Pakistan
Musharraf gibt Bhutto Mitschuld an ihrem Tod
Wer ist Schuld am Tod von Benazir Bhutto? Während am Tatort noch Beweismittel sichergestellt werden, gehen die Spekulationen weiter. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf deutete jetzt an, Bhutto sei selber mitverantwortlich für ihren Tod. Andere halten Musharraf für den Verantwortlichen und fordern seinen Rücktritt.
Eine Woche nach dem Mord an Benazir Bhutto hat der pakistanische Präsident Pervez Musharraf Vorwürfe einer Beteiligung von Militär oder Geheimdiensten an der Tat zurückgewiesen. Um entsprechende Verdächtigungen zu widerlegen, habe er britische Experten zu den Ermittlungen eingeladen, sagte Musharraf. Mit den pakistanischen Ermittlungen sei er nicht vollständig zufrieden. Musharraf deutet außerdem an, dass Benazir Bhutto selber eine Teilschuld trage. Die Opposition forderte unterdessen seinen Rücktritt noch vor der auf Februar verschobenen Parlamentswahl.
Freie und faire Wahlen seien unter Musharrafs Führung nicht möglich, erklärte ein ranghohes Mitglied der Pakistanischen Muslimliga (PML-N) des früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif, Javed Hashimi. Die Anhänger der ermordeten Oppositionsführerin fordern außerdem weiterhin eine Untersuchung des Attentats durch die Vereinten Nationen. Nur so könne die Wahrheit ans Licht kommen, sagte ein Sprecher von Bhuttos Pakistanischer Volkspartei (PPP), Farhatullah Babar.
Weder eine eigenständige Untersuchung noch eine "vage ausländische Beteiligung" könne die bestehenden Zweifel und Verdachtsmomente ausräumen, erklärte Babar mit Blick auf die angekündigten britischen Experten. Die Regierung habe jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Nach Angaben des britischen Außenministers David Miliband reist ein kleines Team von Scotland-Yard-Mitarbeitern Ende der Woche nach Islamabad. Bhutto hatte einen Großteil ihrer acht Jahre im Exil in London verbracht, bevor sie im Oktober nach Pakistan zurückkehrte. Das Weiße Haus erklärte, nach der Einbindung von Scotland Yard halte die US-Regierung UN-Ermittlungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht für nötig.
Aus Ermittlungskreisen in Islamabad verlautete am Donnerstag, die Polizei habe am Tatort wichtige Beweismittel sichergestellt. Darunter seien der Kopf des mutmaßlichen Attentäters, Leichenteile, zwei Pistolen und Mobiltelefone.
Nach dem Attentat auf die Politikerin beschloss die Wahlkommission, die Parlamentswahl um sechs Wochen auf den 18. Februar zu verschieben. Die PPP verurteilte die Festsetzung des neuen Termins und erklärte, die Regierung sei nicht ehrlich an einer fairen Wahl interessiert. Die Partei wolle jedoch an der Wahl teilnehmen, um das Feld nicht der Regierungspartei zu überlassen. Die PML-N Sharifs schloss sich dieser Haltung an. Die Opposition hatte bis zuletzt gefordert, die Wahl wie geplant am 8. Januar durchzuführen.
In einem Bericht zum Attentat auf Bhutto forderte die unabhängige Konfliktforschungsorganisation International Crisis Group (ICG) mit Sitz in Brüssel die USA auf, Musharraf als Mitschuldigen einzustufen. Es sei an der Zeit anzuerkennen, dass Demokratie und nicht ein "künstlich gestützter, seines Amts beraubter, weithin verachteter General" die größten Chancen für Stabilität biete. Trete Musharraf nicht zurück, "werden sich die Spannungen verschärfen, und der internationalen Gemeinschaft könnte der Alptraum eines atomar bewaffneten muslimischen Landes drohen, das in einen Bürgerkrieg abgleitet", erklärte der ICG-Asiendirektor Robert Templer.















