12.12.10

Freizeit sport

Fitness-Programm für Faule und den stressigen Alltag

Schon mit zehn Minuten Bewegung am Tag wird man fit. Übungen in Bad und Bus können locker in den Alltag integriert werden.

Sport hält gesund, stärkt die Leistungsfähigkeit und macht gute Laune. Das vermittelt Diplomsportlehrer Ronny Moriabadi von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement Saarbrücken seinen Studenten. Der Münchener will zudem Sportmuffel für Bewegung begeistern. Um die Motivation zu erhöhen, sollte nach seiner Überzeugung jedes Training leicht durchzuführen sein.

"Jeder kann schon mit wenig Aufwand viel erreichen. Sportart und Intensität kommen erst an zweiter Stelle", sagt Moriabadi. Das Wichtigste sei, sich überhaupt zu bewegen. Schon ein regelmäßiges, in den Alltag integriertes, zehnminütiges Training pro Tag sei - vergleichbar mit einer finanziellen Altersvorsorge - langfristig eine gute Investition in die eigene Gesundheit.

Etwas Leerlauf beim Zähneputzen, im Auto, an der Haltestelle, im Bus, in der Bahn, im Büro oder auf der Fernsehcouch könne gleich für einige Übungen genutzt werden. Im Idealfall werde der Sport dann ganz allmählich zeitaufwändiger und intensiver. Bewegungsmangel begünstige dagegen Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und verstärke das Risiko für Herz- und Kreislauf-Erkrankungen.

Wer neben der sportlichen Betätigung aufs Rauchen verzichte, wenig Alkohol trinke, Stress vermeide und sich gesund ernähre, könne das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich senken. "Das größte Risiko, das man eingehen kann, ist, gar nicht erst mit Sport anzufangen", sagt Moriabadi.

Er hat deshalb ein spezielles Fitness-Training für Faule entwickelt. "Jeder kann gleich damit beginnen, denn dafür werden weder Geräte noch Turnschuhe, noch Gymnastik-Dress oder Fitness-Studio gebraucht."

Sein Fitness-Programm für Faule beginnt schon kurz nach dem Aufwachen - im Bett. Der Morgen ist laut Moriabadi ohnehin die beste Zeit für eine neue Weichenstellung. Wer es jetzt schaffe, einige Übungen als tägliches Ritual in den Alltag einzubauen, sei auf dem richtigen Weg.

Noch im Liegen kann das leichte Training als Muntermacher und zur Stärkung des Rückens beginnen. Der Sportlehrer empfiehlt beispielsweise die "Rückenschaukel": Dafür zieht man die Knie an die Brust, umarmt die Beine und schaukelt in dieser Position von der rechten auf die linke Körperseite und dann vor und zurück, so oft man will.

Bei der "Hüftdehnung" zieht man auf dem Rücken liegend das rechte Knie zum Brustkorb, umfasst es mit den Händen und drückt es an den Körper. Das linke Bein wird währenddessen gerade lang ausgestreckt. Diese Position soll etwa 30 Sekunden gehalten werden, um dann das linke Bein anzuziehen und das rechte zu strecken.

Während kurz darauf die Zahnbürste Minuten lang im Mund kreist, können im Bad nebenbei Übungen gemacht werden. Wer Obacht gibt, dass es nicht zum Ausrutscher auf nassen Fliesen kommt, kann sogar etwas Skigymnastik treiben (siehe "Tipp" links).

Wer viel im Auto am Steuer sitzt, sollte neben regelmäßigen Pausen bei langen Fahrten auch Staus und rote Ampelphase nutzen, um sich auf dem Autositz zu bewegen. Verspannungen beugt beispielsweise der "Katzenbuckel" vor: Aufrecht hinsetzen, Rücken und Schultern in die Lehne drücken, Hohlkreuz vermeiden. Nun rolle man den oberen Rücken zu einem Buckel, die Schultern lösen sich von der Lehne und werden rund. Dann richte man sich langsam wieder auf - drei bis acht Mal wiederholen.

Auf Reisen oder auf dem Weg zur Arbeit eignet sich der Sitzplatz in Bus, Bahn oder Flugzeug für die Venengymnastik gegen Krampfadern und schwere Füße: Aufrecht hinsetzen, die Arme liegen entspannt auf dem Schoß. Nun hebt man die Fersen und drückt die Fußballen auf den Boden. Wieder auf die Sohlen stellen, dann die Füße in Richtung Schienbein spannen und die Fersen belasten - fünf bis zehn Mal im Wechsel.

Alle, die sich abends gern auf der Fernsehcouch lümmeln, können zumindest in den Werbepausen das Sofa für "Liegestütze" nutzen. Setzen Sie sich aufrecht auf die Vorderkante und stützen Sie sich dort mit beiden Händen ab. Die Finger zeigen nach vorn. Nun "laufen" Sie mit den Füßen nach vorn, bis Ihr Po in der Luft hängt. Jetzt Fußspitzen nach oben richten. Bei gestreckten Armen bilden Oberschenkel und Oberkörper einen 90-Grad-Winkel. Nun beugen Sie die Arme, bis Ober- und Unterarm im rechten Winkel zueinander stehen. Arme fünf bis zehn Mal beugen.

Neben Übungen zur Kräftigung der Muskulatur sollte auch die Ausdauer trainiert werden. Der Alltag stecke voller Möglichkeiten, Herz und Kreislauf zu beanspruchen, sagt Moriabadi. "Einen etwas entfernt liegenden Parkplatz wählen. Treppen anstelle des Aufzugs benutzen, den Weg zur Arbeit oder zum Einkauf zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Der erste Schritt zu mehr Ausdauer ist, einmal am Tag außer Atem zu kommen", empfiehlt der Sportlehrer. Je regelmäßiger man sich gezielt bewege, desto fitter werde man. Im Lauf der Zeit gehe dem Sportanfänger dann immer seltener die Puste aus. Vielleicht würden viele Menschen durch erste sportliche Aktivitäten dazu verführt, später regelmäßig Ausdauersport wie Walking, Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren oder Jogging zu betreiben, hofft Moriabadi.

Joggen und Radeln bei winterlichem Wetter
Der Winter sorgte zuletzt für kräftige Schneefälle. Spätestens beim ersten Flockenwirbel verzichten viele Freizeitsportler auf das Training im Freien und machen es sich lieber auf dem Sofa gemütlich. Andere fahren allen Wetterkapriolen zum Trotz täglich mit dem Rad zur Arbeit. Mit der richtigen Ausstattung und Vorbereitung muss aufs Joggen oder Radeln keineswegs verzichtet werden.
Immunsystem stärken

Vier von zehn Freizeitsportlern sind laut einer Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse Wintermuffel. Regelmäßige Bewegung im Freien wie Walking, Laufen oder Rad fahren stärkt in der Erkältungssaison aber nicht nur das Immunsystem und schützt vor Infekten, sondern hilft auch gegen das Stimmungstief in der dunklen Jahreszeit.
Richtig aufwärmen

Ein Kaltstart ist im Winter tabu. Kommt man aus geheizten Räumen zum Sport nach draußen, muss der Organismus sich erst auf die niedrigen Temperaturen einstellen. Wer gleich mit voller Intensität startet, atmet zu schnell die kalte Luft ein und riskiert, Rachen, Bronchien und Lunge zu reizen. Dadurch steigt die Erkältungsgefahr. Auch Muskeln und Gelenke brauchen länger, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Im Winter ist das richtige Aufwärmen daher besonders wichtig. Die Aufwärmphase sollte etwa 20 Prozent der gesamten Trainingszeit betragen.
Nicht zu warm anziehen

Viele Sportler ziehen sich im Spätherbst und Winter zu warm an. Am besten kleidet man sich bei Wind oder Minusgraden nach dem Drei-Schichten-Prinzip: Unterwäsche, eine wärmende Isolationsschicht etwa aus Fleece, die keine Feuchtigkeit speichert, und eine Schutzschicht. Dies kann zum Beispiel eine atmungsaktive Windjacke sein, die Feuchtigkeit von innen nach außen entweichen lässt, aber Wind, Regen und Schnee abhält. Bei kurzen Radfahrten reicht ein Regenponcho meist aus, praktisch sind auch Radgamaschen, die über die Schuhe gestülpt werden. Bei langen Strecken und Dauerregen empfiehlt sich eine wasserdichte Kombination aus Regenjacke und -hose.
Reflektierende Kleidung für die Sicherheit

Helle und Reflektierende Kleidung erhöht die Sicherheit für Jogger und Radfahrer. Eine Warnweste in gelber oder oranger Leuchtfarbe kann Radlern zusätzlich helfen, im Verkehr besser wahrgenommen zu werden.
Ausreichend Licht am Rad

Das Rad sollte im Dunkeln gut erkennbar sein, sowohl durch die eigene Beleuchtung als auch durch Reflektoren. Bei fehlender oder nicht funktionierender Beleuchtung droht Radlern ein Bußgeld zwischen zehn und 25 Euro. Außerdem kann das bei Unfällen teure Folgen haben. Übrigens: Auch Fahrrad-Anhänger brauchen eine eigene Lichtanlage. Sie müssen bei Dunkelheit mit einer Schlussleuchte ausgestattet sein, wenn das Rücklicht am Fahrrad durch den Anhänger verdeckt wird.
Tempo beim Radeln drosseln

Bei Glatteis und fester Schneedecke sollten Radler das Tempo drosseln und in Kurven weder treten noch bremsen. Um mehr Halt auf der Straße zu bekommen, kann aus den Reifen bis zum vorgeschriebenen Mindestdruck Luft abgelassen werden. Auch für Fahrräder gibt es inzwischen spezielle Winterreifen sowie mit Metallstiften versehene Straßen-Spikes. Wer den Sattel zudem um einige Zentimeter niedriger einstellt, bekommt bei Bedarf schnell mit beiden Füßen Bodenkontakt. AFP
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