23.03.11

Fragen und Antworten

Wie gefährlich ist die Radioaktivität aus Japan?

Kommen radioaktive Partikel aus Japan nach Deutschland? Sollte man Jodtabletten schlucken? Sollten japanische Lebensmittel gemieden werden?

Foto: dpa/DPA

14 Bilder

Hat Radioaktivität aus Japan bereits Deutschland erreicht?

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) wurde bis Mittwochnachmittag keine Radioaktivität aus Japan nachgewiesen. Anderslautende Meldungen basierten auf einer Einschätzung des Leiters der Umweltbundesamt-Messstation Schauinsland bei Freiburg. Die kontinuierlich gemessenen Werte können jederzeit auf der Internetseite www.bfs.de abgerufen werden.

Wird von der in Japan freigesetzten Radioaktivität hierzulande eine Gesundheitsgefahr ausgehen?

Es ist nicht auszuschließen, dass mit den Luftströmungen geringe Mengen an radioaktiven Substanzen auch Deutschland erreichen werden. Aufgrund der großen Distanz zu Japan und den damit verbundenen Verdünnungseffekten in der Atmosphäre wird der hierzulande möglicherweise auftretende Anstieg an Radioaktivität sehr gering sein.

Insbesondere wird sie in jedem Fall deutlich unter jenen Werten liegen, die seinerzeit durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl verursacht worden sind.

Doch wie sieht es mit kontaminierten Lebensmitteln aus, die wir aus Japan importieren?

Im Moment ist der Handel mit Lebensmitteln aus Japan ohnehin zum Erliegen gekommen. Die japanischen Produkte, die derzeit noch in deutschen Geschäften angeboten werden, stammen aus der Zeit vor dem Reaktorunglück. Bei künftigen Importen wird man natürlich genau darauf achten müssen, wie viel Radioaktivität in den Lebensmitteln enthalten ist. In Deutschland gilt ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm.

Bei Milch und Säuglingsnahrung dürfen es gar nur 370 Becquerel pro Kilogramm sein. In Japan gibt es einen deutlich höheren Grenzwert von 2000 Becquerel je Kilogramm Lebensmittel. Und dieser wird dort offenbar bei manchen Produkten aus der von radioaktivem Niederschlag betroffenen Region übertroffen.

Sollte man jetzt in Deutschland vorsorglich Jodtabletten einnehmen?

Auf keinen Fall. Zum einen wird der hierzulande zu erwartende Anstieg an Radioaktivität durch Jod-131 so extrem gering sein, dass sich diese Form der Prophylaxe erübrigt. Die in Apotheken erhältlichen "normalen" Jodtabletten haben ohnehin eine viel zu niedrige Dosierung, als dass sie vor dem radioaktiven Jod schützen könnten. Dennoch können bereits sie zu deutlichen Nebenwirkungen führen. Im Ernstfall würden auch in Deutschland von den Behörden die "richtigen" Jodtabletten bereitgestellt.

Wieso schützen eigentlich Jodtabletten vor radioaktivem Jod?

Jod reichert sich sehr spezifisch in der Schilddrüse an. Überschwemmt man also die Schilddrüse mit einem großen Überangebot an nicht radioaktivem Jod, so kann sie anschließend nicht mehr das radioaktive Jod aufnehmen, wenn dieses in die Atemluft gelangen sollte. Das radioaktive Jod bestrahlt die Schilddrüse sehr intensiv und erhöht dadurch das Risiko für Schilddrüsenkrebs deutlich.

Die intensive Strahlung des Jod-131 hat andererseits auch zur Folge, dass das radioaktive Jod vergleichsweise schnell zerfallen ist. Seine Halbwertszeit beträgt acht Tage. Nach rund 80 Tagen ist das Jod-131 also nahezu vollständig verschwunden und damit kein Problem mehr.

Was ist der Unterschied zwischen den Einheiten Becquerel und Sievert?

Mit der Einheit Becquerel wird angegeben, wie viel Radioaktivität in einem bestimmten Raum oder Objekt enthalten ist. Ein Becquerel ist dabei definiert als der Zerfall von einem Atom pro Sekunde. Wenn also beispielsweise ein Kilogramm Fisch 600 Becquerel enthielte, dann würden in jeder Sekunde darin 600 Atome zerfallen und Strahlung aussenden.

Das Sievert hingegen ist eine Einheit, mit der die von einem Menschen aufgenommene Strahlendosis quantifiziert wird. Durch die natürliche Strahlung nimmt ein Deutscher pro Jahr durchschnittlich zwei Millisievert auf. Dazu kommen im Mittel nochmals zwei Millisievert durch medizinische Untersuchungen wie das Röntgen. 1000 Mikrosievert sind ein Millisievert.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Morgenpost-Autorin Franziska Birnbach machte sich mithilfe von Google Maps auf den Weg ins Berliner Verkehrschaos
21:30Neue Fahrradnavigation
Mit Google Maps wird Radtour in Berlin zum Stresstest

Google Maps bietet ab sofort auch in Deutschland Routen für Radfahrer. Die Morgenpost hat die Anwendung auf Berlins Straßen getestet und stieß dabei auf Straßen, die gar nicht existieren. mehr...


Schon 2012 lockte der „Summer Rave“ viele junge Berliner in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof
18:48Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonna, den 25. Mai. mehr...


Am Maxim Gorki Theater feiert am Samstag das Stück „Leben des Galilei“ Premiere. Pressesprecherin Claudia Nola rechnet damit, dass diese nicht ausverkauft sein wird
22:48Bühne
Champions-League-Finale bringt Berlins Theater in Bredouille

Berlins Theater sehen sich am Samstagabend einem kaum besiegbaren Konkurrenten ausgesetzt. Denn nicht nur potenzielle Zuschauer wollen das Champions League Finale sehen, sondern auch viele Darsteller. mehr...


„The Rock“: Wowereit zeigte nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass ihn die Fragen vielleicht ermüdeten
19:55Hauptstadtflughafen
Wowereit lässt sich im BER-Ausschuss nicht fassen

Berlins Regierender Bürgermeister musste sich dem BER-Untersuchungsausschusses stellen. Dabei zeigte er sich gelassen - und hatte auf alles ein Antwort. Eine persönliche Verantwortung wies er zurück. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Begriffe zur Atomkraft
  • Kernschmelze

    Die Kernschmelze ist ein extrem gefährlicher Unfall in einem Kernreaktor. Dabei erhitzen sich die Brennstäbe so sehr, dass sie schmelzen. Im ummantelten Brennstab befindet sich der Stoff, der gespalten wird – also Uran oder Plutonium .

  • "GAU"

    Der größte anzunehmende Unfall (GAU) in einem Atomkraftwerk bezeichnet den schwersten, unter Einsatz aller Sicherheitssysteme noch beherrschbaren Störfall. Die Umwelt wird dabei nicht über die zulässigen Grenzwerte hinaus mit Strahlen belastet.

  • "Super-GAU"

    Von einem „Super-GAU“ spricht man hingegen, wenn ein Unfall nicht mehr beherrschbar ist , der Reaktorkern schmilzt oder der Druckbehälter birst. Bei einer Kernschmelze erhitzen sich die Brennstäbe so sehr, dass sie ihre feste Form verlieren. Im ummantelten Brennstab befindet sich der Stoff, der gespalten wird – also Uran oder Plutonium. Zur Kernschmelze kann es etwa kommen, wenn Kühl- und Sicherungssysteme gleichzeitig oder kurz nacheinander ausfallen.

  • Radioakive Verseuchung

    Zur Kernschmelze kann es etwa kommen, wenn Kühl- und Sicherungssysteme gleichzeitig oder in kurzer Zeit nacheinander ausfallen. Wenn die gesamte geschmolzene Masse auf den Boden des Behälters sinkt, kann sie sich durch die Wände des Reaktors fressen. Dabei können radioaktive Substanzen nach Außen gelangen. Mit einer Kernschmelze gehen häufig Dampf- und Wasserstoffexplosionen einher.

  • Cäsium

    Natürliches Cäsium 133 ist ein goldglänzendes, sehr weiches Metall und kommt in winzigen Spuren in den Gesteinen der Erdkruste vor. Sein radioaktiver Verwandter, das gefährliche Cäsium 137 , entsteht bei der Kernspaltung. Bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 waren große Mengen davon entwichen. Es kann über die Abluft oder das Abwasser aus Atomanlagen gelangen und wird direkt oder über die Wurzeln von den grünen Teilen der Pflanzen aufgenommen. Über diesen Umweg kommt es auch in Milch, Fleisch und Fisch. Pilze waren nach der Katastrophe von Tschernobyl besonders belastet.

  • Die Folgen von Cäsium

    Hohe Konzentrationen von Cäsium können Muskelgewebe und Nieren des Menschen schädigen. Es verteilt sich gleichmäßig im Körper, so dass seine Strahlung den ganzen Organismus trifft . Cäsium 137 wird aber auch zur Strahlenbehandlung in der Krebstherapie, bei Materialprüfungen oder zum Betrieb von Atomuhren eingesetzt. Es zerfällt mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren – das ist die Zeitspanne, die vergeht, bis die Hälfte der Radioaktivität abgebaut ist.

  • Tschernobyl

    Bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 waren große Mengen davon entwichen. Es kann über die Abluft oder das Abwasser aus Atomanlagen gelangen und wird direkt oder über die Wurzeln von den grünen Teilen der Pflanzen aufgenommen. Über diesen Umweg kommt es auch in Milch, Fleisch und Fisch . Pilze waren nach der Katastrophe von Tschernobyl besonders belastet.

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. KommentareChampions LeagueHer mit der German Fußlümmelei!
  2. 2. DebatteProduktkennzeichnungDer grüne Antizionismus hat eine lange Tradition
  3. 3. AuslandTerror in London"Unser Herz ist auseinandergerissen worden"
  4. 4. AuslandTapie-AffäreIWF-Chefin Lagarde entgeht Ermittlungsverfahren
  5. 5. WirtschaftJeroen DijsselbloemEuro-Gruppen-Chef ärgert wieder einmal Berlin
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote