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05.01.09

Militärparade

Chinas militärisches Muskelspiel stößt auf Kritik

Es soll eine gigantische Schau werden: Peking will zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik eine Militärparade auf dem Tiananmen-Platz feiern lassen. Gezeigt werden sollen die neuesten Waffen der Weltmacht. Doch nicht alle sehen das Imageprojekt der Regierung positiv.

© picture-alliance / dpa/ AFP
Militär-Parade 50 Jahre Volksrepublik China

Peking wird den 60.Jahrestag der Gründung der Volksrepublik am 1.Oktober mit einer spektakulären Militärparade auf dem Tiananmen-Platz feiern lassen. Chinas offizielle Medien bestätigten am Wochenende, dass die Vorbereitungen zur großen Truppenschau begonnen haben, bei der Peking auch eine Generation neuer Waffen vorzeigen will. Staats- und Parteichef Hu Jintao, der in Personalunion zugleich oberster Armeechef des Landes ist, wird die Parade in einer offenen "Rote Fahne"-Limousine abnehmen. Er folgt der Zeremonie seiner Vorgänger Deng Xiaoping 1984 und Jiang Zimin 1999.

Anders als zuvor überschattet jedoch die Wirtschaftskrise Chinas dritte Militärparade seit den Wirtschaftsreformen vor 30 Jahren. Um öffentlichen Forderungen nach Verzicht auf die pompöse Massenfeier zu entsprechen, ordnete Pekings Militärführung an, die Armeeschau nicht "verschwenderisch" zu gestalten. "Pekings Tagesbefehl heißt rigorose Sparsamkeit", schrieb die Regierungs-Website China.org.cn. Das gesparte Geld soll dem Wiederaufbau der Erdbebengebiete zugute kommen, als "Geschenk des ZK zum Nationalfeiertag".

Erstmals ist die Parade aber nicht nur aus Geldgründen öffentlich umstritten. Die kritische Zeitschrift "Yanhuang Chunqiu" nannte sie in ihrem Dezemberheft ein "Relikt des Kalten Krieges". Auf Web-Seiten wurde debattiert, ob sie "politisch noch zeitgemäß ist".


Peking will auf sein Imageprojekt jedoch nicht verzichten. Auf einem Armeegelände in Pekings Vorstadt werden die teilnehmenden Soldaten seit Januar trainiert. Die Federführung haben der Generalstabschef der Volksbefreiungsarmee, Chen Bingde, sowie der Kommandeur des Militärbezirks Peking, Fang Fenghui. Auch die neue, sechs Meter lange "Rote Fahne"-Limousine steht bereit.

Für westliche Militärattachés ist Pekings Militärschau eine seltene Gelegenheit, Erkenntnisse zu gewinnen, wie modern China gerüstet ist. Über Hongkonger Zeitungen sickerte durch, dass auch offensiv einsetzbare Waffen gezeigt werden sollen, darunter Chinas neue U-Boot-gestützten ballistischen Raketen Julang II und das Jagdflugzeug J10, das Peking als Antwort auf die Generation der F-16-Kampfflieger entwickelt hat.

Beobachter hoffen, auch die modernisierten SU-30-Jagdbomber und Aufklärungsflugzeuge zu sehen. 1999 hatte Peking bereits unter 400 militärischen Großgerätschaften, 100 Raketen und 132 Kampfflugzeugen seine ersten offensiv nutzbaren Waffensysteme offenbart, darunter Interkontinentalraketen und Tankflugzeuge. Unter Deng Xiaoping waren es 1984 nur konventionelle Flugzeuge und Waffen gewesen.

Chinas Militär zeigt aber auch ohne Parade seine neuen Muskeln. Die Armeeführung schickte Ende Dezember Kriegsschiffe zur Unterstützung der internationalen Piratenjagd in den Golf von Aden. Zum ersten Mal agiert die Marine, die am 23.April ihren 60.Gründungsjahrestag feiert, außerhalb ihrer eigenen Seegrenzen. Peking entsandte seine modernsten Zerstörer, die mit 16 Anti-Schiff- und 48 Flugabwehrraketen bewaffnete "DDG-169 Wuhan" und die "DDG-171 Haikou", die mit neuartigen Raketen und Radarsystemen ausgestattet ist. Beide Kriegsschiffe wurden erst vor fünf Jahren in Shanghai gebaut. Für Pekings Militärs ist ihr Einsatz auch Testlauf und Vorbereitung auf künftige überseeische Aufgaben der Marine zum Schutz chinesischer Handelsflotten. Dazu passt, dass im Inland Militärkreise offen über die Notwendigkeit zum Bau von Flugzeugträgern diskutieren.

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