31.05.12

Syrien

Friedensplan vor Scheitern – USA erwägen Alternativen

Der Weltsicherheitsrat befürchtet einen Bürgerkrieg. Der Friedensplan wirkt offenbar nicht. Selbst Annan sieht Syrien "am Scheideweg"

Quelle: Reuters
31.05.12 1:03 min.
Auflagen wurden ignoriert, ein Ende der Gewalt in Syrien scheint nicht absehbar. Falls der Konflikt eskaliert, bringen die USA auch ein Eingreifen ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrates ins Spiel.

Vor dem Hintergrund andauernder Gewalt in Syrien wächst international die Sorge vor einem Abgleiten des Landes in einen offenen Bürgerkrieg. Die USA warnten vor einem möglichen Scheitern des Friedensplans des UN-Sondergesandten Kofi Annan und brachten Schritte außerhalb der Vereinten Nationen ins Spiel. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Syrien am Donnerstag auf, seine Angriffe einzustellen. Syrische Regierungstruppen nahmen unterdessen nach Angaben von Aktivisten erneut den Bezirk Hula unter Feuer.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, sagte, das derzeit wahrscheinlichste Szenario sei, dass die Regierung in Damaskus bei der Umsetzung des Annan-Plans scheitere und der Konflikt in Syrien eine "massive Krise" in der ganzen Region auslöse. Im schlechtesten Fall bliebe "den Mitgliedern des Sicherheitsrats und der internationalen Gemeinschaft nur die Option zu überlegen, ob sie darauf vorbereitet sind, außerhalb des Annan-Plans und der Autorität des Sicherheitsrats tätig zu werden", sagte Rice am Mittwoch in New York.

Dass der syrische Präsident Baschar Assad den Friedensplan sofort umsetze, sei das beste Szenario, aber "höchst unwahrscheinlich", sagte Rice. Sollte sich die Regierung in Damaskus der Zusammenarbeit weiterhin verweigern, müsse der UN-Sicherheitsrat den Druck auf Syrien erhöhen.

Annan sieht Syrien "am Scheideweg"

Der Weltsicherheitsrat befürchtet mittlerweile einen Bürgerkrieg im Land und sucht nach Wegen aus dem festgefahrenen Konflikt. Man stehe "am Scheideweg", sagte Annan in Damaskus. "Ich denke, der Sicherheitsrat ist sich einig, dass ein Abrutschen Syriens in einen ausgewachsenen Bürgerkrieg katastrophal wäre", sagte Annans Stellvertreter Jean-Marie Guehenno am Mittwoch. "Der Sicherheitsrat muss nun eine strategische Diskussion führen, wie das vermieden werden kann."

US-Präsident Barack Obama hatte am Mittwoch erneut mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem französischen Präsidenten François Hollande und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti über die Lage in Syrien gesprochen. Der britische Botschafter bei den UN, Mark Lyall Grant, sagte, das Wichtigste sei nun Einigkeit im Sicherheitsrat.

Russland will seine Haltung zu Syrien allerdings vorerst nicht ändern. "Unsere Einstellung zu Sanktionen ist offen gesagt weiterhin negativ", sagte der russische Botschafter bei den UN, Witali Tschurkin. Moskau verwahrte sich auch gegen internationale Forderungen nach einer kritischeren Haltung gegenüber Damaskus. Unter Druck aus dem Ausland könne es keine Gespräche über Russlands Einstellung in der Syrien-Frage geben, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Mittwoch laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ITAR-Tass.

Russland ist einer der letzten verbliebenen Verbündeten Syriens. Gemeinsam mit China legte Russland zwei Mal sein Veto gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates ein. Umgekehrt ist Syrien der letzte verbliebene Partner Russlands in der Region. Am Freitag wird Putin zu Gesprächen nach Berlin und Paris reisen, in denen es auch um die Syrien-Politik gehen soll.

