Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
02.02.09

Umweltgesetzbuch

CDU will reden – Gabriel sieht keine Chance

Die CDU-Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Baden-Württemberg wollen einen letzten Anlauf wagen, um das Umweltgesetzbuch zu retten. Der zuständige Minister Sigmar Gabriel hält das für sinnlos. Erneut übt er heftige Kritik an Bayerns Ministerpräsident Seehofer: Dessen Vorstellungen seien "kompletter Unfug".

© DDP
Sigmar Gabriel
Sigmar Gabriel will nicht mehr über das Umweltgesetzbuch verhandeln

Die CDU sieht noch Chancen dafür, ein endgültiges Scheitern des Umweltgesetzbuches abzuwenden. Man solle noch einen letzten Versuch wagen, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger vor einer Präsidiumssitzung seiner Partei in Berlin. Bei gutem Willen aller Beteiligten könne es noch eine Lösung geben.

Ähnlich äußerte sich Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU). Er warf Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vor, für ein Scheitern verantwortlich zu sein. Wenn es aber für die Länder die Möglichkeit gebe, von Regelungen abzuweichen, halte er eine Einigung noch für denkbar.

Gabriel hingegen sieht das Umweltgesetzbuch endgültig für gescheitert an. Zu den Vorschlägen für einen weiteren Vermittlungsversuch sagte er in Berlin, es habe bereits vergangene Woche einen "letzten Vermittlungsversuch" gegeben, der aber am Widerstand Bayerns gescheitert sei.

Auch Vize-Regierungssprecher Thomas Steg erklärte, die Bundesregierung werde den Entwurf nicht mehr in die offizielle Gesetzgebung bringen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "akzeptiert, dass der Bundesumweltminister diese Entscheidung so und nicht anders getroffen hat", sagte Steg weiter. Sie sei in der vergangenen Woche fast täglich von Gabriel über dessen - schlussendlich gescheiterten - Gespräche mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) informiert worden.

Gabriel machte jetzt Seehofer ausdrücklich persönlich für das Scheitern des Projekts verantwortlich. "Ich bin zu einer Menge Kompromiss bereit gewesen", sagte Gabriel. "Ich kann aber nicht, und das verlangt Herr Seehofer von mir, kompletten Unfug beschließen."

Gabriel warf der Union "echten Verfassungsbruch" vor. Er begründete seine Auffassung damit, dass das Gesetz schon gescheitert sei, bevor sich das Kabinett damit befasst habe. Das Umweltgesetzbuch soll das Umweltrecht bündeln und vereinfachen.

Im Bayerischen Rundfunk wies Gabriel darauf hin, dass eigentlich die Regierung über das in ihren Augen Richtige entscheide. "Dann bringt sie das in Bundesrat und Bundestag ein, und dort werden Gesetze beraten und gegebenenfalls auch verändert und verabschiedet."

Die Angst der Union einschließlich der Kanzlerin verhindere nun aber, "dass wir im Kabinett das beraten, worin wir eigentlich einig sind. So stellt sich das in unserer Verfassung nicht da. Das ist ein Ding aus dem Tollhaus", sagte der Minister.

Jeder in Deutschland - außer der Großindustrie - vertrete die Meinung, dass das Umweltgesetzbuch gut sei, weil darin alle Gesetze aus diesem Bereich zusammengeführt würden. "Das hat Bayern verhindert, aber auch die CDU, obwohl wir seit Monaten darüber reden. 15 von 16 Bundesländern, auch die der CDU, wollen dieses Gesetz."

Den Vorwurf aus der Union, mit dem Umweltgesetzbuch werde eine Monsterbürokratie aufgebaut, ließ Gabriel nicht gelten. "Die Bundeskanzlerin hat ja einen Normenkontrollrat einsetzen lassen, der die gesamten Gesetze überprüfen soll, ob sie entbürokratisiert werden können." Auch dieser Rat habe bestätigt, dass das geplante Bundesumweltgesetzbuch unbürokratisch sei und der Wirtschaft fast 30 Millionen Euro erspare.

Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) griff Gabriel erneut scharf an. Gabriel sei als Umweltminister "ein Stück gescheitert", sagte Söder vor einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. Er sei verwundert, dass Gabriel sich am Sonntag derart "aufgeplustert" habe. "Ich finde das sehr schade." Noch in der vergangenen Woche habe Gabriel ein Kompromissangebot gemacht.

Quelle: dpa/AP/cn
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
EU-Gericht: Lindts Goldhase ist keine Marke
Bitteres Hasen-Urteil

Lindt-Goldhasen bekommen keinen EU-weiten Markenschutz.

Video Nachrichten mehr
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Atemnot Elton John sagt Vegas-Konzerte ab
Spitzentreffen Immer noch keine Einigung zum Fiskalpakt
Nasa-Satellit SDO Spektakuläre Aufnahmen der Sonne veröffentlicht
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote