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27.05.12Deutscher EM-Kader
So stehen die Chancen von Löws Wackelkandidaten
Am Dienstag muss Bundestrainer Joachim Löw seinen endgültigen EM-Kader nominieren und noch vier Spieler streichen. "Berliner Morgenpost" beleuchtet die Chancen der acht Wackelkandidaten.
Foto: Getty
Beim Länderspiel in der Schweiz ...
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Fußball-Bundestrainer Joachim Löw muss am Dienstag seinen endgültigen Kader für die EM-Endrunde in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) benennen. 23 Spieler erhalten ein EM-Ticket, vier Profis muss Löw aus dem EM-Trainingslager in Südfrankreich nach Hause schicken. Dabei wird es einen Torwart und drei Feldspieler treffen. Nach der schwachen Leistung beim 3:5 (1:2) im vorletzten EM-Test in der Schweiz stehen zwar Fragezeichen hinter zahlreichen Spielern, letztendlich dürften aber nur acht Profis um ihre EM-Teilnahme bangen. Die Wackelkandidaten im Überblick:
TOR
Marc-Andre ter Stegen: Der Torwart von Bundesligist Borussia Mönchengladbach zeigte in den vergangenen Wochen überragende Leistungen im Training. Beim Spiel in der Schweiz kassierte der 20-Jährige allerdings fünf Tore. Obwohl ter Stegen nur einen Gegentreffer komplett auf seine Kappe nehmen musste, waren es die meisten Gegentore für einen Torwart-Debütanten seit 1954.
Ron-Robert Zieler: Der Torhüter zeigte während der beiden EM-Trainingslager solide Leistungen. Obwohl ter Stegen das größere Talent an den Tag legt, könnte der Keeper von Bundesligist Hannover 96 davon profitieren, dass der Gladbacher in der Schweiz fünfmal hinter sich greifen musste.
Tipp: Trotz des verpatzten Debüts gegen die Schweiz geht die Tendenz klar gegen Zieler und für ter Stegen.
ABWEHR
Marcel Schmelzer: Für den Double-Gewinner von Borussia Dortmund spricht, dass es einen Ersatz für Kapitän Philipp Lahm geben muss, weil alle Positionen doppelt besetzt werden sollen. Es spielt also noch nicht einmal eine große Rolle, ob Lahm links oder rechts in der Viererkette spielt. Gegen Schmelzer spricht, dass er fast nie in der Nationalmannschaft überzeugen konnte. gegen die Schweiz war der Dortmunder zum wiederholten Mal ganz schwach.
Tipp: Schmelzer wird wohl am Ende vom Mangel auf den Außenpositionen und knapp in den Kader rutschen.
MITTELFELD
Lars Bender: Der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen steht in direkter Konkurrenz zu seinem Zwillingsbruder Sven von Double-Gewinner Borussia Dortmund und Ilkay Gündogan. Da um die beiden Position im defensiven Mittelfeld allerdings bereits Bastian Schweinstieger, Sami Khedira und Toni Kroos kämpfen, hat Löw dort ein Überangebot.
Sven Bender: Für den Dortmunder gilt dasselbe wie für seinen Bruder. Sven zeigte solide Leistungen im Trainingslager, fiel keineswegs ab. Auch wenn die beiden 23 Jahre alten Bender-Zwillinge ausgemustert werden sollten, werden sie zukünftig sicher dem Nationalteam angehören. Beide Benders wurden von Löw aber schon als Alternativen für die Außenbahnen in der Viererkette genannt, was ihre Chancen steigern könnte.
Ilkay Gündogan: Der Dortmunder, der in der Rückrunde der abgelaufenen Bundesliga-Saison starke Leistungen zeigte, dürfte dennoch bessere Karten als die Bender-Zwillinge halten. Der 21-Jährige überzeugte mit guten Leistungen im Trainingslager, gegen die Schweiz konnte Gündogan aber auch nicht punkten.
Julian Draxler: Der Schalker Jungstar, der gegen die Schweiz in der zweiten Hälfte sein Debüt feierte, dürfte ein Opfer seiner Jugend werden. Der 18-Jährige zeigte in den Trainingslagern Ansätze, hat aber noch körperliche Defizite.
Tipp: Draxler schafft es nicht in den endgültigen EM-Kader, Löw vergibt ein Ticket an Lars Bender, Sven Bender oder Gündogan.
ANGRIFF
Cacau: Der gebürtige Brasilianer, der in der Bundesliga-Rückrunde bei seinem Verein VfB Stuttgart nicht über die Rolle des Edelreservisten hinausgekommen war, zeigte solide Trainingsleistungen. Für seine Ausmusterung spricht allerdings die Vielseitigkeit von Marco Reus. Da der Noch-Gladbacher alle Positionen im Angriff spielen kann, wäre Cacau hinter Reus, Miroslav Klose und Mario Gomez nur Stürmer Nummer vier. Reus war gegen die Schweiz der einzige Lichtblick im deutschen Team.
Tipp: Cacau fährt mit zur EM. Er ist einer von Löws Lieblingsspielern, der im Nationalteam immer Leistung brachte. Ruhig, erfahren, und machten kein Stress, wenn er auf der Bank sitzt.
