03.08.2011, 14:41

Prozess in Potsdam Kindesentführer von Kleinmachnow entschuldigt sich

Foto: dpa / dpa/DPA

Von Susann Fischer

Nach seinem Geständnis bereute der Entführer der kleinen Carolina vor Gericht die Tat. Der Vater der Geisel betonte jedoch, für die Tat gebe es keine Entschuldigung.

Nach der Entführung eines vierjährigen Mädchens im Februar in Kleinmachnow leidet die betroffene Familie noch heute an den seelischen Folgen. "Das hat Wunden hinterlassen", sagte die Mutter im Potsdamer Landgericht.

Vor der Großen Strafkammer muss sich der 45 Jahre alter Geschäftsmann wegen erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Nach seinem Geständnis am Montag entschuldigte er sich am Mittwoch bei den Eltern der kleinen Carolina.

Der Täter hatte das Mädchen am 10. Februar entführt und von den Eltern 60.000 Euro erpresst. Er hatte das Kind 13 Stunden in seiner Gewalt, bevor er es am späten Abend nach einer Lösegeldübergabe unverletzt freiließ. Die Entführung war von einer Nachbarin beobachtet worden, die sofort die Polizei anrief.

Großes Unverständnis für langen Notruf

Der Richter verwies mehrmals ungläubig darauf, dass der Notruf der Nachbarin fast 14 Minuten gedauert habe. Der Polizist in der Notrufzentrale habe 13 Minuten und 56 Sekunden mit der Frau gesprochen. Dabei habe der Polizist mehrfach nur "mh" gemacht, sagte der Richter. Die Nachbarin sagte als Zeugin aus, sie sei so aufgeregt gewesen, dass ihr die lange Zeit gar nicht aufgefallen sei. Nach Ende des Telefonats sei die Polizei aber schnell am Haus erschienen.

Die Mutter schilderte, sie habe bei der Entführung zunächst an einen Scherz geglaubt. Als der Täter sie jedoch mit einer Sichel bedroht und sie aufgefordert habe, sich auf den Boden zu legen, habe sie nur noch Angst gehabt. Sie leide sie noch heute unter dem Geschehen, habe Albträume und schaue immer, wer sich an ihrem Haus aufhalte.

Ihre vier Jahre alte Tochter klammere sich manchmal an sie, wenn sie fremden Männern begegne, sagte die 42-Jährige weiter. Das Kind rede nicht über den Vorfall. Carolina leide seit der Entführung wieder stark unter einer zuvor bereits abgeklungenen Neurodermitis.

Aus einem behüteten Nest gerissen

Der Vater des Kindes nannte die Situation der Familie am Entführungstag "Wahnsinn". Carolina sei aus einem behüteten Nest gerissen worden. Sie sei nach ihrer Freilassung sehr verstört gewesen. Wenn er sie heute nur einen Moment allein im Auto lasse, um das Grundstückstor zu schließen, fange sie manchmal schon an zu weinen. Als Reaktion darauf, dass sie sich offenbar allein gelassen gefühlt habe, habe sie anfangs auch ihre Eltern geschlagen.

Nach Einschätzung der Nachbarin ist Carolina jetzt ängstlicher als vor der Entführung. Staatsanwalt Jörg Möbius sagte zu der 41-jährigen gelernten Kinderkrankenschwester, sie habe mit ihrem Verhalten bei der Entführung Zivilcourage gezeigt.

Der Angeklagte wandte sich nach den Zeugenvernehmungen an die Eltern und sagte: "Es tut mir unendlich leid. Ich bereue die Tat zutiefst. Ich bitte Sie um Entschuldigung." Der Vater betonte jedoch, für so eine Tat gebe es keine Entschuldigung.

Die Verhandlung wird fortgesetzt. Für Freitag wird das Urteil erwartet.

(dapd/mh)
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