23.04.08

Wladimir Putin

"Jelzin war ein mutiger, kühner Führer Russlands"

Vor einem Jahr starb der ehemalige russische Präsident Boris Jelzin. Anlässlich seines Todestages lobte Wladimir Putin Jelzin als einen der "markantesten Politiker des 20. Jahrhunderts" und "mutigen, kühnen Führer Russlands". Und dieses Lob war nicht die einzige Ehre, die Jelzin posthum zuteil wurde.

Foto: DPA

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Er habe nur einen Wunsch gehabt: Er wollte die Renaissance Russlands erleben, erinnerte sich Naina Jelzina am ersten Todestag ihres Gatten Boris Jelzin. Der erste russische Präsident war am 23. April 2007 im Alter von 77 Jahren verstorben. Ein Jahr später wurde an seiner Grabstätte auf dem Friedhof des Moskauer Neujungfrauen-Klosters ein Denkmal eingeweiht. Noch-Kremlchef Wladimir Putin, der mit dem neu gewählten russischen Präsidenten Dmitri Medwedjew an der Zeremonie teilnahm, würdigte seinen Amtsvorgänger und Ziehvater Jelzin als "einen der markantesten Politiker des 20. Jahrhunderts".

Jelzin habe entscheidend auf die Entwicklung seines Landes und den Gang der Weltgeschichte gewirkt, sagte Putin. Die stürmischen Neunzigerjahre – die im sonst üblichen staatlich verordneten Rückblick stets die Jahre des Chaos und der Erniedrigung sind – gerieten Putin gestern zu einer Zeit der großer Veränderungen. Zu einer Zeit, in der "kühne ungewöhnliche Menschen" lebten, die fähig gewesen seien, "gegen die Strömung anzugehen, zu neuen Zielen aufzurufen und die Menschen anzuführen".


Der erste Präsident des Landes sei ein "mutiger, kühner Führer Russlands" gewesen, sagte Putin in dem Versuch, einen sehr vielschichtigen und widersprüchlichen Mann zu verklären, dessen Politik heute von der offiziellen Propaganda als schändlich für Russland einsortiert wird. Putin hatte Jelzin am Sylvestertag des Jahres 1999 beerbt, als der unerwartet zurück trat und für den jungen Premier Putin den Weg in den Kreml frei machte. Nach zwei Amtszeiten geht nun die oberste Staatsmacht in Russland am 7. Mai in die Hände des 42-jährigen Dmitri Medwedjew über.

Eine Straße, ein Technikum und ein Erinnerungszentrum nach Jelzins Namen

Neben den Familienangehörigen und zahlreichen Politikern und Künstlern nahm auch Alexij II., das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche an der Gedenkfeier teil. Jelzin konnte sich nicht mehr dagegen wehren, dass ein Militärorchester an seinem Grabe die sowjetische Hymne intonierte, die unter Putin wieder zur neuen russischen geworden war. Jelzin hatte sie abgeschafft und durch das "Patriotische Lied" von Michail Glinka ersetzt.

Unter den Klängen der noch aus der Stalinzeit stammenden Melodie, die inzwischen ihren dritten Text erhalten hat, glitt ein weißes Tuch vom Werk des Bildhauers Georgi Franguljan und legte das Denkmal frei. Er habe ein Symbol des neuen Russlands und des Bildes von Jelzin schaffen wollen, sagte Franguljan am Rande der Feierlichkeit. Das Ergebnis: ein das Grab bedeckender Steinblock, dem der Künstler die Form einer wallenden Fahne gegeben und den er weiß, rot und blau – die Farben der russischen Staatsflagge - bemalt hat.

Das Denkmal habe der gesamten Familie vom ersten Augenblick an gefallen, sagte die Jelzin-Tochter Tatjana. "Das einzige, was wir vermeiden wollten, war ein Porträt aus Stein." Das ist Franguljan gelungen. Zu Ehren des ersten russischen Präsidenten wurde in seiner Heimatstadt Jekaterinburg außerdem eine Straße nach Jelzin benannt. Auch das Technikum, an dem er und seine Gattin studiert haben, wird künftig den Namen Boris Jelzin führen. Auch ein Jelzin-Erinnerungs-Zentrum wird dort entstehen

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