Demonstrationen

Wie Guttenberg-Gegner die Pro-Guttenberg-Demos enterten

Guttenberg-Fans wollten am Wochenende demonstrieren - doch die Massen, die bei Facebook für Guttenberg sind, waren nicht zu mobilisieren. So konnten Guttenberg-Gegner den Spieß umdrehen. Sie machten aus den Kundgebungen Spottveranstaltungen.

Das Städtchen Guttenberg in Oberfranken hat rund 600 Einwohner. Ein paar von denen wohnen auf dem örtlichen Schloss: die zu Guttenbergs. Hier kommt der zurückgetretene Verteidigungsminister her, hierher kamen am Sonnabend rund 2000 Menschen, um für den Mann zu demonstrieren, der offenbar seine Doktorarbeit in großen Teilen anderswo abgeschrieben hat. Die Veranstalter sprachen von 4000 Teilnehmern, die Polizei von rund 1500 – die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. "KT wir stehen zu Dir" war auf kleinen und großen Plakaten zu lesen. Der Vater des Ex-Ministers trat auf, Enoch zu Guttenberg. Der 64 Jahre alte Dirigent erklomm einen Traktoranhänger und sprach ins Mikrofon: "Danke für Ihre liebevolle Verbundenheit, Danke, Danke für ihre Liebe." Wenige Minuten vor der Kundgebung habe er noch mit seinem Sohn telefoniert. "Er schickt Ihnen sein Herz und verspricht Ihnen seine Treue, mehr hat er nicht gesagt." In fränkischem Dialekt fügt der Schlossherr an: "Den ham sa fertig gmacht, aber nicht in Herz und Kopf."

Nirgendwo sonst fiel die Zustimmung zu Guttenberg so deutlich aus wie am Wochende im Heimatort des früheren Ministers. Zwar waren auch für anderen Städte Veranstaltungen geplant, die Guttenberg unterstützen sollten. So sah es jedenfalls aus. Doch zeigte sich, dass nicht besonders viele menschen bereit waren, für zu Guttenberg auf die Straße zu gehen. Und dass seine Gegner darum leichtes Spiel damit hatten, die Termine zu ihren Gunsten zu nutzen und die Aktionen zu entern.

in Berlin waren usprünglich zwei Demonstrationen angemeldet, eine wurde dann abgesagt, und so blieb es bei der Kundgebung "Für die Wiedereinsetzung von Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister Deutschlands". Die allerdings hatte die "Hedonistische Internationale" angemeldet : Ein linksgerichtetes Netzwerk, das immer wieder durch skurrile Aktionen auffällt wie Auftritte maskierten Nackten bei Wohnungsbesichtigungen - was dem Vernehmen nach Protest gegen hohe Mieten sein soll.

Zwar haben Pro-Guttenberg-Seiten bei Facebook hohe Zustimmungswerte, wenn man die Zahl der "Likes" als Indiz nehmen will - etwa die Seite "Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg" oder die Seite "Wir wollen Guttenberg zurück" . Zu Demonstrationen in der wirklichen Welt allerdings war kaum jemand der Guttenberg-Fans aus den sozialen Netzwerken zu bewegen. Und so wurden die Aktionen umgedreht: Die Guttenberg-Kundgebung am Brandenburger Tor war von der "Monarchohedonistischen Front" initiiert worden. Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Demonstranten kamen auf, als Alexander Müller, Anmelder der Kundgebung, seine Unterstützung für den einstigen Verteidigungsminister nur mit scheinbar ungelenken Worten begründen konnte: "Der ist gut, und der ist kompetent, und der ist auf jeden Fall auch nett", stammelte der 28-Jährige - der angeblich gerade selber an seiner Doktorarbeit schreibt.

Zum Pariser Platz waren vor allem Guttenberg-Gegner gekommen: Ein junger Mann mit Pappkrone warb für die Monarchie und forderte: "Gutti for Kaiser". Teilnehmer entrollten ein großes Transparent, auf dem in Frakturschrift und mit Schreibfehler "Solidaritet mit dem Oberbefehlshaber" angemahnt wurde. Ein Redner mit Megafon schwadronierte zu Marschmusik und unter dem Gejohle seiner Mitstreiter, Guttenberg werde keine Fußnote der Geschichte bleiben: "Du kommst zurück - auferstanden am dritten Tag!"

Das allerdings gefiel nicht jedem. Tatsächlich fanden sich unter den Demonstranten - insgesamt nur ein paar Dutzend - auch einige, die nach dem öffentlichen Aufruf tatsächlich ihre Solidarität mit dem Ex-Minister zeigen wollten. Besonders ärgern dürfte sich Stephan Görsch, denn der 26-jährige Programmierer wollte eigentlich eine eigene Pro-Guttenberg-Demonstration durchführen, hatte diese aber zugunsten der Kundgebung am Brandenburger Tor abgesagt.

Dass er damit einer Gruppe auf den Leim ging, die sich über den Guttenberg-Hype lustig machen wollte, merkte er zu spät. Denn Görsch ist tatsächlich ein Anhänger des Ex-Ministers: "Wenn Guttenberg redet, dann sagt er auch etwas." Doch gegen die lautstarke Spott-Demo konnte er letztlich ebenso wenig ausrichten wie Gisela Bolt. Die Rentnerin aus dem Stadtteil Tempelhof war extra in die City gekommen, um für Guttenberg zu demonstrieren. Als sie feststellte, dass sie auf die falsche Veranstaltung geraten war, blieb ihr nur noch Bedauern: "Das ist aber schade – dann kann ich ja wieder gehen."

Auch in Hamburg enterte die "Hedonistische Internationale" die Kundgebung für zu Guttenberg auf dem Gänsemarkt: Punkt 13.00 Uhr ertönte laut Musik der Rockband ACDC, für die auch Guttenberg schwärmt. Die wenigen bis dahin versammelten Unterstützer des zurückgetretenen CSU-Politikers wähnen sich unterstützt und applaudieren anerkennend. Doch der Applaus endet abrupt, als die DJs sich als Guttenberg-Gegner outen: "Wir sind die Junge Union St. Pauli und haben für jeden einen in mühevoller Kleinarbeit entstandenen Doktortitel dabei", spottete die Gruppe von Gegendemonstranten und begann, Zettel mit der Aufschrift "Dr. med." an die verdutzten Demonstranten zu verteilen.

Nach und nach trudelten mehr Guttenberg-Unterstützer auf dem Gänsemarkt ein. Doch auch in der Spitze sind es weitaus weniger, als die von den Veranstaltern – der Jungen Union Geesthacht - angekündigten 1000 Teilnehmer. Lediglich 350 solidarisieren sich am Ende nach Angaben der Polizei mit dem CSU-Politiker. "Er hat seine Arbeit gut gemacht, der Doktortitel ist Privatsache", meint Bärbel Vukasimovic. Die Meinung der 74-Jährigen teilen hier viele Guttenberg-Unterstützer. "Die Geschichte gegen Herrn zu Guttenberg ist ein Skandal", sagt Thekla Hornke aus Ludwigslust, die ihren Besuch in Hamburg nutzt, um für den 39-Jährigen zu demonstrieren.

Stimmlich hatten die Pro-Guttenberg-Demonstranten ihren lautstarken Gegnern nichts entgegenzusetzen. Und auch mit Plakaten, auf die die Unterstützer ganz verzichten, zogen die Gegner die Blicke auf sich:"Schluss mit den Doktorspielchen", "Geist wär geil" oder "Schöne Herrscher braucht das Land". Die Bilanz nach einer Stunde Demo: "Wir Gegner haben gewonnen", sagt Thomas Leske (73), promovierter Mediziner. Gegenreden gab es zu diesem Zeitpunkt keine mehr – kaum ein Pro-Guttenberg-Demonstrant war noch auf dem Hamburger Gänsemarkt.

Die Guttenberg-Befürworter bei Facebook veranstalten nun online eine " Spenden-Demo ": Tobias Huch , Gründer der Facebook-Seite "Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg" hatte zuvor Gespräche "mit dem Betreiber unserer Partnergruppe ('Wir wollen Guttenberg zurück')" geführt und die Spenden-Aktion eingefädelt. Es soll an das Soldatenhilfswerk der Bundeswehr und an das Bundeswehr-Sozialwerk gespendet werden, "mit dem Überweisungsbetreff 'Guttenberg'". So werde man "der Person Karl-Theodor zu Guttenberg am gerechtesten".

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