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11.03.11Angst vor Flutwellen
Evakuierungen an der Westküste Südamerikas
Angesichts der Tsunami-Gefahr verlassen Tausende in Chile und Ecuador vorsorglich ihre Wohnorte am Pazifik. In Kalifornien wird ein Mann vermisst.
Foto: AFP
Verkäufer in Playa/ Ecuador räumen ihre Geschäfte entlang der Hafenpromenade. An der südamerikanischen Pazifikküste werden vorsorglich tausende Menschen in Sicherheit gebracht
In Chile wurden 4500 Bewohner der wegen ihrer Steinfiguren weltberühmten Osterinsel auf den Flughafen der Insel gebracht. Dort seien die Menschen in Sicherheit, "da das Gelände 47 Meter über dem Meeresspiegel liegt", sagt der Minister für öffentliche Bauten, Hernán de Solminihac. Zunächst richtete die von dem Erdbeben der Stärke 8,9 ausgelöste Flutwelle auf ihrem fast 16.000 Kilometer weiten Weg Richtung Südamerika keine größeren Schäden an.
Es werde mit einer Flutwelle von maximal zwei Metern Höhe gerechnet, die die 3500 Kilometer westlich vom Festland liegende Osterinsel treffen werde, betonte de Solminihac. Auch in Ecuador mussten tausende Menschen aus küstennahen Regionen ihre Häuser verlassen und wurden weiter landeinwärts in Notunterkünfte gebracht.
Galapagos-Inseln: Riesenschildkröten müssen Strand verlassen
Auf den zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln mit ihrer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt wurde ebenfalls Tsunami-Alarm ausgelöst. Menschen und viele der Tiere, darunter auch die Riesenschildkröten, wurden in höhere Regionen gebracht.
Alle touristischen Aktivitäten wurden eingestellt. Kleinere Schiffe durften nicht mehr auslaufen, größere wurden aufgefordert, sich Richtung hoher See von der Küste zu entfernen. In Kolumbien und Peru sahen die Behörden vorerst von Evakuierungen ab.
An der kalifornischen Küste waren die Tsunami-Wellen bereits am Freitag angekommen. Der nordkalifornische Ort Crescent City wurde von über zwei Meter hohen Wellen getroffen. "Über 30 Boote im Hafen wurden beschädigt, Anlegestellen sind zu Bruch gegangen", sagte Joe Young von der örtlichen Katastrophenbehörde. Mehr als 4000 Einwohner seien in der Nacht vorsichtshalber in Sicherheit gebracht worden. Nach einem Beben 1964 waren in Crescent City elf Menschen in einer Flutwelle ums Leben gekommen.
Auch im Hafen von Santa Cruz, südlich von San Francisco, gingen zahlreiche Boote zu Bruch. Die Flutwellen drückten Jachten in die Holzstege, Boote wurden losgerissen und trieben führerlos im Hafenbecken.
Schaulustige werden von Flutwelle ergriffen
Tausende Schaulustige ignorierten Warnungen der Behörden und schauten sich das Naturspektakel entlang der Küste an. An einem Strand in Nordkalifornien wurden drei Männer von einer Welle ins Meer gerissen, berichtete der Radiosender KCBS. Zwei konnten sich an Land retten, einer wurde zunächst vermisst.
Für die gesamte Westküste der USA war schon in der Nacht eine Tsunami-Warnung herausgegeben worden. Einwohner in besonders gefährdeten Küstenabschnitten wurden aufgerufen, in höher gelegenen Regionen Schutz zu suchen. Einige Küstenstraßen, Strände und Häfen wurden vorsichtshalber gesperrt.
Zwei Meter hohe Flutwellen vor Maui
Der Tsunami hatte bereits zuvor die zu den USA gehörenden Hawaii-Inseln erreicht. So wurden nach Angaben des Senders CNN im Norden von Maui fast zwei Meter hohe Fluten gemessen. Nach ersten Berichten gab es dort aber keine größeren Schäden.
Auch Neuseeland wurde von einem Mini-Tsunami getroffen. Dort wurde ein um 15 bis 20 Zentimeter höherer Wasserstand gemessen. Der Zivilschutz teilte mit, das Wasser könne an einigen Orten um bis zu einen Meter steigen. Die Menschen sollten sich von den Stränden fernhalten. Evakuierungen waren jedoch nicht vorgesehen.
Der japanische Begriff
Tsunami
bedeutet eigentlich Welle im Hafen, wird weltweit aber für Flutwellen benutzt, die von Erdbeben, Erdrutschen oder Vulkanen unter der Meeresoberfläche verursacht werden.
Tsunamis bestehen aus einer Serie von Wellen. Diese Wellenserien können sich im tiefen Ozean mit Geschwindigkeiten von über
800 Kilometern pro Stunde
ausbreiten. Im flachen Wasser pflanzen sie sich nur noch mit
Tempo 30 bis 50 km/h
fort.
Tsunamis erreichen auf hoher See nur geringe Höhen von meist
30 bis 80 Zentimetern
. Sie entfalten ihre Zerstörungskraft in den flachen, küstennahen Gewässern, wo sie sich im Extremfall zu gigantischen Wellenbergen von
30 bis 50 Metern
aufstellen können.
Die meisten Tsunamis ereignen sich im
Pazifischen Ozean
im Bereich des
Pazifischen Feuerrings
. Dieser Bereich ist ein Vulkangürtel, der den Pazifischen Ozean umringt. Dort konzentrieren sich starke Erdbeben und dadurch ausgelöste Tsunamis.
Der
"Ring aus Feuer"
ist eine hufeisenförmige Zone entlang der Küsten des Pazifischen Ozeans, die häufig von Erdbeben und Vulkanausbrüchen heimgesucht wird. Entlang dieses Gürtels liegt etwa die Hälfte aller aktiven Vulkane.
Der Ring aus "Feuerbergen" reicht von den Küsten Süd- und Nordamerikas bis zu einer Reihe von Inselketten im asiatisch-pazifischen Raum. Er führt weiter über die Aleuten und Kurilen im Nord-Pazifik,
Japan
, die Philippinen, den Ostrand Indonesiens, verschiedene Südsee-Inselstaaten bis Neuseeland und zur Antarktis.
Entlang des "Ring of Fire" schieben sich im Erdinneren verschiedene
Erdplatten
untereinander. Experten sprechen von
Subduktion
. Je nach Beschaffenheit der Plattenränder sind die dabei auftretenden Erschütterungen größer oder kleiner und lassen die Erde beben. Erdstöße in Japan lassen sich mit dem Aufeinandertreffen der
Pazifischen Platte
auf die
Eurasische
erklären.
Entlang des Feuergürtels gibt es mehrere Abzweigungen. Die längste ist der 6000 Kilometer lange
Sundabogen
, an dem unter anderem die indonesischen Inseln Java und Sumatra liegen.
11. März 2011:
Ausgelöst durch ein Seebeben der Stärke 9,0 trifft eine Tsunami-Welle mit einer Höhe bis zu 23 Metern die Ostküste Japans. Bestätigt sind bisher 11.500 Todesopfer und 16.400 Vermisste.
17. Juli 2006:
Ein Seebeben der Stärke 7,7 führt zu einer zwei Meter hohen Flutwelle, die Urlaubsorte und Fischerdörfer an einem rund 180 Kilometer langen Küstenabschnitt von Java zerstört. Mehr als 300 Menschen kommen ums Leben.
26. Dezember 2004:
Die bislang schwerste Tsunami-Katastrophe wurde im Indischen Ozean von einem Erdbeben vor Sumatra ausgelöst. Damals kamen etwa 230.000 Menschen ums Leben.
17. Juli 1998:
Eine Flutwelle reißt nach einem Beben vor Papua-Neuguinea mehr als 1200 Menschen in den Tod.
1. April 1946:
Ein Erdbeben auf den Aleuten löst einen Tsunami aus, in Alaska kommen dabei fünf Menschen ums Leben. Als die Welle Stunden später Hawaii erreicht, fordert sie weitere 159 Todesopfer.
15. Juni 1896:
Der sogenannte Sanriku-Tsunami, eine Wasserwand von 23 Meter Höhe, überrascht Japan inmitten religiöser Großfeierlichkeiten. 26.000 Menschen ertrinken.
27. August 1883:
Der Ausbruch des indonesischen Vulkans Krakatau verursacht eine 30 Meter hohe Welle an den Küsten von Java und Sumatra, die mehr als 36.000 Menschen tötet.
Quelle: dpa/
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