28.05.12

Nationalmannschaft

Löw lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Die Verantwortlichen des Nationalteams haben mehrmals den Beweis erbracht, dass sie einen Plan haben. Selbst bei Rückschlägen weichen Bundestrainer Löw und seine Assistenten nicht von ihrem Weg an.

Von Lars Gartenschläger
Foto: Foto Huebner
Practise Game, Schweiz - Deutschland
Die deutschen Ersatzspieler vor dem Testspiel gegen die Schweiz

Es war ein besonderer Moment, als die deutschen Nationalspieler am Montagnachmittag den Trainingsplatz betraten. Nach 17 Tagen Vorbereitung auf die EM in Polen und der Ukraine trainierten erstmals die Spieler des FC Bayern mit. Sie waren am Sonntag zu ihren Kollegen gestoßen, die am Tag zuvor in Basel gegen die Schweiz 3:5 verloren hatten.

Auch wenn der Aufschrei nach der Niederlage groß war, weil es nur noch elf Tage bis zum ersten Vorrundenspiel gegen Portugal sind, sagte Bundestrainer Joachim Löw, dass er sich nicht groß sorge: "Ich weiß, dass wir uns in der nächsten und übernächsten Woche eindeutig verbessern werden. Wir werden schon richtig in die Spur kommen."

Fester Glaube an die Mannschaft

Seine Kritiker mögen ihm das als übersteigerten Optimismus auslegen, doch es ist Löws fester Glaube an die Stärke seiner Mannschaft, der ihn trotz des Rückschlags in Basel nicht in Panik verfallen lässt. Wohl wissend, dass die Mannschaft immer gut war, wenn es darauf ankam. Zudem existiert bei Löw ein Grundvertrauen in jeden einzelnen Spieler, von denen einige erfahrene wie Philipp Lahm, Per Mertesacker, Lukas Podolski, Miroslav Klose oder Bastian Schweinsteiger schon seit Jahren mit Löw zusammenarbeiten. Dazu kommt die individuelle Qualität, die sich durch viele aufstrebende junge Spieler im Nationalteam verbessert hat. Die Vertreter dieser Generation sind laut Löw "ehrgeizig und zielorientiert".

Deshalb hat er auch die Qual der Wahl, wenn er vier Spielern mitteilen muss, dass sie nicht mit zur EM fahren können. Die personelle Ausgangslage hat sich im Vergleich zur Vergangenheit zum Positiven geändert. "Es ist schon Wahnsinn, was wir mittlerweile in der deutschen Nationalmannschaft für starke Waffen in der Hinterhand haben", sagt Stürmer Miroslav Klose.

Und genau das ist wohl auch der elementare Punkt in Bezug auf die größere Zuversicht der deutschen Fußballanhänger. Der Pessimismus der vergangenen Jahre ist quasi verflogen. Die Nation lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen. Sie hat registriert, dass eine homogene Mannschaft auf dem Platz steht, wenn es darauf ankommt. Das hat die ohne Punktverlust abgeschlossene EM-Qualifikation bewiesen.

Nicht vom Weg abweichen

Da ist ein Team, das modern spielt und durch individuelle Qualität in der Lage ist, sich bei Turnieren gegen Topkonkurrenten zu behaupten. Und zu alledem haben die Verantwortlichen des Nationalteams mehrmals den Beweis erbracht, dass sie einen Plan haben. Selbst bei Rückschlägen weichen Löw und seine Assistenten nicht von ihrem Weg ab, sondern verfolgen konsequent ihr Ziel. Das schafft Vertrauen.

2010 war Löw zwar geschockt, als im Vorfeld der WM in Südafrika in Rene Adler erst die Nummer eins im deutschen Tor verletzt ausfiel und dann auch noch Kapitän Michael Ballack seine Teilnahme wegen eines Knöchelbruchs absagen musste. Doch während Deutschland kaum Hoffnungen in die junge Mannschaft setzte und die ARD sogar einen "Brennpunkt" zur Lage der Fußballnation sendete, blieb der Bundestrainer gelassen. Und so hart es auch klingen mag: Am Ende des Turniers gab es sogar das Gefühl, als sei der Ausfall des Alphaspielers Ballack ein Segen für die Mannschaft gewesen. Sie hatte sich während des Turniers von ihm emanzipiert und nicht nur die eigenen Anhänger mit schnellem Offensivfußball begeistert.

Nur das Ergebnis beim Turnier zählt

Bundestrainer Löw verweist immer darauf, dass seine Arbeit mit den Spielern bis ins letzte Detail durchgeplant ist und am Ende einzig und allein das zählt, was bei einem Turnier herausspringt. Schon zu Beginn des Jahres wusste er zu berichten, was und wie viel an welchem Tag in der Vorbereitung auf die EM trainiert wird. Als die Spieler ins erste Trainingslager nach Sardinien kamen, bekam jeder ein Handout, in dem detailliert aufgeführt war, was ihn in der Vorbereitung erwartet.

Dass es nun noch viel zu tun gibt, weiß er spätestens seit der Niederlage gegen die Schweiz. Natürlich ist er danach nicht zur Tagesordnung übergangen. Er hat den Besuch beim Formel-1-Grand-Prix in Monaco abgesagt und das Spiel analysiert. Löw war verärgert über individuelle Fehler und das Defensivverhalten der Mannschaft. Das spürte auch der Fernsehzuschauer, als er nach dem Spiel bei ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein Rede und Antwort stehen musste. Allerdings ist ihm auch anzumerken, dass er trotz des verlorenen Tests keinen Grund dafür sah, deshalb nun irgendetwas in Frage zu stellen.

Klinsmann beklagte "negative Aggressivität"

Er weiß selbst, dass er natürlich nie vorhersehen kann, ob die Dinge so eintreten, wie er es sich wünscht. Aber schon bei der Heim-WM 2006 war es ihm mit seinem ehemaligen Chef Jürgen Klinsmann gelungen, die Kritiker eines Besseren zu belehren. Damals hatte die deutsche Elf im Vorfeld in Italien 1:4 verloren. Die Angst vor einer WM-Blamage war so groß, dass er um seinen Job fürchten musste, hätte er den letzten Test gegen die USA auch vergeigt. Deutschland siegte 4:1. Danach kritisierte Klinsmann die "negative Aggressivität" in den deutschen Medien und verwies darauf, dass er einen Plan verfolge und einzig die WM zähle. Bei der stürmte sein Team dann bis ins Halbfinale.

Wie weit es bei der EM geht, bleibt abzuwarten. Ziel ist der Titelgewinn. Für Löw hat daran auch das Spiel in Basel nichts geändert.

Foto: dapd

Herzlich Willkommen im "Dwór Oliwski", dem Hotel in Danzig, in dem die deutsche Nationalmannschaft bei der EM 2012 absteigen wird.

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