27.08.07

Familien

2,6 Millionen Minderjährige leben in Armut

Trotz der guten Konjunktur sei die Zahl der Jungen und Mädchen in prekären Verhältnissen binnen eines Jahres noch einmal um 100.000 gewachsen, klagt der Deutsche Kinderschutzbund. Skandalös sei dabei vor allem, dass die Bundesregierung zugesagte Hilfen nicht verwirkliche.

Foto: DDP
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Angesichts von 2,6 Millionen Jungen und Mädchen in Armut hat der Kinderschutzbund von der Regierung sofortige Gegenmaßnahmen gefordert. Nötig seien zusätzliche Hilfen für Kinder in Familien, die von Hartz IV oder geringen Einkommen lebten, sagte Verbandspräsident Heinz Hilgers. Es sei ein Skandal, dass die Regierung schon für 2006 Hilfe versprochen habe, sie aber wahrscheinlich noch nicht einmal 2008 verwirklichen werde.

Trotz der guten Konjunktur sei die Zahl der Jungen und Mädchen in Armut binnen eines Jahres bis März 2007 noch einmal um 100.000 gewachsen, sagte Hilgers. Er bezog sich auf die Zahl aus einer Studie von 1,929 Millionen Kindern unter 15 Jahren in Familien, die vom Arbeitslosengeld abhängig sind. Hinzu zählte er auf Grundlage einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit Jugendliche bis 18, die ebenfalls in Armut leben. Dies gilt laut Hilgers, wenn durchschnittlich nicht mehr als 208 Euro im Monat verfügbar sind. Für etwa fünf Millionen Kinder und Jugendliche stünden nicht mehr als 250 Euro im Monat zur Verfügung.

Hilgers erinnerte daran, dass die große Koalition schon für 2006 einen Ausbau des Kinderzuschlags versprochen habe. Nun würden erneut "Eckwerte" für die Reform versprochen, was nicht auf eine Umsetzung bis 2008 schließen lasse. Die Bundesregierung hatte auf ihrer Klausur in Meseberg beschlossen, den Kinderzuschlag weiterzuentwickeln. Über die Umsetzung wird aber noch gestritten, eine konkrete Entscheidung wurde nicht gefällt.

"Ich sage, das ist ein Skandal", empörte sich Hilgers. Er schlug vor, für das erste und zweite Kind in armen Familien je 175 Euro Zuschlag zum Kindergeld zu zahlen, ab dem dritten Kind dann 225 Euro. Auch solle die Befristung auf drei Jahre und das besondere Antragsverfahren für den Zuschlag wegfallen.

Den Zuschlag von derzeit höchstens 140 Euro bekommen derzeit rund 124.000 Kinder und Jugendliche Arbeitnehmerfamilien mit geringem Einkommen. Die Regierung selbst will den Kreis der Empfänger auf 500.000 bis 600.000 ausdehnen. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte zugleich davor, im Kinderzuschlag ein Wundermittel zu sehen. Es müsse immer eingebettet sein in eine Kombination aus einer guten Arbeitsmarktlage und einem ausreichenden Angebot an Kinderbetreuung, sagte sie dem Fernsehsender N24.

Zuschuss für Kleider und Schulsachen

Auch für Kinder in Familien, die ganz von Hartz-IV-Leistungen leben, verlangt der Kinderschutzbund Verbesserungen. Die mit

der Hartz-IV-Reform abgeschafften einmaligen Pauschalen für Kinderkleidung und Schulbedarf müssten wieder eingeführt werden. Außerdem sollten arme Kinder einen Rechtsanspruch auf kostenloses Essen in Schulen und Kindertagesstätten erhalten. Zum Teil würden Kinder aus Ganztagsbetreuung abgemeldet, weil die Eltern das Essensgeld nicht zahlen könnten, sagte Hilgers. Er bekräftigte zudem die Forderung nach einem schnellen Ausbau der Betreuungsangebote.

Nur wenn schnell gehandelt werde, "kriegen wir das Problem in den Griff", betonte Hilgers. Anderenfalls werde eine neue Generation von Hilfeempfängern herangezogen.

Quelle: AP/Reuters/DPA/hq
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