Syrische Soldaten greifen Hula an

Bei dem Beschuss von Hula seien am Donnerstag meist schwere Maschinengewehre eingesetzt worden, erklärten das Syrische Observatorium für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees. Beide Gruppen teilten mit, ein junger Mann sei in Hula von einem Heckenschützen getötet worden. In Hula waren in der vergangenen Woche mehr als 100 Menschen getötet worden.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad forderte, die für das Massaker Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. In einem Interview des Fernsehsenders France 24 sagte er am Mittwoch, es erscheine ihm kaum vorstellbar, dass eine Regierung ihre eigenen Bürger töte, er schließe dies aber auch nicht aus. Iran gilt als enger Verbündeter Syriens.

Syrische Konsul in USA sagt sich von Assad los

In den USA trat unterdessen der syrische Honorarkonsul in Kalifornien, Hazem Chehabi, aus Protest gegen das Massaker in Hula von seinem Posten zurück und sagte sich von der Regierung in Damaskus los. Das berichtete die Zeitung "Los Angeles Times" am Mittwoch. Chehabi war einer der ranghöchsten syrischen Diplomaten in den USA und ist der erste, der der Regierung von Präsident Assad die Gefolgschaft aufkündigt.

Die US-Senatoren John McCain und Joseph Lieberman forderten ein stärkeres Engagement ihres Landes für ein Ende des Blutvergießens in Syrien. Es sei peinlich, dass die USA bislang keine entschlosseneren Schritte unternommen hätten, um den Menschen in Syrien zu helfen, sagte der Republikaner McCain. Gemeinsam mit dem unabhängigen Politiker Lieberman bekräftigte er während eines Besuchs in Malaysia, dass die USA die Ausrüstung der syrischen Opposition mit Waffen unterstützen sollten.

Quelle: dapd/AFP/ap
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Bei den Lohnverhandlungen gab es eine Einigung bei den BVG
12:58Lohnverhandlungen
BVG zahlt höhere Löhne - Streikgefahr abgewendet

In den festgefahrenen Tarifverhandlungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben gab es einen Kompromiss. Die Löhne sollen in drei Schritten bis 2015 erhöht werden. mehr...

Rechtsanspruch: Bis 2017 müssen insgesamt 11.000 Betreuungsplätze geschaffen werden
09:47Erfolgloses Konzept
"Ein-Euro"-Kitas werden wieder abgeschafft

Viele Berliner Kitas müssen dringend saniert werden, den Bezirken fehlt jedoch das Geld. Das zur Lösung des Problems geplante Ein-Euro-Programm wird nun beendet - der Senat hält es für gescheitert. mehr...


Rocket-Internet-Geschäftsführer Alexander Kudlich in der Firmenzentrale in Mitte
13:32Rocket Internet
100 Millionen Dollar für Expansion von Zalando-Klon Zalora

Der von Rocket Internet nach dem Zalando-Vorbild in Südostasien gegründete Modeversender Zalora geht auf Expansionskurs. Finanziert von Kinnevik, Summit Partners und Tengelmann. mehr...


Maskierte Polizisten durchsuchen wegen des Verdachts der Bildung einer linksextremistischen Vereinigung ein Haus in Magdeburg
Aktualisiert vor 55 MinutenKriminalität
Hausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Linksextremisten

In Berlin und Magdeburg hat die Polizei Objekte von mutmaßlichen Linksextremisten durchsucht. Dabei soll es sich um eine Gruppe handeln, die mehrere Sprengstoffanschläge in Berlin verübt. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
Iran Rafsandschani darf bei Wahl nicht antreten
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandParteijubiläumDie SPD hat den Glauben an eine bessere Welt verloren
  2. 2. WirtschaftManagergehälterDeutsche-Bank-Chefs sollen Boni zurückzahlen
  3. 3. AuslandSyrienBND rechnet mit Vormarsch von Assads Truppen
  4. 4. DeutschlandPartei im ZwielichtDie Grünen waren ein „Honigtopf“ für Päderasten
  5. 5. WeltraumAsteroiden-AlarmDie Erde rüstet sich gegen das Armageddon
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote