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08.01.09

Krieg im Gazastreifen

Rotes Kreuz wirft Israel Völkerrechtsverstoß vor

Israel sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, Hilfeleistung für Verwundete unterlassen zu haben. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden in der Nähe einer israelischen Stellung verletzte Überlebende eines Angriffs gefunden, darunter mehrere Kinder. Erst nach vier Tagen hätte ihnen geholfen werden dürfen. Israel weist die Vorwürfe zurück.

© dpa
Gaza-Offensive - israelische Soldaten im Gazastreifen

Das Internationale Rote Kreuz hat Israel einen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht vorgeworfen, weil Helfer vier Tage lang nicht zu einem bombardierten Haus in Gaza gelangen konnten. Dort harrten in dieser Zeit vier Kinder neben der Leiche ihrer Mutter aus, wie der Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Pierre Wettach, am Donnerstag in Genf mitteilte.

"Das israelische Militär muss von der Situation gewusst haben, tat aber nichts, um den Verletzten beizustehen", sagte Wettach. Weder den IKRK-Helfern noch den Sanitätern des Palästinensischen Roten Halbmonds sei es ermöglicht worden, die erforderliche Hilfe zu leisten. Erst vier Tage nach dem Granatenangriff auf das Haus in der Siedlung Sajtun sei die Genehmigung dafür erteilt worden, sagte der IKRK-Sprecher.

In drei Häusern seien dann 15 Tote und 18 Verletzte geborgen worden. Unter letzteren waren auch die vier Kinder, die den Angaben zufolge so geschwächt waren, dass sie nicht mehr stehen konnten.

"Das israelische Militär hat bei diesem Vorfall versäumt, seine im humanitären Völkerrecht verankerte Verpflichtung zu erfüllen, für Verletzte zu sorgen und sie zu evakuieren", hieß es in einer Erklärung des IKRK. Die Verzögerung bei der Zulassung der Rettungsdienste an den Ort des Angriffs sei inakzeptabel.

Der israelische Botschafter in Genf, Aharon Leshno-Yaar wies den Vorwurf des Verstoßes gegen das Völkerrecht zurück. "Sobald die militärische Aktivität beendet war, war es den humanitären Teams möglich, die Verletzten zu evakuieren", sagte der Diplomat. Israel respektiere das internationale Völkerrecht und arbeite mit Hilfsorganisationen zusammen, damit Verletzte versorgt werden könnten. In besonders schweren Fällen würde diese auch in israelische Krankenhäuser gebracht.

Nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Times" setzte die israelische Armee bei den Kämpfen international umstrittene Phosphorbomben ein. Auf Pressefotos, die vergangene Woche an der Grenze zum Gazastreifen aufgenommen wurden, seien die Phosphorbomben aus US-Produktion an der Kennzeichnung M825A1 eindeutig zu erkennen, berichtete die Zeitung. Zudem gebe es Berichte von Medizinern, die von schweren Verbrennungen bei zivilen Opfern zeugten. Diese Verletzungen können durch den Einsatz von Phosphorbomben entstehen. Die israelische Armee benutze die Munition, um Rauchwolken am Boden zu produzieren, berichtete die "Times".


Eine Sprecherin der israelischen Armee wies die Berichte über einen Einsatz von Phosphorbomben zurück. Die M825A1-Granathülsen seien nicht gefüllt und würden nur zur Zielmarkierung eingesetzt, erklärte die Sprecherin laut "Times"-Bericht. Schon seit dem Zweiten Weltkrieg sind die verheerenden Wirkungen von Phosphor-Bomben bekannt, die schwere Verbrennungen der Haut sowie Schädigungen an Leber, Herz und Nieren verursachen können. 2006 hatte Israel erstmals den Einsatz von Phosphor-Granaten bei der Offensive gegen die Schiitenmiliz Hisbollah im südlichen Libanon eingeräumt.

Aus dem nördlichen Nachbarland ist Israel erstmals in den aktuellen Auseinandersetzungen mit Raketen beschossen worden. Dies weckte zweieinhalb Jahre nach dem Libanonkrieg Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts. Die pro-iranische libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah bestritt, für die jüngsten Raketenangriffe verantwortlich zu sein. Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora verurteilte die Raketenangriffe aus dem Süden seines Landes auf Israel als "unannehmbar". Die Angriffe würden gegen die UN-Resolution 1701 verstoßen, mit der im Sommer 2006 der Libanonkrieg nach 33 Tagen beendet worden war. Damals hatte Israel im Libanon einen Krieg gegen die mit der radikal-islamischen Hamas sympathisierende Hisbollah- Miliz geführt. Die Hisbollah hatte damals vom südlichen Libanon aus zahlreiche Katjuscha-Raketen auf israelischen Boden abgefeuert.

Zum zweiten Mal in Folge trat am Donnerstag im Gazastreifen eine dreistündige Feuerpause in Kraft, die der Zivilbevölkerung und den Helfern ein wenig Luft verschaffen soll. Zugleich gab es mit der Ankunft zweier israelischer Gesandter in Kairo aber Anlass zu Hoffnung auf eine Verhandlungslösung. Der Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert, Schalom Turgeman, und General Amos Gilad, ein Berater des Verteidigungsministeriums, verhandeln mit der ägyptischen Führung über einen Plan für eine Waffenruhe im Gazastreifen.


Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hatte am Dienstag zusammen mit dem französischen Staatschef Nicolas Sarkozy einen Plan vorgelegt, der eine humanitäre Feuerpause, eine Aussöhnung zwischen den rivalisierenden Palästinenserfraktionen und eine dauerhafte Waffenruhe vorsieht. Gleichzeitig sollen internationale Beobachter sicherstellen, dass der Waffenschmuggel aus Ägypten in den von der Hamas kontrollierten Gazastreifen aufhört. Sowohl Israel als auch die Hamas haben sich generell positiv zu dem Plan geäußert.

Israel erhebt Vorwürfe gegen Hamas

Unterdessen hat Israel der radikal-islamischen Hamas im umkämpften Gazastreifen vorgeworfen, Hilfsgüter für die eigene Versorgung beschlagnahmt zu haben. Hamas-Aktivisten hätten sich aus Hilfstransporten oder aus Lagerhallen in Gaza mit Nahrungsmitteln eingedeckt, die für die notleidende Bevölkerung bestimmt waren, sagte der für palästinensische Angelegenheiten zuständige israelische Armeevertreter Alon Evjatar. Einige Aktivisten hätten auch konfiszierte Hilfsgüter verkauft, um daraus Kapital zu schlagen.

Evjatar bezog sich auf Informationen in den palästinensischen Medien sowie Berichte von "palästinensischen Quellen vor Ort, mit denen wir ständig in Kontakt sind". Der Armeevertreter warf Hamas auch vor, Zivilisten in mehreren Fällen daran gehindert zu haben, vor Angriffen ihre Häuser zu räumen. Sie hätten auch palästinensische Kinder gezwungen, sie zu begleiten, um nicht von der israelischen Armee beschossen zu werden.


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Quelle: dpa/afp/AP/fas
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