13.06.12

Stimmen zum 2:1-Sieg

"Holland war in der 60. Minute körperlich tot"

Von Joachim Löw gibt's ein Sonderlob für Mario Gomez. Bert van Marwijk hadert mit Arjen Robben. Mark van Bommel versteht seine Auswechslung. Die Reaktionen zum Sieg der Deutschen über die Niederlande

Foto: DPA

Mario Gomez erzielt in der 24. Minute die Führung für Deutschland ...

50 Bilder

Bundestrainer Joachim Löw: "Die Temperaturen waren extrem. Das Spiel war hart umkämpft und sehr intensiv. Es gab Phasen im Spiel, in denen beiden Mannschaften die Dynamik fehlte. Wir wollten heute den zweiten Schritt im Turnier machen, nachdem wir zuletzt das zweite Spiel immer verloren hatten. Jetzt haben wir das Tor zum Viertelfinale schon relativ weit aufgestoßen. Khedira und Schweinsteiger waren im zentralen Bereich unglaublich stark. Bastian Schweinsteiger wird mit jedem Spiel besser und hat immer mehr Präsenz. Er ist körperlich stark und gewinnt viele Zweikämpfe. Der Gruppensieg wäre wichtig, weil wir dann in Danzig bleiben können. Das wäre wahrscheinlich ein Vorteil im Viertelfinale. Holland hatte wenige Einfälle, das ist unserer Defensive zu verdanken. Ich hatte das Gefühl, Holland war in der 60. Minute körperlich tot. Wir waren schon ein verdienter Sieger." Doppeltorschütze Gomez bekam ein ganz spezielles Lob: "Mario ist schon immer ein Kämpfertyp. Er hat auch schon am Boden gelegen, sich aber immer wieder selbst aufgerichtet. Die Tore hat er klasse gemacht, die tun ihm gut."

Kapitän Philipp Lahm: "Wir haben den zweiten Sieg geschafft, über eine Stunde sehr guten Fußball gespielt und auch defensiv sehr gut gearbeitet. Dann haben die Niederländer gezeigt, dass sie auch gut Fußball spielen können, und wir konnten die Konter nicht so gut ausfahren. Die Tore von Mario waren weltklasse. Wir wissen, was wir an ihm haben. Die EM ist noch nicht zu Ende, Mario hat noch viel vor."

Mario Gomez: "Unglaublich, die Zeit verging nicht. Die Uhr ist stehengeblieben. Das ist von draußen nervenaufreibend. Holland ist noch einmal nach vorn gegangen. Wir haben gegen zwei klasse Gegner gespielt, haben jetzt sechs Punkte – was willst du mehr. Ich hatte Druck ohne Ende und bin froh, dass ich der Mannschaft mit den zwei Treffern helfen konnte. Ich mache gegen Portugal das einzige Tor und bekomme hinterher drei Tage nur auf die Fresse. Aber der Trainer hat gesagt, dass er zufrieden mit mir war. Es ist noch ein weiter Weg bis zum Finale."

Jerome Boateng: "In der zweiten Halbzeit haben wir zu wenig getan fürs Spiel. Dadurch haben wir noch einmal ein Tor bekommen, und dann wird's noch einmal eng. Zum Glück haben wir es noch einmal über die Zeit gerettet. Wir sind jetzt erstmal glücklich, dass wir gewonnen haben. Aber ich denke, da ist noch viel, viel zu arbeiten. Die Gelbe Karte und die Sperre für das letzte Vorrundenspiel kann ich nicht mehr ändern."

Bastian Schweinsteiger: "Wir sind froh, gewonnen zu haben. Es war nicht einfach, wir mussten viel tun. Gegen Portugal hat unsere Offensive nicht so gut funktioniert. Heute ergaben sich Räume nach vorn, die habe auch ich genutzt. Jeder Sieg gibt einen Schub, die Stimmung in der Mannschaft ist besser. Wir wollen auch gegen Dänemark gewinnen."

Mats Hummels: "Das ist großartig. Ich bin das erste Mal dabei, spiele gegen solche Kaliber – und wir gewinnen. Aber es ist noch nichts erreicht, noch nicht einmal das Viertelfinale gebucht. Noch ist nichts gewonnen."

Manuel Neuer: "Dass es noch einmal so eng wird, damit haben wir nicht gerechnet. Partystimmung war in der Kabine noch nicht."

Bert van Marwijk (Trainer Niederlande): "In den ersten 20 Minuten haben wir gut gespielt. Wir sind natürlich sehr enttäuscht, dass wir verloren haben. Wir haben gut angefangen, aber dann hat Deutschland ein Tor aus dem Nichts gemacht. Heute waren wir einfach nicht stark genug, wir haben nicht genug gezeigt. Deutschland hat eine sehr gute Mannschaft. Wir hatten auf ein Unentschieden oder einen Sieg gehofft. Van Persie und Huntelaar haben gut gespielt, aber von der Seite mit Afellay und Robben kam nichts. Wenn die beiden stark gewesen wären, hätten es die Deutschen schwerer gehabt. Die Situation ist immer noch so, dass wir eine Chance aufs Weiterkommen haben. Wir müssen nur mit zwei Toren Unterschied gegen Portugal gewinnen. Ich glaube nicht, dass Deutschland sich gegen Dänemark hängen lässt."

Mark van Bommel (Kapitän Niederlande): "Das hatten wir uns natürlich anders vorgestellt, aber wir sind noch nicht weg. Wir haben gut begonnen und hatten die ersten Chancen. Danach haben wir aber den Rhythmus verloren. Ich selbst hab' nicht gut gespielt, da muss man die Entscheidung des Trainers akzeptieren, wenn er mich rausnimmt."

Rafael van der Vaart: "Ich denke, dass Deutschland eine sehr starke Mannschaft ist. Sie hatten drei Chancen und haben zwei Tore geschossen, sehr schöne Tore. Das war hart für uns. Wir haben immer noch eine Chance. Aber es ist ein langer Weg, an den man glauben muss."

Alle Spieler in der Einzelkritik

DEUTSCHLAND

 

Manuel Neuer:

Der Münchner war ein guter Rückhalt. In der ersten Hälfte reagierte er zweimal glänzend gegen Robin van Persie und Arjen Robben. Beim Gegentor machtlos. Note: 2

 

Jerome Boateng: Nach seinem starken Auftritt gegen Cristiano Ronaldo fiel er diesmal nicht so auf. Aber dafür hatte er Ibrahim Afellay gut im Griff und im zweiten Durchgang auch Arjen Robben, der immer öfter über seine Seite kam. Warf sich in der 72. Minute heldenhaft in einen Schuss von Wesley Sneijder. Ist nach seiner zweiten Gelben Karte im Turnier gegen Dänemark gesperrt. Note: 3

Mats Hummels:

Nachdem der Dortmunder zu Beginn der Partie ein paar Abstimmungsprobleme mit Badstuber hatte, kam er immer besser ins Spiel. Er klärte resolut, wenn es galt, dazwischen zu gehen. Wenn sich die Möglichkeit bot, schaltete er sich auch in das Angriffsspiel mit ein. Note: 2

 

Holger Badstuber:

Deutschlands neuer Abwehrchef strahlte wie Kapitän Lahm eine unheimliche Ruhe aus. Er hatte Verteidigung im Zusammenspiel mit Hummels im Griff. Allerdings verpasste er die Chance zum 2:0, als er in der 37. Minute freistehend mit einem Kopfball scheiterte. Außerdem rückte er vor dem 1:2 von Robin van Persie zu spät raus. Note: 3

Philipp Lahm:

Der Kapitän machte hinten rechts einen guten Job. Er stand seinem Münchner Kollegen Arjen Robben von Beginn auf den Füßen. Er attackierte ihn immer wieder und strahlte im Spiel der deutschen Elf insgesamt Ruhe aus. Allerdings baute er in der zweiten Hälfte etwas ab. Note: 3

 

