21.05.12

Neues Cabrio

VW erfüllt mit dem GTI tiefergelegte Männerträume

Die unvernünftigste, aber zugleich auch attraktivste Art, einen Volkswagen ohne Verdeck zu fahren. Das Cabriolet ist ein Schönwetter-Cruiser und hat daher ein kleines Problem mit dem Getriebe.

Foto: VW

Schick sieht er aus, der neue GTI aus der Vogelperspektive.

8 Bilder

Es ist natürlich nur ein Zufall, aber was für einer: Kaum war das Verdeck des VW Golf GTI Cabrio geöffnet, da sendete Bayern 3 "Sharp dressed man". Der Himmel war blau, das Auto rot, und gelb blühte der Raps – ein Werbevideo hätte man drehen können. Ach was, müssen.

Genau für solche Fahrten, bei strahlender Sonne auf schmaler Landstraße, mit Rock-Klassikern von ZZ Top im Ohr, sind Cabriolets gemacht, und ein verbreitetes Vorurteil sagt, dass die Motorleistung egal sei. Schließlich erreicht man mit jeder Möhre irgendwie Tempo 80, und der Fahrtwind ist dann ja immer gleich.

Kein Sportgerät, sondern ein Cruiser

Ach nein, ein offener GTI, den es tatsächlich noch nie gab, war schon überfällig irgendwie. Denn auch bei schönem Wetter kann man ja missmutig werden, wenn es in dem Auto nicht richtig vorwärts geht. Oder wenn man ewig hinter einem Lkw herröchelt und mangels Motorkraft nie aus dessen Dieselfahne herauskommt.

Also GTI. Ein Sportgerät im engeren Sinne ist dieser Golf auch in der geschlossenen Version nicht, und VW selbst preist das Cabriolet denn auch als "idealen Cruiser". Der Turbomotor ist mehr auf Beständigkeit der Leistungsentfaltung ausgelegt denn auf Drehzahlorgien. 280 Newtonmeter Drehmoment liefert die Zweiliter-Maschine schon bei 1700 Umdrehungen, und sie hält diesen Wert bis 5200/min. Für die Praxis heißt das: Man ist eigentlich immer im richtigen Gang unterwegs und kann sich die 1875 Euro Aufpreis fürs Doppelkupplungsgetriebe auch sparen.

Zwar schaltet die DSG-Version besser, schneller und unauffälliger, als es jeder Mensch könnte, aber sie lässt eben auch das automatische Herunterschalten nicht. Wo doch der Mensch am Handschalter das Auto lieber lässig im sechsten Gang behält, wenn er nach überstandener Autobahnbaustelle wieder Fahrt aufnimmt. Außerdem gilt bei aller Begeisterung für die Doppelkupplung: Normale Schaltungen bauen sie auch ganz gut in Wolfsburg.

Ein Cabrio gehört ins Alpenvorland

Inzwischen wird das Wetter besser, die Straßen werden kleiner, es geht an perlenden Bächen entlang und vorbei an kauenden Kühen (die sich übrigens kein bisschen erschrecken). Die Alpen türmen sich auf, und ja, hier ins kurvige Alpenvorland gehört ein Cabriolet hin, selbst wenn es in der norddeutschen Tiefebene ersonnen wurde – und selbst wenn Bayern 3 nun wieder Popmusik der Moderne spielt, die schwieriger zu ertragen ist.

Aber wenn man das Radio leiser dreht, drängt sich der angenehm sonore Sound des Motors in den Vordergrund, der immer etwas tieffrequent vor sich hin brummelt. Nicht gerade wie ein Tiger vor dem Angriff, eher wie ein Zirkuslöwe vor der Fütterung, aber das ist okay. Wer VW fährt, darf nichts Undomestiziertes verlangen, das gibt es bei dieser Marke nicht.

Der GTI ist tiefergelegt – was sonst?

So bleibt denn auch ein gutes Maß des Golf-typischen Fahrkomforts erhalten, auch wenn der GTI natürlich tiefergelegt wurde, vorn um 22 und hinten um 15 Millimeter. 17-Zoll-Leichtmetallräder und dezent breite Reifen der Kategorie 225/45 komplettieren die Abstimmung.

Wer dem Frieden hier nicht traut, kann einen Teil des gesparten DSG-Geldes, nämlich genau 965 Euro, ins adaptive Fahrwerk investieren und bei Bedarf per Tastendruck zwischen den Einstellungen Comfort, Normal und Sport wechseln.

Gerade der Komfortmodus passt gut zur entspannten Überlegenheit des GTI-Motors, Sport ist wie in den meisten Fällen mit einer direkter ansprechenden Lenkung verbunden und wirkt beim Fahren etwas übermotiviert - kann man mal nutzen, muss man aber eigentlich nicht haben.

Zumal der GTI auch in Normalform sehr gut ums Eck geht: Die elektronische Differenzialsperre XDS, die es seit einiger Zeit in potenteren VW-Modellen gibt, tut besonders beim Herausbeschleunigen aus Kurven ihren Dienst, indem sie das kurveninnere Vorderrad immer mal leicht bremst.

Das ist schlau ausgedacht, weil sich das Gewicht in der Kurve ja nach außen verschiebt, das kurvenäußere Rad naturgemäß die bessere Traktion hat und mehr Kraft auf die Straße bringt. Mit XDS jedenfalls wirkt der GTI neutraler als andere Frontantriebsautos, wiewohl er sein technisches Grundlayout nicht wirklich leugnen kann.

Aufwendiges Verdeck

31.350 Euro muss man anlegen für den offenen GTI, das sind dann doch 3650 Euro mehr als für die geschlossene Variante, aber dieses Verhältnis ist bei den gewöhnlichen Golf-Modellen auch nicht wesentlich anders. Das Verdeck kostet halt, unter anderem, weil es so aufwendig gemacht ist, dass es sich beim Schnellfahren nicht aufbläht, und weil man es binnen neun Sekunden elektrisch öffnen kann – bis Tempo 30 sogar während der Fahrt.

Und die Versteifungen im Unterboden, die machen ein Cabriolet eben nicht nur schwerer, sondern auch teurer – aber wenn man darauf verzichtete, dann wackelte ein offenes Auto mangels Dach auf der Straße wie ein Lämmerschwanz.

Vielleicht nimmt man also doch nicht das GTI Cabrio, sondern das Benziner-Modell, das ihm am nächsten kommt, es kostet 3475 Euro weniger. Der offene Golf 1.4 TSI hält allerdings mit seinen 160 PS und in der ganzen Auslegung einen gehörigen Respektsabstand.

Unvernünftig, aber attraktiv

Nein, der GTI mit Verdeck ist zwar die unvernünftigste Art, ein Golf Cabriolet zu fahren, aber gleichzeitig auch die attraktivste. Die unaufgeregte Leichtfüßigkeit des Motors und die agile, aber nicht übertrieben sportliche Fahrwerksauslegung machen dieses Auto zu einem wunderbaren Begleiter, vor allem natürlich an schönen Tagen. Und der Verbrauch kann sich auch sehen lassen. Am Ende der ersten Probefahrt, 130 Kilometer über die Autobahn (Tempolimit) und in forcierter Gangart über die Landstraße, zeigt der Bordcomputer 7,9 l/100 km an – nur 0,3 Liter mehr als die Werksangabe. Das ist natürlich nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit, aber immerhin.

Eines ist aber doch zu kritisieren: Rein optisch hätte zu "Sharp dressed man" ein Ford Mustang Convertible wesentlich besser gepasst.

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