Marc-Andre ter Stegen:
Da seine Vorderleute offenbar noch nichts von Eren Derdiyok gehört hatten und dem Schweizer Stürmer von Bayer Leverkusen einen Durchfahrtschein ausstellten, war der Debütant in der ersten Halbzeit komplett auf verlorenem Posten und bei den ersten drei Gegentreffern chancenlos. Beim vierten segelte er kapital am Ball vorbei, danach schwer verunsichert.
Note: 5
Marcel Schmelzer:
Nichts wünscht sich Joachim Löw derzeit sehnlicher als einen zweiten Philipp Lahm, damit beide Außenpositionen der Abwehrkette gleichsam stark besetzt sind. Schmelzer spielte gegen die Schweiz zwar lahm, ist aber kein Lahm. Defensiv überfordert, offensiv zu wenig begabt. Löw muss weitersuchen – oder Lahm klonen.
Note: 6
Mats Hummels:
Der wohl beste Innenverteidiger der abgelaufenen Saison hat ein Problem: Der Bundestrainer steht nicht auf sein Spiel, das auf einem langen Passspiel aufbaut. Da der Dortmunder in Basel zudem mit Nebenmann Mertesacker harmonierte wie Katze und Hund, wird sich Löw auch hier etwas ausdenken müssen. Immerhin hat er mit Jerome Boateng und Holger Badstuber ein eingespieltes Duo, das am Samstag noch geschont wurde. Hummels Kopfball zum ersten deutschen Treffer war sehenswert.
Note: 5
Per Mertesacker:
Nach langer Verletzung wieder voll im Training. Doch Training ist Training, und Spiel ist Spiel. Und bevor das hier zu rehhagelesk wird: Nur in Spielen kommt jene Abstimmung mit den Defensivkollegen, die für erfolgreiches Verteidigen unerlässlich ist. Mertesacker hat nun noch ein Spiel Zeit, Löw zu überzeugen, dass er doch wieder der Alte ist. Sonst: Bank.
Note: 6
Benedikt Höwedes (bis zur 78. Minute):
Da auf der linken Abwehrseite so viel schief lief, konnte Höwedes rechts schon beinahe glänzen. Offensiv stärker als Schmelzer, ohne dabei zu brillieren.
Note: 4
Sami Khedira (bis zu 46. Minute):
Der Real-Star zog in den Zweikämpfen nicht durch, was so kurz vor dem EM-Start verständlich sein mag, aber trotzdem nicht gut aussieht. Der große Spieleröffner ist er ja ohnehin nicht, doch da auch Götze neben ihm wenig ankurbelte, sollten wir hoffen, dass Bastian Schweinsteiger kein Trauma aus dem Chmapions-League-Finale davongetragen hat.
Note: 5
Mario Götze (bis zur 78. Minute):
Auf der Strategenposition vor der Abwehr bei weitem nicht zu glanzvoll wie weiter vorne, wo er mit Einzelaktionen glänzen kann. Allerdings ist die Sechser-Position wohl auch kaum der Platz, auf dem Löw ihn dauerhaft sieht. Probieren kann man es ja mal.
Note: 4
Lukas Podolski (bis zur 61. Minute):
Bemüht und defensiv durchaus fleißig (was ja nicht immer von ihm behauptet werden kann). Leider aber auch keiner, der ein Spiel an sich reißt, wenn es nicht läuft.
Note: 4
Mesut Özil (bis zur 46. Minute):
Bitte verletzt mich nicht, sagte seine Körpersprache. Der deutsche Spielmacher ist natürlich unantastbar, aber eine Schippe mehr hätte er auch in diesem unbedeutenden Länderspiel drauflegen dürfen. Diesmal komplett ohne seine berühmten Geistesblitze.
Note: 5
Andre Schürrle:
Verlieh dem deutschen Spiel mit seinem schönen Treffer zumindest einen Hauch von Glamour. Machte ein anständiges Spiel auf der rechten Seite und wird den Bundestrainer zumindest ins Grübeln gebracht haben, ob WM-Torschützenkönig Thomas Müller dort tatsächlich einen Stammplatz sicher hat.
Note: 3
Miroslav Klose (bis zur 78. Minute):
Abgeschnitten von den Pässen seiner Mitspieler. Moment, welche Pässe? Einigen wir uns darauf, dass vorne nichts ankam und ein Stürmer dann immer schlecht aussieht.
Note: 5
Ilkay Gündogan (ab der 46. Minute für Khedira):
Beim jungen Dortmunder merkte man zumindest den Willen, sich in den EM-Kader spielen zu wollen. Allerdings glich er sich mit zunehmender Spieldauer der pomadigen Spielweise der anderen an.
Note: 4
Marco Reus (ab der 46. Minute für Özil):
Das einzige Highlight im schwachen deutschen Team. Wenigstens einer hatte offenbar Lust, Fußball zu spielen. Krönte seine gute Leistung mit einem Tor.
Note: 2
Julian Draxler (ab der 61. Minute für Podolski):
Eine engagierte Leistung. Mal sehen, ob Joachim Löw ihn wirklich zu dem Streichkandidaten macht, für den ihn alle halten.
Note: 3
Sven Bender (ab der 78. Minute für Höwedes), Lars Bender (ab der 78. Minute für Götze) und Cacau (ab der 78. Minutefür Klose):
Jeweils zu kurz auf dem Feld, um ernsthaft bewertet werden zu können.
Quelle: sid/lwa/jr
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