Sami Khedira

Der defensive Mittelfeldspieler machte ein gutes Spiel. Während sich Bastian Schweinsteiger neben ihm mehr um das Spiel nach vorn kümmerte, war Khedira bemüht, die Angriffe der Niederländer zu unterbinden. Stark im Stellungsspiel und im Zweikampf. Note: 3

Bastian Schweinsteiger:

"Der emotionale Leader" – so bezeichnet ihn der Bundestrainer – benötigte etwas Anlaufzeit und in der 20. Minute dann auch ein neues Paar Schuhe, ehe er in Fahrt kam und im Offensivspiel das Kommando übernahm. Er war präsent, forderte den Ball und legte diesen zweimal perfekt zu den Toren von Gomez auf. Eine deutliche Steigerung zum Spiel gegen Portugal, in dem er kaum zu sehen war. Note: 2

 

Thomas Müller:

Wie sein Gegenüber auf links (Lukas Podolski) war auch er offensiv nicht so präsent, arbeitete dafür aber ebenso gut mit nach hinten. Von ihm ging das 1:0 aus, da er den Ball zu Bastian Schweinsteiger passte, bevor dieser ihn zu Gomez spielte. Note: 3

Mesut Özil:

Der Spielgestalter war zwar nicht an den beiden Treffern von Gomez beteiligt, und doch machte er ein klar besseres Spiel als gegen Portugal. Er war viel aktiver und hatte großen Anteil daran, dass die deutsche Elf diesmal viel mehr Tempo im Spiel nach vorn hatte. Deutliche Steigerung in der zweiten Hälfte. Note: 2

 

Lukas Podolski:

Noch ein Länderspiel, und der Mittelfeldspieler hat die 100 voll. Auch wenn er offensiv nicht so viele Akzente setzen konnte, machte er ein gutes Spiel. Denn Podolski arbeitete gut nach hinten und versuchte immer wieder in Zweikämpfen den Ball zu erobern. Note: 3

Mario Gomez:

Da sage noch einer, mit ihm könne nicht gut kombiniert werden. Da köpft er im ersten Spiel aus dem Nichts heraus das 1:0 – nun bekommt Gomez mit dem Rücken zum Tor den Ball, dreht sich um 180 Grad und trifft ins Eck. Kurz vor der Halbzeit erzielt er mit einem Rechtsschuss noch sein zweites Tor. Perfekte Ausbeute für "Super Mario". Note: 1

 

Miroslav Klose (72. für Gomez):

Hatte kurz vor Schluss noch eine Chance zum 3:1, die er vergab.

 

Toni Kroos (82. für Özil):

Half noch acht Minuten mit, den Sieg zu sichern – wie auch Lars Bender, der in der 86. Minute für Müller kam.

NIEDERLANDE:

 

Maarten Stekelenburg:

Er hatte Glück, als ihm in der 8. Minute der Pfostenknaller von Mesut Özil in die Arme sprang. Beim 0:1 ohne Chance, reagierte er kurz danach stark gegen den freistehenden Badstuber. Sah beim Kunstschuss von Gomez zum 0:2 etwas unglücklich aus, verhinderte aber mit weiteren guten Taten die frühzeitige Entscheidung. Note: 3

 

John Heitinga:

Leitete mit einem hübschen Pass auf van Persie die erste Offensivaktion ein und versuchte es mit hohen Diagonalpässen in die Spitze. Körperlich präsent, konnte er die Gegentore aber auch nicht verhindern. Note: 4

Joris Mathijsen:

Rückte nach auskurierter Verletzung an Stelle von Ron Vlaar in die Innenverteidigung. Verlor beim zweiten Gegentreffer Gomez aus den Augen und konnte, anders als in seiner Zeit beim Hamburger SV, auch vorn nach Standardsituationen nichts ausrichten. Note: 4

 

Jetro Willems:

Der jüngste EM-Spieler der Geschichte begann souverän und schaltete sich in der ersten Viertelstunde auch in die Offensive ein. Ließ sich dann auf seiner linken Seite das ein oder andere Mal von Thomas Müller überlaufen. Note: 4

Gregory van der Wiel:

