männchen dienten gleichzeitig als Futter für die Larven. Die Kosten dieser artspezifischen Verhaltensstrategie blieben damit für die Gesamtkolonie überschaubar.

Für ihre Studie hatten die Forscher ein Ameisenvolk der in Brasilien heimischen Art Cardiocondyla obscurior im Labor gehalten. Sie beobachteten das Verhalten der verschiedenen Männchen und analysierten zusätzlich die Duftstoffe, die von ungeschlüpften Puppen sowie von jungen Männchen abgegeben wurden.

Auftragsmord erst nach dem Schlüpfen

Wie die Biologen dabei feststellten, verraten die jungen, flügellosen Männchen ihre Identität schon im Puppenstadium. Dennoch warten die aggressiven älteren Männchen bis zum Schlüpfen, ehe sie die Tötung der Jungtiere in Auftrag geben.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Männchen es nicht riskieren wollen, versehentlich eine Paarungspartnerin anstelle eines Konkurrenten zu beseitigen. Denn die chemischen Erkennungsmerkmale von Puppen seien schwieriger zuzuordnen als die Signale geschlüpfter Tiere, berichten die Wissenschaftler.

Quelle: dapd/oc
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Emmelie de Forest holt den Eurovision Song Contest nach Dänemark
01:11Malmö 2013
Eurovision Song Contest - Dänin vorn, Deutschland enttäuscht

Emmelie de Forest war die Favoritin der Buchmacher, nun kommt der Eurovision Song Contest tatsächlich nach Dänemark. Deutschland stürzt dagegen ab und landet mit Cascada auf Platz 21 von 26. mehr...


Madleen Borngräber leidet an einer seltenen Krankheit
18.05.13Krebs-Gen wie Angelina Jolie
Warum sich eine Berliner Studentin die Brüste amputieren ließ

Madleen Borngräber (25) trägt das Krebs-Gen in sich. Deshalb ließ sie sich vorsorglich die Brüste entfernen. Genau wie Schauspielerin Angelina Jolie, die vor kurzem damit an die Öffentlichkeit ging. mehr...


Tod im Badeparadies: Ein 15-Jähriger starb in „Tropical Island“
18.05.13Badeunfall
15-Jähriger stirbt beim Baden im Freizeitparadies "Tropical Islands"

Im Freizeitbad "Tropical Islands" ist ein Jugendlicher leblos im Wasser gefunden worden. Der Junge wurde noch in eine Klinik gebracht. Doch alle Versuche, ihn wiederzubeleben, scheiterten. mehr...

Hertha BSC
18.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonntag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonntag, den 19. Mai. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. PanoramaLive-TickerDer Countdown zum Song Contest in Malmö beginnt
  2. 2. Eurovison Grand PrixESC-PunktevergabeNetz überschüttet Lena mit Spott für Versprecher
  3. 3. Eurovison Grand PrixESC-FinaleCascadas Debakel hat nichts mit dem Euro zu tun
  4. 4. KommentareBundesliga-FinaleDrama pur – ein würdiger Schlussakt der Saison
  5. 5. DeutschlandKanzlerin beim PapstFranziskus nimmt sich extra viel Zeit für Merkel
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote