05.10.10

Gesundheit

Geschwister von autistischen Kindern gefährdet

Oft leiden mehrere Kinder einer Familie an Autismus. US-Forscher fanden heraus: Auch vermeintlich gesunde Geschwister könnten betroffen sein.

Foto: dpa
Eltern sollten bei Geschwistern von autistischen Kindern darauf achten, ob auch sie Zeichen der Krankheit zeigen
Eltern sollten bei Geschwistern von autistischen Kindern darauf achten, ob auch sie Zeichen der Krankheit zeigen

Geschwister von autistischen Kindern leiden oft auch an Sprachstörungen und anderen, weniger offensichtlichen Symptomen der Krankheit. Das ergab eine Studie, in der amerikanische Wissenschaftler 1200 Familien untersuchten, in denen mindestens ein Kind autistisch ist.

Gene, die für die Enstehung der Krankheit mitverantwortlich sind und in der Familie liegen, könnten auch für weniger schwere Symptome bei Geschwisterkindern verantwortlich sein, sagte Dr. John N. Constantino von der Washington University School of Medicine in einem Interview mit dem US-Rundfunksender National Public Radio.

Oft sind Familien doppelt hart von Autismus betroffen: In elf Prozent der Familien wurde die Krankheit bei mehr als einem Kind diagnostiziert. Dieses Ergebnis entspreche denen früherer Studien, schrieben die Forscher im American Journal of Psychiatry, wo diese Studie erschien.

Aber auch 20 Prozent der Geschwister, die nicht autistisch waren, zeigten Zeichen der Krankheit. Bei ihnen wurde häufig schon in früher Kindheit eine verzögerte Sprachentwicklung oder Sprachstörung festgestellt. Die Hälfte dieser Kinder wies Symptome auf, die mit Autismus assoziiert werden. So hätten diese Kinder beispielsweise Probleme, ihre Sätze korrekt zu intonieren und Wichtiges zu betonen.

Die Studie sei wichtig, weil sie zeige, wie nicht nur Autismus, sondern auch autistische Züge in Familien weitervererbt würden, sagte Rebecca Landa, Co-Autorin der Studie. Es sei wichtig, Geschwister von autistischen Kindern genau zu beobachten und – sollten Zeichen der Krankheit erkennbar sein – genau zu untersuchen.

Autisten leben meist in ihrer eigenen Welt. Sie können schlecht mit ihren Mitmenschen kommunizieren, oft ist der Kontakt selbst zu den eigenen Eltern schwierig. Die Ärztekammer schätzt die Zahl der Autisten in Deutschland auf 35.000. Die genauen Ursachen der Krankheit sind unbekannt, aber Gene scheinen eine wichtige Rolle zu spielen.

Autismus
Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Die Betroffenen ziehen sich dabei in ihre eigene Welt zurück und kapseln sich von der Umwelt ab. Männer sind schätzungsweise viermal so häufig betroffen wie Frauen. Genaue Zahlen gibt es für Deutschland allerdings nicht, Schätzungen gehen von einigen hunderttausend Betroffenen aus.
Die Störung ist nach Schweregrad und Symptomen unterschiedlich ausgeprägt, unterschieden wird vor allem zwischen einem frühkindlichen Autismus und dem sogenannten Asperger-Syndrom . Bis zu 60 unterschiedliche Symptome können beobachtet werden. Dabei haben autistische Menschen vor allem Schwierigkeiten, mit anderen in einen engen sozialen Kontakt zu treten.
Mehrere typische Auffälligkeiten treten bereits in den ersten drei Lebensjahren auf. Dazu zählt, dass autistische Kinder Blickkontakt auch mit vertrauten Personen vermeiden. Sie lächeln nicht zurück und scheinen Sprache nicht zu verstehen.
Ungefähr die Hälfte aller autistischen Kinder lernt nie, sich lautsprachlich zu äußern. Auch eine Störung des Sozialverhaltens gehört zu den typischen Symptomen. Am wohlsten scheinen sich Autisten allein zu fühlen. Sich wiederholende, stereotypische Bewegungen sind ebenfalls häufig zu beobachten.
Ursache für die Behinderung ist eine angeborene und unheilbare Störung der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung des Gehirns. Bei 60 Prozent der autistischen Kinder lassen sich Hirnschädigungen und Hirnfunktionsstörungen nachweisen.
Einige Betroffene sind zwar unfähig, einfache Tätigkeiten auszuüben, sie können aber über sogenannte Inselbegabungen verfügen. Dabei legen sie außergewöhnliche Fähigkeiten an den Tag: Einige können Musikstücke nach einmaligem Hören nachspielen, andere lernen ganze Telefonbücher auswendig.
Quelle: db
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