16.04.08

Infektionsforschung

Grippe-Epidemien haben ihren Ursprung in Asien

"Out of Asia": Grippe-Epidemien verbreiten sich immer von Asien aus um die Welt, haben Forscher herausgefunden. Zuerst erreichen sie Australien und Neuseeland, bevor sie nach Monaten bis Europa und Nordamerika gelangen. Zuletzt fallen die Viren in Südamerika ein, wo sie wieder von der Bildfläche verschwinden.

Foto: pa
Umweltschädigung Symbolaufnahme
Grippe-Viren erreichen innerhalb kurzer Zeit jeden Winkel der Erde

Durch eine bessere Überwachung der Grippeviren im asiatischen Raum lasse sich künftig genauer vorhersagen, welche Virusvariante sich jeweils um die Welt ausbreiten wird, berichtet ein internationales Forscherteam im Journal "Science" (Bd. 320, S. 340). Die Forschergruppe hat die Verbreitungswege des Virus analysiert. Damit könnten auch Impfstoffe künftig besser an den aktuell zirkulierenden Subtyp angepasst werden.

Die Wissenschaftler aus Europa, Australien, Japan und den USA hatten insgesamt 13.000 Influenza-Viren untersucht, die sich zwischen 2002 und 2007 auf der Welt verbreitet hatten. Die Viren gehörten alle zum Subtyp H3N2, der seit einigen Jahren für die Epidemien auf der Welt verantwortlich ist. Die Buchstaben H und N sind Abkürzungen für zwei Eiweiße auf der Oberfläche der Viren, Hämagglutinin und Neuraminidase. Diese verändern sich in ihrem Aufbau laufend, was zur Folge hat, dass auch die Grippe-Impfstoffe ständig verändert und so an die aktuelle Eiweiß-Variante angepasst werden müssen.


Derek Smith von der Universität Cambridge (Großbritannien) und seine Mitarbeiter analysierten den Aufbau des Hämagglutinins und stellten so fest, wie sich das Eiweiß im Laufe der Zeit veränderte und wo das passierte. Auf diese Weise konnten sie nachweisen, dass neue Virusvarianten immer in Ost- und Südostasien entstehen. In diesem Raum zirkulieren die Viren das ganze Jahr und verursachen immer wieder örtlich begrenzte Grippe-Ausbrüche, meistens während der Regenzeit in der jeweiligen Region.

Sobald die Viren Asien verlassen, verändern sie sich in ihrem Aufbau nur noch wenig, berichten die Forscher weiter. Die starken Reise- und Handelsverbindungen zwischen den betreffenden asiatischen Ländern und Europa, Nordamerika und Ozeanien erkläre, warum die neuen Virusvarianten dort relativ schnell nach sechs bis neuen Monaten auftauchten. Südamerika hingegen sei eher schlecht mit dem asiatischen Raum verbunden.

Weite man die Beobachtung der Viren im asiatischen Raum aus, könnten neue Varianten schon frühzeitig entdeckt und die Impfstoffe angepasst werden. So ließe sich die Zahl der jährlich Krankheits- und Todesfälle senken. Grippe-Epidemien sind jährlich für etwa 500.000 Todesfälle verantwortlich, zwischen drei und fünf Millionen Menschen erkranken jedes Jahr.

Mit ihrer Untersuchung widersprechen die Wissenschaftler einer im Journal "Nature" (DOI 10.1038/nature06945) vorgestellten Studie, nach der sich die Grippeviren aus den Tropen Richtung Nord- und Südhalbkugel ausbreiten. Die ausgewerteten Daten stützen ein solches Ausbreitungsszenario nicht. Auch die Hypothese, dass Grippeviren in den gemäßigten Breiten das ganze Jahr überdauern und dann jeweils unter günstigen Bedingungen im Winter Ausbrüche hervorrufen, stehe im Widerspruch zu den ausgewerteten Daten.

Quelle: dpa/oc
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