Kokain und Ecstasy
Lifestyle-Drogen auf dem Vormarsch
Fast 1500 Menschen sind in Deutschland im vergangenen Jahr durch den Konsum illegaler Drogen ums Leben gekommen – im Vergleich zu 2007 ein klarer Anstieg. Nach Angaben des Bundeskriminalamts geht der Konsum von Heroin zurück, während so genannte Lifestyle-Drogen beliebter werden. Zudem wächst die Zahl der Cannabisplantagen.
Die Zahl der Todesfälle durch den Konsum illegaler Drogen in Deutschland ist im vergangenen Jahr um knapp vier Prozent gestiegen. Demnach starben 1449 Menschen im Jahr 2008 nach der Nutzung illegaler Drogen wie Heroin. Das geht aus einer Statistik des Bundeskriminalamtes hervor. 2007 waren es 1394 Drogentote. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) sagte, die meisten Fälle seien offensichtlich auf eine Überdosis zurückzuführen. Die Hälfte der Drogentoten habe drei oder mehr Substanzen konsumiert.
Zugleich nehme aber auch die Zahl der Todesfälle unter älteren Drogenabhängigen zu, die oft an Folgeerkrankungen wie Hepatitis C litten und auch psychisch geschwächt seien, erläuterte Bätzing. Insgesamt sei die gesundheitliche, psychische und soziale Verelendung der Heroinabhängigen sehr stark. Bis zu zehn Prozent der Todesfälle seien Selbstmorde.
Der Präsident des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke erklärte, insgesamt sei ein Trend weg vom "schmutzigen" Heroin hin zu vermeintlich sauberen "Lifestyle-Drogen" wie Kokain und Ecstasy zu verzeichnen. Die Zahl erstauffälliger Konsumenten harter Drogen sei dabei gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 19.203 Personen gestiegen. Auch sei 2008 die Zahl beschlagnahmten Amphetamins und Metamphetamins mit knapp 1290 Kilogramm um 56 Prozent gestiegen.
Bei Haschisch und Marihuana wurden 2008 die bisher größten Einzelmengen seit mehr als acht Jahren sichergestellt. Dadurch stieg die Gesamtmenge an Sicherstellungen bei Cannabisprodukten um 122 Prozent. Neu sei dabei, dass Haschisch verstärkt auf den "etablierten Heroinschmuggelrouten" aus Afghanistan komme, sagte Ziercke. Deutlich gewachsen sei mit 517 Funden auch die Zahl der Cannabisplantagen in Deutschland (2007: 430).
Bätzing betonte, die Hilfen für Schwerstabhängige müssten noch verbessert werden. Sie forderte, bereits existierende Informationen für Abhängige bekannter zu machen und die Wartezeiten für Therapien zu verkürzen. In Berlin habe zudem die Mitgabe von Naloxon an Heroinabhängige gute Erfolge gezeigt. Das Mittel kann bei einer Überdosis den Atemstillstand verhindern helfen. Daher sollte es bundesweit vergeben werden können, forderte die Bundesdrogenbeauftragte.
Positiv bewertete Bätzing auch die Drogenkonsumräume. Diese hätten Hunderte Leben retten können. Erfolgreich sei auch die Methadonvergabe sowie die Ausgabe von reinem Heroin (Diamorphin) an die kleine Gruppe Schwerstabhängiger, die anders nicht erreicht werden können. Die Behandlung mit Diamorphin sollte daher "Bestandteil unseres Hilfesystems werden".
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