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12.03.09

Schule

Experten sehen Jungen massiv benachteiligt

Nach dem Amoklauf von Winnenden kritisieren Experten den Umgang mit Jungen in deutschen Schulen. Es sei nicht verwunderlich, dass die meisten Amokläufer Jungen seien, sagt Dieter Lenzen, Präsident der FU Berlin. Bei der Vernachlässigung der männlichen Schüler sieht er große Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Der Präsident der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen, hat eine massive Benachteiligung von Jungen im deutschen Bildungssystem als eine der möglichen Ursachen des Amoklaufs von Winnenden bezeichnet.

"An den Auswüchsen sieht man, was an Problemen im System entstehen können", sagte der Vorsitzende des Aktionsrats Bildung in München.


Jungen seien die Verlierer im deutschen Bildungssystem. Es sei bemerkenswert, dass die meisten Opfer von Tim K. Mädchen und Lehrerinnen seien und dass die meisten Amokläufer Jungen seien.


"Das Bildungssystem schafft es nicht, Jungen in den Zustand psychischer Ausgeglichenheit zu versetzen, der solche Taten ausschließt", kritisierte der Professor bei der Vorstellung einer Studie "Geschlechterdifferenz im Bildungssystem".Vom Kindergarten bis zur Hochschule verstärke das deutsche Bildungssystem die Geschlechterunterschiede.

"Beim Übergang auf das Gymnasium müssen Jungen eine deutlich höhere Leistung erbringen. Der Weg in die Berufsausbildung ist für Jungen erschwert", kritisierte Lenzen.


"Von allen Schulabgängern ohne Abschluss sind 62 Prozent Jungen." Auch bei den Abiturienten seien die Mädchen klar in der Mehrheit. Die einstige Bildungsbenachteiligung "der katholischen Arbeitermädchen vom Lande wurde durch neue Bildungsverlierer abgelöst: die Jungen", sagte Lenzen.

Der Dortmunder Professor Wilfried Bos sagte: "Männer sind nicht per se dümmer. Wir werden nur nicht so gefördert." Am stärksten sei die Benachteiligung in den ostdeutschen Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Risiko für Jungen, in Schule und Beruf zu scheitern, sei hier am größten, sagte Lenzen. Am geringsten seien die Geschlechterunterschiede in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin.

Quelle: AP/cn
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