Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
04.02.09

Holocaust-Debatte

Zentralrat der Juden stützt Merkels Papst-Kritik

In der Debatte um den Umgang mit dem Holocaust-Leugner Bischof Williamson hat der Zentralrat der Juden die Kritik der Kanzlerin am Papst begrüßt. Die Rehabilitierung von Williamson sei ein Signal der "Vergiftung" gewesen, erklärte der Vizepräsident des Zentralrats. Ein CDU-Abgeordneter aber ist über Merkel empört.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat ausdrücklich gegrüßt, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Debatte um die Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson eingemischt hat. "Hochachtung und Anerkennung für die Bundeskanzlerin, dass sie sich in dieser diffizilen Angelegenheit zu Wort meldet", sagte der Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

"Das zeigt, welche Umsicht und welches Verantwortungsgefühl sie hat", fügte Kramer an. Eine Klärung fordere auch der Zentralrat. "Sie ist wichtig nicht nur für die Kirche, sondern auch für die bundesdeutsche Gesellschaft."

Als einzigen Weg aus dieser schweren Krise will der Zentralrat ein Gespräch mit dem Papst führen. "Ich werde meinen Gremien vorschlagen, mit der Bischofskonferenz zusammen ein Gespräch mit dem Papst zu führen. Ich hoffe, dass dieses Signal gehört wird", sagte Kramer. Es könne nicht im Interesse des Zentralrates sein, den Vatikan und die Kirche zu schwächen. "Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir eine starke Kirche. Die Religionsgemeinschaften haben eine große Verantwortung."

Der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, sagte dem Nachrichtensender n-tv, die Teilrehabilitierung der Traditionalisten um Williamson sei "ein Signal für die Vergiftung und gegen die Versöhnung". Benedikt XVI. müsse diese Entscheidung "klar und unzweideutig zurücknehmen", sagte er dem Nachrichtensender n-tv. Neben der Holocaust-Leugnung müsse auch bedacht werden, dass die traditionalistische Piusbruderschaft fundamentalistisch, antisemitisch und reaktionär sei, sagte Graumann.

Der Zentralrat erwägt nach Angaben Graumanns, in diesem Jahr der "Woche der Brüderlichkeit" fernzubleiben. Der Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit appellierte deshalb an den Zentralrat, doch teilzunehmen. Man müsse der Kritik an der teilweisen Rehabilitierung Williamsons eine Plattform geben, sagte der Präsident des Koordinierungsrates, Henry Brandt, im Deutschlandradio Kultur. Brandt, der auch Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz ist, forderte vom Papst eine Maßregelung des Traditionalisten.

Für ihre Stellungsnahme in der Debatte muss sich Merkel Kritik aus der eigenen Partei gefallen lassen. Der nordrhein-westfälische CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Willy Wimmer, zeigte sich empört über Merkels Aussagen.

Die Kanzlerin habe ohne Not den Papst in eine Ecke gestellt, in die er nicht gehöre, sagte Wimmer. Das Kirchenoberhaupt habe sich klar von jedem Antisemitismus und jeder Holocaust-Leugnung distanziert. "Es gab überhaupt keinen Anlass, warum eine deutsche Bundeskanzlerin sich so äußert." Er sehe darin ein Ablenkungsmanöver von politischen Schwierigkeiten. Wimmer ist seit 1976 Bundestagsabgeordneter. Er ist Ehrenvorsitzender der CDU Niederrhein.

Merkel hatte den Papst am Dienstag zu einer eindeutigen Klarstellung im Umgang mit Bischof Williamson aufgefordert. Es gehe um die Leugnung des Holocaust und grundsätzliche Fragen des Umgangs mit dem Judentum. "Deshalb darf das nicht ohne Folgen im Raum stehen bleiben", so die Bundeskanzlerin.

Der Vatikan wies die Kritik Merkels zurück. Der Papst habe mit aller Klarheit seine "volle und nicht zur Diskussion stehende Solidarität" mit den Juden erklärt und sich gegen jede Leugnung oder Relativierung der Judenvernichtung ausgesprochen.

Quelle: AP/dpa/KNA/cn
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
EU-Gericht: Lindts Goldhase ist keine Marke
Bitteres Hasen-Urteil

Lindt-Goldhasen bekommen keinen EU-weiten Markenschutz.

Video Nachrichten mehr
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Atemnot Elton John sagt Vegas-Konzerte ab
Spitzentreffen Immer noch keine Einigung zum Fiskalpakt
Nasa-Satellit SDO Spektakuläre Aufnahmen der Sonne veröffentlicht
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote