Bildung
Deutschlands Schülerzahlen sinken immer weiter
Die Schülerzahlen an deutschen Schulen gehen immer weiter zurück. Insgesamt ist die Zahl im Schuljahr 2007 bis 2008 um 1,7 Prozent gesunken. Dramatisch ist die Situation in Ostdeutschland. In den neuen Bundesländern und Berlin betrug der Rückgang sogar 2,7 Prozent. Dort bedroht der demografische Wandel ganze Schulen.
In Deutschland gibt es immer weniger Schüler. Im laufenden Schuljahr besuchten rund neun Millionen Schüler allgemeinbildende Schulen – 1,7 Prozent weniger als im Schuljahr 2007/08. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.
So nimmt vor allem sie Schülerzahl in Ostdeutschland seit der Wende drastisch ab. Verglichen mit dem Jahr 1992/93, in dem erstmals eine Schulstatistik für Deutschland vorgelegt wurde, ist die Schülerzahl im laufenden Schuljahr in den neuen Bundesländern um 45,5 Prozent zurückgegangen. Grund hierfür sei die demografische Entwicklung mit einem starken Geburtenrückgang.
Im Vergleich zum Vorjahr liege der Rückgang im Osten Deutschlands bei 2,7 Prozent, das entspricht rund 37 000 Schülern. In den westlichen Bundesländern sind die Schülerzahlen im selben Zeitraum um 1,7 Prozent zurückgegangen, das sind rund 158.400 Schüler.
Die deutlichste Abnahme gegenüber dem Vorjahr war mit 6,4 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern zu verzeichnen. Grund ist der doppelte Abiturjahrgang aus dem Schuljahr 2007/08. Der geringste Rückgang war mit nur 0,1 Prozent in Hamburg zu beobachten.
Am Stärksten sind die Schülerzahlen mit 7,1 Prozent bundesweit an den Hauptschulen zurückgegangen, was auf die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen mit mehreren Bildungsgängen zurückzuführen ist. An Gymnasien führte die demografische Entwicklung bisher zu keinem Rückgang der Schülerzahl. In diesem Schuljahr besuchten fast 2,5 Millionen Schüler ein Gymnasium. Das waren 0,1 Prozent mehr als im Vorjahr und 20,6 Prozent mehr als im Schuljahr 1992/93.
Schülerdemonstration gegen geplante Schülerdatei
Eine Schülerdemonstration gegen die geplante Berliner Schülerdatei ist am Mittwoch wegen geringer Resonanz abgebrochen worden.
Nach Polizeiangaben nahmen an der stattdessen abgehaltenen Kundgebung 150 Personen teil. Die Demonstration sollte von der Senatsschulverwaltung über die Friedrichstraße zum Roten Rathaus führen, wo eine Abschlusskundgebung geplant war. Als Veranstalter trat die Schüler-Initiative "Bildungsblockaden einreißen!" auf.
Mitorganisator Michael Schmidt sagte, Ziel des Protests sei ein "Boykott der Schülerdatei". Niemand wisse bislang, was mit den dabei gesammelten Daten passiere. Der Sprecher des Landeschülerausschusses, Vito Dabisch, sagte, besser als die geplante zentrale Schülerdatei wäre eine dezentrale bezirkliche Datei, bei der nicht auf einzelne Personen geschlossen werden könne.
Der Gesprächskreis Junge Sozialdemokratie begrüßte die Datei dagegen ausdrücklich. Sie sei "keine Stasidatei", hieß es in einer Mitteilung. Dagegen verurteilte der Landesvorstand der Grünen Jugend die Datei. Die Erfassung der Daten, von Migrationshintergrund und Muttersprache bis zur sozialen Lage der Familien, könne "fatale Folgen" haben.
Die zentrale Schülerdatei war vergangene Woche vom Abgeordnetenhaus gegen die Stimmen von Grünen und FDP beschlossen worden. In ihr sollen persönliche Daten von Schülern erfasst werden, um den Lehrerbedarf exakter ermitteln zu können.
Beispielsweise steht Schulen mehr Personal zu, wenn sie viele Jungen und Mädchen aus Zuwanderer- oder sozial bedürftigen Familien haben. Auch sollen Doppelanmeldungen verhindert werden. Die Koalition aus SPD und Linker strebt außerdem an, dass die Polizei anhand der Datei Schulschwänzer besser feststellen kann.
Die Kundgebung wurde von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Hintergrund ist eine von den Veranstaltern organisierte Demonstration vom vergangenen Jahr, an deren Rande es in der Humboldt-Universität Ausschreitungen gegeben hatte. Dabei war auch eine Ausstellung über vertriebene jüdische Unternehmer in der NS-Zeit zerstört worden.
Landesregierung will Migranten für Lehramtsstudium
Die NRW-Landesregierung will mit einem viertägigen Schülercampus mehr Migranten für ein Lehramtsstudium interessieren. Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte würden als Vorbilder, Vertraute und Brückenbauer zwischen Schule und Familie dringend gebraucht, erklärte die Staatskanzlei in Düsseldorf. Die Teilnehmer des Schülercampus "Mehr Migranten werden Lehrer" können von Freitag bis Montag erfahrene Pädagogen treffen und in Hospitationen Schule hautnah erleben.
Fast jeder dritte Schüler hat nach Angaben der Landesregierung einen Migrationshintergrund. Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte seien dagegen jedoch die Ausnahme. Unter den Lehramtsstudenten hätten nur sechs Prozent nicht-deutsche Wurzeln. Der Schülercampus findet nach dem Auftakt im vergangenen Jahr in Hamburg zum zweiten Mal statt. Initiiert wurde das Projekt von der "Zeit"-Stiftung und der Hertie-Stiftung.
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