Beim ersten Tor von Mario Gomez war er es, der das Abseits aufhob, da konnte Kollege Mathijsen fluchen, fuchteln und winken, wie er wollte. Ließ Podolski und Lahm auf seiner rechten Seite immer wieder gewähren. Note: 5

 

Mark van Bommel:

Verschleppte in der Anfangsphase einige Bälle, versuchte aber wenigstens, das gegen Dänemark noch so zementierte defensive Mittelfeld nach vorn aufzubrechen. War dann bei Schweinsteigers Pass vor dem 0:1 hinten nicht ausreichend präsent. Ließ seinem Frust bei einem Ellenbogencheck gegen Mesut Özil raus. Nicht wirklich schlimm, aber auch nicht gerade fair. Irgendwie van Bommel eben. Note: 5

Nigel de Jong:

De Jong auf Heitinga, Heitinga auf Mathijsen, zurück auf de Jong. Gewann in der Defensive einige Zweikämpfe, doch nach vorn ging rein gar nichts. Sah nach einem Foul gegen Philipp Lahm zu Recht die Gelbe Karte. Note: 5

 

Ibrahim Affelay:

Drang zu Beginn von seiner linken Seite immer wieder in den deutschen Strafraum ein, doch keines seiner Zuspiele fand den Mitspieler. Hat sein Potential bei dieser EM bisher nicht annähernd ausgeschöpft. Musste zur Halbzeit raus. Note: 5

Wesley Sneijder:

Übernahm gleich zu Beginn die Verantwortung, war Dreh- und Angelpunkt der niederländischen Offensive. Baute dann rabiat ab, viele seiner Pässe landeten im Nichts. Seine Standards? Ein Ärgernis. Wurde immer wütender, diskutierte permanent mit dem Schiedsrichter und schoss obendrein Jerome Boateng nieder. Note: 4

 

Arjen Robben:

Nach 20 Minuten musste er Mann mit blutender Platzwunde am Kopf behandelt werden. Versuchte es ein paar Minuten mit dem klassischen Von-rechts-in-die-Mitte-und-mit-links-abschließen-Trick. Vergeblich, den kannte Manuel Neuer schon. Brachte danach kaum noch was zustande. Stapfte nach seiner Auswechslung frustriert vom Platz. Note: 5

Robin van Persie:

Machte zunächst da weiter, wo er gegen Dänemark aufgehört hatte. Hatte seine erste Großchance in der 7. Minute, eine weitere nach einer Viertelstunde. Als alle dachten, er habe seine Torgefährlichkeit wohl tatsächlich auf der Insel gelassen, traf er durch die Beine von Badstuber zum Anschlusstreffer. Mehr aber auch nicht. Note: 4

 

Rafael van der Vaart:

Fühlte sich wegen seiner Nichtberücksichtigung laut eigener Aussage "wie ein junger Hund, den man in seinem Käfig einsperrt". Wurde nach der Halbzeit von der Leine gelassen. Rackerte, ackerte und machte, blieb aber harmlos wie ein Welpe. Note: 4

Klaas-Jan Huntelaar:

Kam ebenfalls nach der Pause. Im Strafraumgetümmel ohne Wirkung. Fiel durch einen unnötigen Schlag in den Nacken von Schweinsteiger auf. Note: 5

 

Dirk Kuyt:

Kam in der 83. Minute für Robben, konnte nichts mehr bewirken. Keine Note

Quelle: dpa/sid/dapd/jr
Quelle: Reuters
14.06.2012 1:33 min.
Mit 2:1 hat die deutsche Fußballnationalmannschaft den Klassiker gegen die Niederländer gewonnen. In Berlin feierten Hunderttausende auf der Fanmeile den Sieg gegen den Rivalen aus dem Nachbarland.
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Hochleistungssport Poledance ist mehr als ein sexy Stangentanz
Niederlande Vogelgrippe befällt weiteren Geflügelhof
Brennende Strohlager Dieser Landwirt wird von Brandstiftern gequält
Schauspielkarriere Angelina Jolie bald weg von der Leinwand?
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Österreich

Die Hängeseilbrücke "highline179"

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote