Gespanntes Verhältnis
Israelis vergeht die Lust auf Türkei-Reisen
Nicht erst seit dem Ausbruch von Regierungschef Erdogan beim Wirtschaftsgipfel in Davos gibt es in der Türkei vermehrt antiisraelische Tendenzen. Die angespannten Beziehungen bekommen jetzt die Reiseveranstalter zu spüren: Touren von Israel in die Türkei brechen ein. Ein anderes Land profitiert davon.
Von Boris Kalnoky
Die Krise in den türkisch-israelischen Beziehungen seit der Gaza-Offensive wirkt sich jetzt auch auf die Wirtschaft und das Militär aus. In den vergangenen drei Wochen meldeten israelische Reiseagenturen Einbrüche von bis zu 70 Prozent bei Türkei-Reisen. Mit 580.000 Besuchern war das Land 2008 eines der beliebtesten Reiseziele für Israelis.
Nun wird umgebucht – nach Griechenland. Medienberichten zufolge fürchten Urlauber um ihre Sicherheit, nach einer Welle antiisraelischer Demonstrationen und Anzeichen wachsender Judenfeindlichkeit.
Probleme zeichnen sich sogar in den traditionell exzellenten Militärbeziehungen ab. Ungefähr ein Drittel des Handelsvolumens zwischen beiden Ländern entfällt auf den Verteidigungssektor. Nun will das israelische Verteidigungsministerium laut der "Jerusalem Post" Waffenwünsche der Türkei nicht nur prüfen, sondern auch eventuell ablehnen.
Der Grund für die Überprüfung der Rüstungskäufe ist nicht die neue, aggressive Rhetorik des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegenüber Israel. Beziehungen zum türkischen Militär wurden seit jeher getrennt von der Politik gepflegt. Vielmehr befürchtet man, dass die islamisch geprägte Regierung ihren Machtkampf gegen das türkische Militär gewonnen hat und somit ein islamischeres Militär Spitzentechnologie an muslimische Länder weiterverkaufen könnte.
"Genauso, wie wir modernste Wehrtechnik nicht an Ägypten oder Jordanien verkaufen, könnten wir entscheiden, auch nicht an die Türkei zu verkaufen", zitierte die Zeitung einen Verteidigungsfunktionär. Wenn sich das bewahrheiten sollte, würde es bedeuten, dass man den "strategischen Partner" Türkei in Israel mittlerweile als potenziellen Risikofaktor für die nationale Sicherheit betrachtet.
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